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In dieser Galerie auf Mallorca trifft zeitgenössische Kunst auf ein reiches Kulturerbe

Die Gallery Can Boni im Herzen Palmas hat neue Räume mit jahrhundertealter Geschichte bezogen. Nun ist am einstigen Standort der Galerie Ferran Cano wieder Kunst zu sehen

Kate Korotkina, hier auf den Stufen hinab zum „aljub“, betreibt die Galerie mit ihrem Partner Toni Caimari.  | FOTOS: JOSÉ FRANCISCO URQUIZAR BERMÚDEZ

Kate Korotkina, hier auf den Stufen hinab zum „aljub“, betreibt die Galerie mit ihrem Partner Toni Caimari. | FOTOS: JOSÉ FRANCISCO URQUIZAR BERMÚDEZ

Brigitte Rohm

Brigitte Rohm

Denkmalschutz und zeitgenössische Kunst unter einen Hut zu bringen, ist kein einfaches Unterfangen. Bei ihren neuen Räumen in Palma hat die Gallery Can Boni in dieser Hinsicht vieles richtig gemacht. Die Galerie gibt es seit 2018, als die Künstlerin Kate Korotkina mit ihrer Mutter im Carrer del Forn de la Glòria, 8, eine erste Niederlassung eröffnete. Korotkina kam als Kind Kunst liebender Eltern in Sankt Petersburg zur Welt und zog im Alter von zweieinhalb Jahren mit ihrer Familie nach Deutschland.

Auf Mallorca begannen die frischgebackenen Galeristinnen mit Ausstellungen internationaler Künstler, richteten ihren Blick dann aber nach und nach immer stärker auf die lokale Szene. Während der Pandemie lernte Korotkina den mallorquinischen Künstler Toni Caimari kennen und lieben. Das Paar beschloss, die Galerie fortan zusammen zu führen. Vor vier Jahren kaufte die Familie dann die benachbarten Räume dazu. Bis 2013 war dort die renommierte Galerie Ferran Cano untergebracht gewesen. Nachdem das Gebäude viele Jahre lang leer gestanden hatte, war damit eine aufwendige Restaurierung verbunden, die gerade noch rechtzeitig zur feierlichen Eröffnung am 21. Juni fertig wurde.

Eine der ältesten Bäckereien von Palma

Seitdem erstrahlt der Bau, der bis auf das Mittelalter zurückgeht, Teil der Handelsinfrastruktur war und verschiedene Etappen der Stadtgeschichte bezeugt, in neuem Glanz. Wie der Straßenname Carrer Forn de la Glòria vermuten lässt, befand sich hier eine der ältesten Bäckereien von Palma. Vortrefflich erhalten sind unter anderem eine Mühle, die mit der Kraft eines Esels betrieben wurde, ein Futtertrog und ein Brunnen. „Wir haben bei der Restaurierung darauf geachtet, dass alles im Originalzustand bleibt oder verbessert wird“, erklärt die Galeristin.

Schmuckstück im Raum: die alte Mühle.

Schmuckstück im Raum: die alte Mühle. / JOSÉ FRANCISCO URQUIZAR BERMÚDEZ

An vielen Stellen bedecken Glasplatten nun die historischen Elemente: So lassen sich diese in all ihrer Pracht würdigen, ohne dabei Schaden zu nehmen. Besonders gelungen ist dieser reversible Eingriff in die Bausubstanz bei der Treppe, die hinab in den ehemaligen Wasserspeicher (aljub) führt: Glasstufen schweben schützend in einigem Abstand über den alten Steinstufen und bringen Besucher in den eindrucksvollen, unterirdischen Raum.

Skulpturen im ehemaligen Wasserspeicher.

Skulpturen im ehemaligen Wasserspeicher. / JOSÉ FRANCISCO URQUIZAR BERMÚDEZ

Architektur und Kunst fordern Aufmerksamkeit

Korotkina freut sich, dass ihr Vorgänger Ferran Cano bei der Eröffnung zugegen war und sogar selbst eine Rede hielt. „Er sagte, dass es hier für die Künstler sehr schwer sei auszustellen, ohne dass ihnen die Räumlichkeiten die Schau stehlen.“ Idealerweise bekommen in solchen Fällen sowohl Architektur als auch Kunst gebührende Aufmerksamkeit, und Letztere sollte nicht wie ein Fremdkörper wirken.

Werke von Pere Bennàssar in der aktuellen Schau.

Werke von Pere Bennàssar in der aktuellen Schau. / JOSÉ FRANCISCO URQUIZAR BERMÚDEZ

Für die erste Schau fiel die Wahl auf den in Felanitx geborenen Künstler Pere Bennàssar Obrador. „Seine Skulpturen passen mit ihrer Farbigkeit und ihrer Keramikstruktur sehr gut hierhin“, so die Galeristin. Das Interesse des belesenen und viel gereisten Künstlers für die griechische Mythologie zieht sich als roter Faden durch die Ausstellung. In einer Serie verewigte Bennàssar Minotauren und ähnliche Gestalten in der Pose von Rodins Denker. Auch in zweidimensionalen Werken – Gemälden und Collagen – tauchen Wesen wie der mehrköpfige Hund Zerberus auf. Sie treffen mitunter auf den Künstler selbst oder auf Elemente seiner Heimat wie den Hafen Portocolom. Ein wiederkehrendes Motiv ist die Kombination von Landschaft, Stillleben und Figuration in einem Bild.

Verbindung zur jüngeren Vergangenheit

Nicht nur fügt sich die Ästhetik der Kunstwerke harmonisch in das Gebäude ein, Pere Bennàssar gehört auch zum Vermächtnis der früheren Galerie: In seinen Zwanzigern hatte er bereits mit Ferran Cano zusammengearbeitet. „Es war ein sehr emotionaler Moment, als sich die beiden nach so vielen Jahren hier wiedergesehen haben“, sagt Korotkina. So schließt sich auch der Kreis zur jüngeren Vergangenheit dieses kleinen Juwels in der Altstadt.

Pere Bennàssar, „Entropía de Eco, Psique y Pandora“, bis 13. September, Gallery Can Boni, Carrer del Forn de la Glòria, 8 und 12, Palma, Mo.–Fr. 10.30–14 und 15–18.30 Uhr, Infos: facebook.com/GalleryCanBoni

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