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"Wie die Suche nach der Liebe deines Lebens": Kenner auf Mallorca erklären die Kunst des Kunstsammelns

Ann Wikström Mogliani und Peer Eriksson haben ein Buch zum Thema herausgebracht. Hier geben sie Tipps für angehende Sammler – und einen Besuch der Art Cologne Palma Mallorca

Ann Wikström Mogliani und Peer Eriksson im begrünten Patio des Gebäudes der Cansalas Gallery.

Ann Wikström Mogliani und Peer Eriksson im begrünten Patio des Gebäudes der Cansalas Gallery. / Nele Bendgens

Brigitte Rohm

Brigitte Rohm

Die ehemalige Unternehmerin Ann Wikström Mogliani, die in Palma die Cansalas Gallery betreibt, hat gemeinsam mit dem Autor und Fotografen Peer Eriksson ein Buch veröffent licht, das der „Kunst des Kunstsammelns“ nachspürt. Bekannte Persönlichkeiten geben darin Einblicke in ihre Sammelleidenschaft und die Motivation dahinter. Hier teilen nun die bei den Schweden selbst im Gespräch einige Ihrer Erkenntnisse über die Welt des Kunsthandels.

Was würden Sie jemandem raten, der gerade erst mit dem Kunstsammeln anfängt?

Wikström: Man muss sich ein Kunstwerk ansehen und wenn man etwas empfindet, vielleicht noch einmal weggehen, dann wiederkommen und noch einmal genau hinschauen. Wenn man dann immer noch etwas fühlt, ist das meiner Meinung nach ein gutes Zeichen.

Eriksson: Der Aufbau einer Beziehung zu der Art von Kunst, die man mag, gleicht dem Knüpfen einer neuen Freundschaft. Es ist wie bei einer Person, die man gerne trifft, mit der man ab und zu Kaffee trinken geht und die man dann ins Herz schließt. Auch Nachforschungen sind sehr wichtig: sich umschauen, eine Beziehung zu einer Galerie aufbauen. Und ich finde, man sollte keine Angst haben, etwas zu kaufen. Fang einfach an und schau, wohin es dich führt. Es ist ein Prozess. Sei nicht zu schlau, deine In tuition sagt dir, was du tun sollst. Notfalls kann man das Kunstwerk immer noch verkaufen, wenn es einem plötzlich nicht mehr gefällt.

Einen Freund fürs Leben gewinnen

Es gibt ja durchaus Sammler, die Kunstwerke vor allem als Investment kaufen.

Wikström: Das sollte aber niemals der Grund sein. Das Geld steht erst an zweiter Stelle.

Eriksson: Wenn man das Ganze wie eine Beziehung betrachtet, dann geht es doch darum, einen guten Freund fürs Leben zu gewinnen. Es ist fast so, als würde man sich mit dem Künstler unterhalten. Man wacht jeden Morgen auf, sieht das Gemälde, und es spricht zu einem. Dann findet man vielleicht ein zweites Werk des Künstlers, baut die Beziehung weiter aus.

Was ist die beste Strategie für den Besuch einer Kunstmesse wie der Art Cologne?

Eriksson: Ich finde, man sollte ganz offen und nicht schüchtern sein: Kunst kennenlernen, sich umsehen, genießen und viele Erfahrungen sammeln. Als würde man auf eine große Party gehen. Man mischt sich unters Volk.

Wikström: Wenn man häufig Ausstellungen besucht, trifft man dort dieselben Leute wieder.

Eriksson: Dann begegnet man einem Künstler, den man mag, verweilt dort und unterhält sich. Und dann kehrt man plötzlich immer wieder zu einem Werk zurück. Wenn ein paar Tage ver gangen sind, träumt man vielleicht von etwas, das man gesehen hat. Ich habe einige Werke in meiner Sammlung, von denen ich nicht erwartet hatte, dass ich sie auf einer Messe finden würde – aber so war es. Es ist wirklich vergleichbar mit der Suche nach der Liebe deines Lebens.

Ann Wikström Mogliani und Peer Eriksson mit ihrem Buch.

Ann Wikström Mogliani und Peer Eriksson mit ihrem Buch. / Nele Bendgens

Drei Typen von Kunstsammlern

Sollte man bei all dem Gefühl und der Intuition nicht auch auf die Stimme der Vernunft hören?

Eriksson: Es ist dasselbe wie einen Tanzsaal zu betreten. Natürlich kann man nicht mit jedem tanzen. Deshalb sollte man nach jemandem Ausschau halten, der wirklich interessant ist. Wenn man ihn gefunden hat, darf man keine Angst haben, ihn zum Tanzen aufzufordern.

Sie definieren drei verschiedene Typen von Sammlern. Was unterscheidet sie voneinander?

Eriksson: Wenn man die erste Kategorie betrachtet, den casual collector, dann sammeln diese Leute eher beiläufig und gehen sehr locker an die Sache heran. Meiner Erfahrung nach wissen sie manchmal gar nicht, dass sie eigentlich schon sammeln. Vielleicht haben sie zu Hause einen freien Platz. Sie wollen dafür ein Kunstwerk haben und suchen dann etwas, das schön ist. Der Gelegenheitssammler ist also jemand, der ein Werk findet, das ihn begeistert, und denkt: „Wow, das gefällt mir, und ich mag diesen Künstler.“ Oder er hat eine fantastische Ausstellung gesehen, die ihn dazu verleitet, etwas zu kaufen. Der curious collector fängt langsam an, sich selbst zu verstehen – was ihn begeistert und was ihn dazu treibt, Dinge zu kaufen. Dann beginnt er, sich zu informieren und zu recherchieren. Er besucht vielleicht ein paar Kunstmessen und spricht mit einer Galerie, um einen Mentor und Berater zu finden. Dann wird er wirklich neugierig darauf, eine Sammlung aufzubauen. Er fängt erst klein an. Das ist wie ein Abenteuer. Und der serious collector hat dann wirklich die bewusste Entscheidung getroffen, ein Sammler zu sein.

Der Galerist als Abenteurer

Welche dieser Spezies ist am häufigsten?

Wikström: Wenn man neugierig ist, ist das mei ner Meinung nach am häufigsten und am allertypischsten. Als ich selbst angefangen habe, kam das alles aus meinem Herzen heraus. Ich kaufe nur das, was ich liebe. Es muss mich berühren, ich muss dabei etwas fühlen – ob nun Trauer oder Glück.

Ihr Ansatz im Buch besteht darin, Interviews mit einer Vielzahl unterschiedlicher Personen zu führen. Gab es Erkenntnisse, die Sie beson ders aufschlussreich und überraschend fanden?

Eriksson: Ich denke da an die Antworten des Kunsthändlers Tony Shafrazi, den wir ganz am Anfang im Buch haben. Er ist eine Legende in der Kunstwelt und war derjenige, der Basquiat und Keith Haring entdeckt und in die Kunst szene gebracht hat. Das Interview, das ich 2004 mit ihm geführt hatte, war für mich der Auslöser und die Idee, ein Buch über dieses Thema zu schreiben. Denn er sprach fast wie ein Talent scout, der durch die Welt der Kunst streift und versucht, interessante Dinge zu finden und sie zu präsentieren. Das war für mich etwas, das mich wirklich überrascht hat: die Galeristen als „Abenteurertypen“ zu betrachten.

„The Art of Collecting Art“, herausgegeben 2025 von Cansalas Gallery and Art House, Verkaufspreis in der Galerie (Carrer Can Sales, 3, Palma): 50 Euro, Preis online: 65 Euro, zu bestellen unter: cansalasgallery.com

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