In Aquarell gemalte Reise: Dieses Buch zeigt Mallorcas Schönheit aus der Sicht eines deutschen Künstlers
Hans-Jürgen Gaudeck wandelte auf George Sands Spuren – und hat seine Insel-Impressionen in Buchform verewigt

Dieses Aquarell entstand auf einer Wanderung zum Cap de Formentor. / Hans-Jürgen Gaudeck
Wenn Hans-Jürgen Gaudeck (Berlin, 1941) auf Reisen ist, hat er seinen Aquarellkasten immer im Gepäck. Zahlreiche Länder von Norwegen bis nach Asien besuchte er schon, und die Kunst ist dabei seit Jahrzehnten ein steter Begleiter. Zwar ist Gaudeck kein gelernter Maler, sondern eigentlich Betriebswirt, doch nach rund 30 Büchern, in denen er oft den Dialog der Malerei mit der Poesie und Literatur suchte, beherrscht er sein Handwerk virtuos.
Die neueste Publikation ist ein gemaltes Reisetagebuch von Mallorca-Besuchen im Frühjahr und im Herbst, wo das Licht besonders schön ist und auch „nebulöse und mystische Situationen“ eintreten können, wie Gaudeck im Gespräch mit der MZ sagt. Er skizzierte Eindrücke mit Worten, die Teil des Buches sind, und malte dort, wo die Texte nicht ausreichten: „Man kann mit der Malerei viel besser die Stimmung wiedergeben. Da ist so viel Tiefe drin“, erklärt er. Und besonders gut lasse sich die Atmosphäre eines Ortes durch die Aquarelltechnik einfangen, bei der mit Wasser und Farbe buchstäblich alles fließt. Dabei versucht Gaudeck stets, minimalistisch zu bleiben und die Bilder nicht zu überladen.

Sonnenuntergang vor Algaida. / Hans-Jürgen Gaudeck
Frische und lebendige Eindrücke
So entstehen Werke von einer zarten Poesie, die nicht nur durch die frischen und lebendigen Impressionen bestechen, die dem Blick des Malers entspringen – der Berliner arbeitet am liebsten direkt vor Ort. Bemerkenswert an den Aquarellen ist auch, dass sie selbst bei vielfach künstlerisch dargestellten Schauplätzen wie Valldemossa noch Ansichten zeigen, die man so selten gesehen hat: etwa vermeintlich schlichte Gassen mit erdfarbenen Häuserfronten statt bekannter Sehenswürdigkeiten. Wenn etwas sein malerisches Interesse wecke, könne das auch eine Kleinigkeit wie eine Palme oder eine Steinmauer sein.

Pollença. / Hans-Jürgen Gaudeck
Als Leitfaden diente Gaudeck erklärterweise die intensive Lektüre von George Sands „Ein Winter auf Mallorca“, dessen Schilderungen der Landschaft einige Aquarelle ergänzen. Bei seinen Wanderungen, die er gemeinsam mit seiner Frau unternahm, gelangte er selbst aber auch in viele Gegenden der Insel, die Sand und Chopin nie zu Gesicht bekommen hatten. Ausgangspunkt der Streifzüge war das Weingut Possessió Binicomprat in Algaida, und schon dessen unmittelbare Umgebung versprühte für Gaudeck einen großen Reiz.

Algaida. / Hans-Jürgen Gaudeck
"Man darf nicht vorüberlaufen"
Im Grunde habe für ihn aber jeder Ort, an den er kam, etwas Besonderes gehabt: „Man muss es nur sehen und aufnehmen, man darf nicht vorüberlaufen“, sagt der Maler. Sant Elm attestiert er etwa eine „fast griechische Ausstrahlung“, Deià begeisterte ihn wie schon viele Künstler zuvor, die Alfabia-Gärten boten ihm eine Fülle von Motiven, und die Tramuntana steckte voller Inspirationen: „Ich habe viele Olivenbäume gemalt. Diese Markanz und dieses Urige fand ich besonders faszinierend.“
Menschliche Figuren tauchen auf den Bildern nur selten auf: Sie sind schemenhaft, verschmelzen ganz mit der Umgebung. Es mag auch dem günstigen Reisezeitpunkt abseits der Hauptsaison zu verdanken sein, dass Gaudeck auf der Insel so viel Stille und Harmonie suchte und fand.

Olivenbaum. / Hans-Jürgen Gaudeck
Träumerisches Mallorca-Buch: „Mallorca. Auf den Spuren von George Sand und Frédéric Chopin“, Hans-Jürgen Gaudeck, Klaus Becker Verlag, 2024, 84 Seiten, 42 Aquarelle, 29 Euro. Weitere Infos unter gaudeck.com.
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