Versteckt im Hinterhof: TACA ist seit elf Jahren ein alternativer Kunst-Hotspot in Palma
Der selbstverwaltete Kunstraum bildet ein Kreativ-Refugium abseits des Kommerz

Der Künstler Julià Panadès in der Gasse, in der sich der Kunstraum TACA befindet. / Nele Bendgens
Auch wenn der Name auf Katalanisch „Fleck“ bedeutet: Ein Schandfleck ist dieser Raum ganz und gar nicht. Wobei die Assoziation von einem frischen Farbspritzer, der die glänzende Perfektion aufmischt, hier ganz hervorragend passt. Denn in direkter Nachbarschaft zum Carrer Sant Feliu, der in fester Hand von kommerzieller Kunst und Luxus ist, befindet sich – quasi im Hinterhof, am Ende einer Sackgasse mit Garagen, Yogastudios und Ateliers – ein Hort für ungebremste Kreativität. Der unabhängige Kunstraum TACA existiert hier seit 2015 – wie ein bekanntes gallisches Dorf, das von Römerlagern umringt ist. In diesen Tagen feiert er sein elfjähriges Bestehen. Es sind nur vier mal fünf Meter, mit einer sechs Meter hohen Decke. Aber diese kleinen vier Wände sind eine wahre Wunderkiste und haben schon weit über 100 Ausstellungen beherbergt.
Hinter der Initiative steckt der bekannte mallorquinische Künstler Julià Panadès (44), der mit Fran Reus zusammenarbeitet und dessen fantasievolle Skulpturen aus recycelten Fundsachen sich in vielen Ausstellungen auf der Insel finden. Man habe ihm damals den ehemaligen Lampenladen als Atelier angeboten, erzählt er beim MZ-Besuch: „Ich hatte zwar schon eines, wollte aber nicht, dass dieser schöne Ort ungenutzt blieb.“ So tat er sich zunächst mit vier anderen Künstlern zusammen, die aber nach wenigen Monaten absprangen. „Wir hatten anfangs keine genaue Vorstellung, ob es ein Showroom für uns oder eine Art Galerie werden sollte, aber wir wollten, dass hier etwas mit Kunst passiert“, sagt Panadès. „Dann hat es sich allmählich in das verwandelt, was TACA heute ist.“
Sprungbrett und Spielwiese
Und zwar: ein multifunktionaler Ausstellungsraum, aber nicht für ihn selbst. Das entspricht Panadès’ Umweltschutz-Gedanken, der bei seinem Schaffen eine große Rolle spielt: Es sei nachhaltiger, Kunst von anderen zu präsentieren, als selbst etwas Neues zu produzieren, sagt er. TACA dient als Sprungbrett für junge lokale Talente, die hier ihre erste Solo-Schau bekommen, aber auch als Spielwiese, auf der gestandene Künstler mit vorzeigbarer Karriere experimenteller arbeiten können, als es ihre Galerien sonst erlauben würden. „Da ich selbst Künstler bin, passiert hier alles unhierarchisch und auf Augenhöhe“, so Panadès. „Und ein solcher Raum ist sehr notwendig. Denn Kunst ist nicht nur dafür da, ins Haus gehängt zu werden. Die Projekte hier geben den Künstlern die Freiheit zu machen, was sie wollen.“
Er selbst ist bestens vernetzt, und die Projekte entstehen organisch – oft kommen die Künstler mit Ideen zu ihm. Panadès ist offen für fast alles, unabhängig von seinem persönlichen Geschmack – ob Malerei, Illustration, Installation, Fotografie oder Performancekunst: „Die Linie von TACA war immer, dass es keine Linie gibt“, sagt er. Und der Rhythmus ist schnell: Etwa alle drei Wochen gibt es eine neue Vernissage, mehr als zwölf Ausstellungen pro Jahr. Aktuell ist eine Schau von Marga Estelrich zu sehen, einer jungen Künstlerin aus Manacor, die ausgehend von Installation und Fotografie skulptural arbeitet.

