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Zeiten des Umbruchs in der Kunstszene von Palma: Drei Galerien, bei denen es viel Neues gibt

Marc Bibiloni kehrt seiner Galerie La Bibi zu Beginn des neuen Jahres den Rücken, bei L21 gibt es einen neuen Namen und ein neues Konzept, und das Büro bei Kewenig hat ein frisches Upgrade bekommen

Aus dem Büro wird ein Concept Store mit Schwerpunkt Kunst: „La Oficina“ von Kewenig.

Aus dem Büro wird ein Concept Store mit Schwerpunkt Kunst: „La Oficina“ von Kewenig. / B. Rohm

Brigitte Rohm

Brigitte Rohm

La Bibi jetzt ohne Bibiloni

Seit ihrer Gründung 2021 blühte und gedieh die La Bibi Gallery mit Hauptquartier in Establiments: Sie organisierte Kunstprojekte an besonderen Orten – auf der Insel etwa im Stadtpalast Can Vivot –, startete ein Residenzprogramm und eröffnete 2023 einen großen Ausstellungsraum in einer ehemaligen Stofffabrik. Doch nun gehen Marc Bibiloni und Miquel Campins, die La Bibi gemeinsam ins Leben gerufen hatten, getrennte Wege. „Ich hatte schon längere Zeit das Gefühl, mit dem Projekt eine größere Vision zu verfolgen und es auf eine neue Stufe heben zu wollen“, erklärt Bibiloni im Gespräch mit der MZ. „Ich bin aber sehr stolz auf das bisher Erreichte und sehe den Schritt nicht als Bruch, sondern als eine Evolution.“

Den jungen Galeristen zieht es nach Madrid. Um seine Künstler angemessen zu repräsentieren, sei der Sprung in die Hauptstadt, die immer mehr zur Referenz für zeitgenössische Kunst werde, zum jetzigen Zeitpunkt das Richtige. „In meinem Herzen habe ich aber die Hoffnung, in ein paar Jahren wieder einen Raum auf Mallorca eröffnen zu können, der es mir erlaubt, Projekte umzusetzen, die in Richtung ‚kreatives Labor‘ gehen – und die einen anderen Rhythmus haben“, sagt Bibiloni. So würde der Standort Madrid dem Puls des Kunstmarktes entsprechen, während der Ausstellungsort auf der Insel – außerhalb von Palma – eine „institutionellere Energie“ hätte.

Galerist Marc Bibiloni zieht es jetzt nach Madrid.

Galerist Marc Bibiloni zieht es jetzt nach Madrid. / Santino Lamorte

Doch zunächst einmal muss die neue Galerie in der Hauptstadt Wurzeln schlagen. Sie wird nun den vollen Namen ihres Gründers tragen, „Marc Bibiloni“, und im Stadtviertel Las Delicias eröffnen – ganz in der Nähe der Museen Prado und Reina Sofía. Ihr Debüt will sie bei der Kunstmesse Arco Anfang März geben und kurz darauf ihre erste Ausstellung präsentieren. Mit dabei sind die sechs Künstler Ela Fidalgo, Miju Lee, Michael Staniak, Manu García, Anna Nero und Bianca Barandun, die Bibiloni nach Madrid „mitnimmt“.

Und wie geht es nun mit La Bibi weiter? Die Galerie in Palma präsentiert sich zunächst vom 5. bis 9. Februar mit Grip Face und Fátima de Juan bei der internationalen Kunstmesse Zona Maco in Mexiko. La Bibi wird weiter fortbestehen, muss sich nun aber ganz neu aufstellen in Sachen Team, Künstler und Ausrichtung. Eine Nachfrage der MZ ergab, dass hier die konkreten Pläne bereits weit gediehen sind und dass auch auf der Insel ein vieversprechendes, neues Projekt zu erwarten ist. Offiziell kommuniziert werden soll der Neustart Mitte März – es bleibt also spannend.

L21 heißt jetzt Florit/Florit

Der Galeriename L21 ist Geschichte. Óscar Florit erklärt im Gespräch mit der MZ, warum sein Projekt fortan seinen verdoppelten Nachnamen im Titel trägt: „Es ist eine Hommage an meinen verstorbenen Vater“, so der Galerist. Die jetzige Galerie im Carrer de la Reina Maria Cristina befindet sich in derselben Straße, in der der künftige Galerist einst aufwuchs. „Ich habe oft an meinen Vater gedacht und so entschied ich, dass jetzt der richtige Moment für eine Veränderung ist – und dafür, mein Familienerbe in den Vordergrund zu rücken.“

Das „Zurück zu den Wurzeln“ bezieht sich dabei auch auf die Strategie. Es sei ein Rückbesinnen auf die Anfänge, als L21 eine junge Galerie war, angetrieben von seinem Wunsch, in Palma Kunst zu zeigen, die ihn begeisterte und die man hier nur selten vorfand. „Mit der Zeit wurde das Projekt reifer, kommerzieller, unternehmerischer“, sagt Florit. Nun soll es wieder „überraschender“ werden und seinen eigenen Blick auf die Welt durch die Linse der Künstler zeigen, mit denen er arbeitet.

