Rückblick auf ein Leben voller Farbe: große Gustavo-Ausstellung in Palma
Vom Palma der 60er-Jahre über das Berlin der 80er und 90er bis hin zu einem Mallorca, das ihn noch immer inspiriert: Der bekannte Künstler Gustavo verrät kurz vor der Eröffnung einer großen Retrospektiv-Ausstellung, welche Stationen sein Leben geprägt haben - und warum er mit 86 noch täglich zum Pinsel greift

Gustavo am Dienstag in der Misericòrdia, wo am Donnerstag (5.6.) seine große Ausstellung eröffnet wird / Privat
Gustavo ist niemand, der sich zur Ruhe setzt. Auch heute nicht, mit seinen 86 Jahren. Im Gegenteil. "Ich bin absolut vital, ich male jeden Tag", erzählt er stolz. Dabei war Produktivität schon immer eine der vielen Stärken, die den vor allem in Deutschland und auf Mallorca bekannten Künstler ausmachen. Allein an Ölgemälden seien in seinem Leben rund 5.500 zusammengekommen.

In der Misericòrdia ist viel Platz für Gustavos Werke / Gustavo
Werke privater Sammler
Zeit also für eine Retrospektive.: "De la Calle al Cosmos" lautet der Titel der großen Ausstellung, die am Donnerstag (5.6.) in Palmas Misericòrdia eröffnet wird. Ein Rückblick auf viele Jahrzehnte Gustavo. Und mittendrin, wie immer, der Künstler selbst, der den Ton angibt. "Ein wenig anstrengend ist es schon mit der Fahrerei, aber ich muss ja sagen, wie alles aufgebaut werden soll", so Gustavo redselig wie immer im MZ-Interview. Von seiner Wahlheimat Capdepera pendelt er momentan fast täglich in die Inselhauptstadt, um dabei zu sein, wenn sein künstlerisches Leben für die Öffentlichkeit aufbereitet wird.
Genutzt werden die Kapelle, sowie drei Stockwerke der Misericòrdia. Zu sehen bekommen die Besucher der Ausstellung rund 130 Gustavo-Werke, die teilweise lange nicht mehr öffentlich ausgestellt worden sind. "Ein Großteil ist im Besitz privater Sammler, viele davon aus Deutschland und Österreich", so Gustavo. Gemeinsam mit seinen Helfern habe er die letzten Monate darauf verwendet, die guten Stücke auf die Insel bringen zu lassen, wo sie noch bis September bestaunt werden können.
Palma, wie es früher war

Eine Nonne mit Schullkindern im Palma der 60er Jahre: eines der ersten Werke Gustavos / Gustavo
Dabei ist der Name der Ausstellung (zu Deutsch: "Von der Straße bis in den Kosmos") Programm: "Ich begann einst als der Zeichner der Straße", erinnert sich Gustavo, der mit echtem Namen Gustavo Peñalver Vico heißt. Mit fünf Jahren zog seine Familie vom spanischen Cartagena nach Palma, mit knapp 20 Jahren begann er eine Kooperation mit der damaligen Zeitung "Baleares". "Jeden Tag zog ich durch die Stadt, regelmäßig druckten sie ein Werk von mir ab, und die Leute fragten sich, welche Straße ich mir wohl als nächstes vornehmen würde." Auch in der aktuellen Ausstellung sind Werke aus dieser Zeit zu bestaunen - sie sind ebenso Zeitzeugen der Anfänge des jungen Künstlers als auch eines Palmas der 60er Jahre, das es so heute nicht mehr gibt. "Damals hatte ich einen ganz anderen Stil, viel gegenständlicher als es heute der Fall ist."
Nach einigen Jahren in Portals Nous zog Gustavo zum Studium nach Barcelona, verließ dann das vom Faschismus geprägte Spanien und lebte in Paris.1976 zog er nach Berlin, wo er einer der ersten Künstler war, die das Künstlerhaus Bethanien in Kreuzberg mit Leben und Farbe füllten. Sein Stil wurde grotesker und politischer. Obwohl stets ansehnlich und meist heiter, steckt in vielen seiner Werke bis heute eine Gesellschaftskritik, die teils nur auf den zweiten Blick zu sehen ist.
Farbige Spuren in Berlin und Cala Ratjada
Nach 20 Jahren Berlin, in denen er sich unter anderem durch großflächige Wandgemälde in der deutschen Hauptstadt und im gesamten Bundesgebiet einen Namen gemacht hatte, zog es Gustavo zurück nach Mallorca, diesmal nach Capdepera, in die Nähe seines Bruders. Auch hier hinterließ er stets farbige Spuren im öffentlichen Raum, allen voran das großflächige Fliesenmosaik an der Hafenmauer von Cala Ratjada.
Noch lange nicht Schluss

Plakat der Ausstellung in der Misericòrdia in Palma / Inselrat
"In den Kosmos" ging es für ihn erst in den letzten Jahren. "Ich habe mich immer weiter entwickelt, genau wie meine Kunst. In den vergangenen Monaten male ich viel aus dem Kosmos", verrät der Künstler. In der Ausstellung ist diese Entwicklung nun für jedermann sichtbar. "Dass die Verantwortlichen vom Inselrat eine solche Ausstellung vorgeschlagen haben, ehrt mich sehr. Es ist etwas Besonderes", so Gustavo. Ein Rückblick, aber kein Schlussstrich, das betont der 86-Jährige gleich mehrmals. "Meine letzte Ausstellung wird es nicht sein, ich habe noch einiges vor."
Die Ausstellung "De la Calle al Cosmo - Gustavo 1963-2025" wird am 5. Juni um 18.30 Uhr im Centre Cultural Misericòrdia (C/Misericòrdia, 1, Palma) eröffnet und kann bis zum 6. September von montags bis samstags von 10 bis 20 Uhr besichtigt werden. Deutschsprachige geführte Touren, angeleitet von Gustavos Tochter Bettina Neumann, sind unter anderem für den 21. Juni, 26. Juli und 9. August jeweils um 11.30 Uhr geplant. Mehr Infos folgen hier.
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