Blick in die Ausstellung "Als teus marges xampany" von Marga Estelrich. / Nele Bendgens
Anerkennung in der Kunstszene
Trotz des alternativen Esprits genießt der Raum allerorts viel Respekt. Panadès arbeitet mit renommierten Kuratorinnen zusammen. Und in manchen Jahren hat der Galeristenverband Art Palma Contemporani TACA kostenlos als angeschlossenen Ausstellungsort im Programm bei Kunstevents wie der Nit de l’Art geführt – als Zeichen der Anerkennung für das Non-Profit-Projekt. „Wir waren Teil des offiziellen Zirkels und haben sehr gute Beziehungen zu den Galeristen, die unsere Arbeit schätzen“, sagt Panadès. Er habe aber festgestellt, dass bei den Kunstnächten im Grunde immer etwa gleich viele Interessierte vorbeischauen würden – ob Auflistung oder nicht.
TACA verfügt, wenn auch in geringem Umfang, über finanzielle Zuwendungen von den Institutionen: Der Inselrat übernimmt Produktionskosten, Flugtickets und Transportkosten, die bei Künstlern von außerhalb anfallen, die Stadtverwaltung von Palma hilft bei der Finanzierung der – dank eines alten Vertrags glücklicherweise nicht sehr hohen – Miete. „Es könnte aber weitaus mehr sein, denn alles, was die Programmgestaltung, Verwaltung, den Aufbau oder die Kommunikation betrifft, bezahlt niemand“, sagt Panadès, der hierbei zumindest Unterstützung von seiner Partnerin bekommt. „Aber wir verlieren bei alldem nichts – höchstens unsere Zeit. Mir gibt diese Arbeit sehr viel zurück“, betont er.
Die Konditionen für die Künstler sind besser als in einer kommerziellen Galerie: Wenn sie bei TACA Werke ausstellen, die sich verkaufen lassen und die sie verkaufen möchten, erhalten sie 60 Prozent der Einnahmen – einst waren es sogar 70 Prozent. Es gebe aber etwa auch Fälle wie den des illustren Zeichners Lluís Juncosa, der im Herbst eine Schau hatte: „Er ist einer dieser typischen Outsider, die ihre Werke behalten möchten. Aber für mich war es eine Ehre, sie auszustellen“, sagt Panadès. Und manchmal sind es keine leicht handhabbaren Bilder, sondern Projekte, bei denen der ganze Raum eine Installation zum Eintauchen wird – etwa bei Pere Butza aus Felanitx. Er verwandelte TACA zur Nit de l’Art in ein dunkles Verlies, das die Besucher mit Kerzen in der Hand erkunden durften.

So sah TACA bei der Ausstellung "Der letzte blick zurück vor dem abgrund" von Pere Butza aus. / TACA
Keine Konzerte im Freien mehr
Bis vor zwei Jahren hatte Panadès mehr finanziellen Spielraum, weil er auch den Außenbereich in der Gasse für Projekte nutzen konnte: Es gab Konzerte, Kino und Barbetrieb. Das Ambiente hatte dabei etwas von der Magie unkonventioneller Treffpunkte in Städten wie Berlin. Nun sind ihm solche Aktivitäten verboten. „Das ist pure Gentrifizierung. Der Eigentümer möchte uns loswerden. Unser Vertrag geht noch etwa zwei Jahre“, so Panadès.
Danach könne der Besitzer angesichts der Top-Lage vom Nachmieter das Sechsfache verlangen. Und mit TACA sei es dann wohl zu Ende. Panadès würde gerne anderswo weitermachen, macht sich aber keine Illusionen, etwas Bezahlbares im Zentrum zu finden. Doch vorerst bleibt sein Anspruch an das Projekt derselbe, auch ohne die geselligen Freiluft-Events: „Sehr wichtig bei diesem Raum ist, dass er ein Ort der Begegnung und des Kontakteknüpfens für Gleichgesinnte sein soll, die an Kultur interessiert sind“, betont Panadès. „Hier sind schon viele Synergien entstanden.“
TACA, Carrer Sant Feliu, 17, Local 12, Palma. Besuch mit Termin, Infos: Instagram/tacastudio
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