In der Galerie 6A in Palma können Sie jetzt junge und hochwertige Malerei entdecken
Die Galerie und Werkstatt 6A auf Mallorca läutet eine neue Etappe ein: Sie setzt verstärkt auf Kooperationen – bei der aktuellen Schau sowie beim nächsten Projekt, das auf einen externen Kurator baut

Nacho Vergara (Albacete, 1990) ist Impulsgeber der Künstler-Residenz und malt selbst farbenfrohe Gouaches. / B. Rohm
Mehr als 40 Jahre hat die "Werkstatt-Galerie" 6A in Palmas Altstadt nun schon auf dem Buckel. Trotzdem – oder gerade deswegen – hat die Leiterin Bel Font spürbar Lust auf Weiterentwicklung und frische Impulse. Beim Besuch sagt sie: „Wir arbeiten immer mit Künstlern, die an das Handwerk und an die Technik glauben. Da finden zwangsläufig Menschen selben Schlages zusammen, und es ergeben sich interessante Synergien.“ So wie bei der aktuellen Gruppenschau „R-VI“, die zur Nit de l’Art eröffnet wurde: Sie kam zustande, weil die Galerie zuvor schon mit Emmanuel Lafont, einem der Beteiligen, gearbeitet hatte.
Meistens geht den Projekten in der Galerie eine Arbeit in der hauseigenen Werkstatt voraus, wo sich die Künstler mit traditionellen Drucktechniken wie Xylografie, Kupferstechkunst oder Lithografie verwirklichen können. Doch dieses Mal gibt es ausschließlich Malerei zu sehen. „Wir wollen hier grafische Original-Kunstwerke würdigen, aber ebenso auch qualitativ hochwertige Malerei unter die Leute bringen“, erklärt Font. „Und mit der Schau ‚R-VI‘ frönen wir gewissermaßen dem Kult für junge und gute Malerei.“
Kooperation mit Künstlerresidenz
Alle zehn Künstler stammen von außerhalb, mit Ausnahme von Rafel Bestard: Der Mallorquiner beherbergte seine Mitstreiter zwei Wochen lang in seinem Haus. Dort wuchsen sie bei der von Nacho Vergara initiierten Künstlerresidenz „Resi[st/d]encia“ zu einer Gemeinschaft zusammen, die sich gegenseitig anspornte und auf die Schau bei 6A hinarbeitete – eine gelungene Kooperation, die in Zukunft wiederholt werden soll.
„Wenn Sie nach dem Juwel der Ausstellung fragen, dann wären es für mich die Werke von Jacobo Alcalde“, sagt Font. „Er ist der jüngste lebende Künstler, der jemals im Museo del Prado ausgestellt hat und kann mühelos mit den Meistern vergangener Epochen mithalten.“ Doch jeder in der Gruppe überzeugt mit seiner Technik, sticht auf seine Weise heraus.

Jacobo Alcalde (Madrid, 1990) malt wie die alten Meister. In dem delikaten, kleinformatigen Bild „Idaio“ (24 x 14,5 cm) verewigte er seinen eigenen Sohn. / B. Rohm
Rafel Bestard malt akademisch, bricht aber durch die Wahl seiner Sujets mit den Sehgewohnheiten. Nacho Vergara setzt mit seiner Gouache einen locker-leichten Akzent. Fernando Clemente ist ein Meister des abstrakten Expressionismus. Carlos Sagrera beeindruckt mit seiner Fähigkeit, große chaotische Räume zu kleinen malerischen Schmuckstücken zu reduzieren. Alba Cortés manifestiert in ihren Gemälden ihren einzigartigen Blick auf die Natur. Emmanuel Lafont ist ein Virtuose der Zeichenkohle und täuscht mit fast fotorealistischen Werken das Auge. Carmen González Castro erforscht die Textur nackter menschlicher Körper und den Druck auf die Haut. Laura Hernández Pérez entdeckt Weiblichkeit und Sinnlichkeit in unerwarteten Motiven. Und Patricia de Norverto zelebriert Spontaneität und Freiheit durch das Mischen von Techniken.

Märchenhaft: „Zafiro“ von Alba Cortés (Cáceres, 1991). / B. Rohm
Nächstes Projekt: Künstler aus Sevilla
Dass sich die unterschiedlichen Stile zu einem harmonischen und überzeugenden Ganzen fügen, liege am hochwertigen „Rohmaterial“, sagt die Galeristin. Zudem hätten sich fast alle dem Realismus verschrieben – bis auf Fernando Clemente, der abstrakt malt. „Er stellt wiederum das Bindeglied zu unserem nächsten Projekt dar“, erklärt Font. Neben Miki Leal, Rubén Guerrero, Manuel M. Romero, Juan Suárez und Fernando Pagola ist er einer von sechs Künstlern aus Sevilla, die im Dezember die Kollektivausstellung „Sarrià“ bestücken werden.
Dabei gibt es eine Premiere: Die Schau wird zum allerersten Mal in der Geschichte von 6A in die Hände eines externen Kurators gelegt – und zwar in jene des ebenfalls aus Sevilla stammenden, renommierten Kunstkritikers Sema d’Acosta. Dieser zeichnete zuletzt auf Mallorca für die große Luis-Gordillo-Ausstellung im Casal Solleric verantwortlich.
Das neue Projekt für 6A wird sowohl Gemälde als auch grafische Kunstwerke umfassen. Und noch nie hätten so viele Künstler zeitgleich in der Werkstatt von 6A gearbeitet, sagt Font: „Das war eine wunderbare Herausforderung, die Stimmung war fantastisch, und alle haben durch die Arbeit zueinandergefunden.“ Nach einer ersten „Lithografie-Schnupperwoche“ in Palma haben die Festland-Spanier Drucke in ihre jeweiligen Ateliers mitgenommen. Nun werden sie gestaffelt nach Mallorca zurückkehren – um in der Werkstatt ihre Wege weiterzuverfolgen, zu experimentieren und zu kreieren.
Gruppenausstellung „R-VI“, bis Anfang Dezember. Ab 12.12.: Gruppenschau „Sarrià“. 6A Galeria d’art i taller, C./ de la Puresa, 8 und 3A, Palma, Mo.–Fr. 10–14 und 17–20 Uhr.
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