Die erste Schau bei „Florit/Florit“, ehemals L21Gallery.

Die erste Schau bei „Florit/Florit“, ehemals L21Gallery. / Florit / Florit

Diese sind größtenteils dieselben, wobei es auch Neuzugänge geben wird. Doch sie werden nun auf zwei Linien verteilt und „sortiert“: Florit hat zusätzlich das neue Unternehmen Proyecto Reme, benannt nach seiner Mutter, mit Sitz in Barcelona gegründet. Diese Galerie werde nun einen stärkeren Fokus auf den Endkunden haben, der sich Kunstwerke für zu Hause kaufen möchte. „Florit/Florit hat einige Künstler, die etwas institutioneller sind, Proyecto Reme hingegen solche mit Disziplinen wie Malerei, Fotografie und Skulptur, die im häuslichen Kontext geeigneter sind.“

In Barcelona soll es zunächst Doppelausstellungen geben, auch ein Showroom in Palma mit einigen Werken von Proyecto Reme ist angedacht. Auf Mallorca plant die Galerie im Schnitt vier, fünf Einzelausstellungen und eine Kollektivschau pro Jahr. Aktuell zu sehen ist das Projekt „Full Circle“ von Stine Deja. Die multidisziplinäre dänische Künstlerin untersucht die Schnittstelle von menschlicher Biologie und Technologie. Sie präsentiert unter anderem Metallobjekte, die durch ein einzelnes Element – gelbe Arbeitshandschuhe – etwas Humanes bekommen.

Kewenig öffnet „La Oficina“

Einem gelungenen Frühjahrsputz hat derweil die Galería Kewenig ihre Räume unterzogen. Während bislang die Ausstellungen stets im Oratorio de Sant Feliu stattfanden, fristete das nebenan liegende Büro ein Schattendasein, obwohl dort teils ergänzend noch weitere Kunstwerke zu sehen waren. Für manche Besucher war die Hemmschwelle einzutreten hier größer, es gab eine Art unsichtbare Barriere zwischen den zwei Bereichen der Galerie. Doch damit ist nun Schluss: Die schweren Bücherregale sind einem offenen, hellen und freundlichen Interieur gewichen, mit wenigen Möbeln und Farbtupfern in Form von Blumen und Obstschalen – „La Oficina“.

„Wir wollten einen dynamischeren Raum schaffen und uns für Kooperationen im Bereich Kunst und Innendesign öffnen“, sagt die Direktorin Sofia Borràs beim MZ-Besuch. Es sei also eine Art Concept Store, ohne sich auf diesen Namen festlegen zu wollen. „Die Kunst wird weiter im Zentrum stehen.“ Ziel sei nun auch, hier eine andere Sorte von Sammlern anzusprechen und ein breiteres Publikum zu erreichen.

Henri Matisse, "Nu aux Oranges", 1954, Lithographie, 35,5 x 26,5 cm.

Henri Matisse, "Nu aux Oranges", 1954, Lithographie, 35,5 x 26,5 cm. / Kewenig

Den Anfang macht die Ausstellung „Prints“ mit 13 farbenfrohen Lithografiedrucken aus dem Spätwerk von Henri Matisse: Ein großer Name der Kunstgeschichte, und dennoch sind diese Arbeiten leicht zugänglich und mit Preisen ab 1.300 Euro recht erschwinglich. Auch gibt es eine Auswahl an Katalogen, die man durchblättern und direkt erwerben kann.

Die drei bis vier jährlichen Hauptausstellungen von Kewenig werden weiterhin in der ehemaligen Kapelle stattfinden. „La Oficina“ soll nun zusätzlich als unabhängiger Raum mit eigenem, schneller wechselnden Ausstellungsprogramm genutzt werden und kleinformatige Werke zeigen. Das „Büro“ lässt sich für diverse Zwecke anpassen: „Ab und an wollen wir auch Kulturevents wie eine Lesung oder ein Konzert veranstalten“, sagt Borràs.

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