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"Versuchen Sie, methodisch vorzugehen": Ein Kunstexperte gibt Tipps zum Besuch der Art Cologne Palma Mallorca

Zwischen Gefühl und klarem Verstand: Pau Waelder erklärt, wie man am besten einen Messebesuch gestalten sollte – und was den Reiz dabei ausmacht

Kunstexperte Pau Waelder.

Kunstexperte Pau Waelder. / privat

Brigitte Rohm

Brigitte Rohm

Der mallorquinische Kunstkritiker und Kurator Pau Waelder hat 2020 ein Doppelhandbuch publiziert – für wohlhabende und weniger betuchte Kunstsammler im digitalen Zeitalter.

Welche Bedeutung haben Kunstmessen in einer immer digitaleren Welt?

Ich glaube, Messen sind nach wie vor wichtige Treffpunkte. Es ist selten, dass man einfach so die Straße entlanggeht und sagt: „Oh, da ist eine Galerie, ich kaufe mir ein Kunstwerk.“ Die Kon sumgewohnheiten von Sammlern ähneln in gewisser Weise denen, die wir alle haben. Wenn es sich um einen bekannten Künstler aus einer bekannten Galerie handelt, dann wird ein Sammler das Werk heute direkt übers Internet kaufen und muss nicht extra zu einer Messe fahren. Früher war es so: Wenn man gute Kontakte zur Galerie hatte, kam man früher rein und hatte die erste Gelegenheit, ein dort ausgestelltes Werk zu kaufen. Aber es bleibt noch ein ganzes Spektrum: die Messe als Event, Ort der Begegnung und Entdeckung, die auch zu Verkäufen führen kann – vor allem für kleinere und mittelgroße Galerien, die nicht so bekannt sind und etwas bieten, das Sammler interessiert.

Und worin besteht der Mehrwert für Besucher?

Es ist eine Kombination: Man fährt als Sammler zu einer Messe in einer interessanten Stadt, wo man einen kleinen Urlaub verbringen kann – um Kunst zu genießen und Leute zu treffen. Es geht um den sozialen Aspekt, um Spaß und um Entdeckungen. Wenn du etwas im Internet kaufst, ist das sehr direkt, aber auch kühler. Und es beinhaltet nicht die soziale Interaktion, wenn man mit dir über den Preis verhandelt.

"Vorab online einen Überblick verschaffen"

Was würden Sie jemandem für den ersten Messebesuch mit auf den Weg geben?

Man sollte sich zunächst die Liste der Galerien ansehen und beachten, dass es dabei verschiedene Kategorien gibt – von den etablierteren bis hin zu den aufstrebenden, die natürlich günstigere Preise und weniger bekannte Künstler haben. Dann kann man sich schon vorab online einen Überblick verschaffen, welche Künstler einen ansprechen. Normalerweise hat jemand, der sammeln will, auch wenn er gerade erst anfängt, eine gewisse Vorstellung davon, ob ihm Malerei oder Fotografie besser gefällt, etwas Abstrakteres oder Figurativeres. Dann kann man sich einen Plan und eine Route zu sammenstellen. Das ist eine strukturierte Art, es anzugehen, um nicht zu verpassen, was einen am meisten interessiert. Denn irgendwann kommt der Moment, in dem man von den vielen visuellen Reizen so übersättigt ist, dass einen nichts mehr berührt. Und es ist immer ratsam, vor dem Kauf nachzudenken.

Bald auch auf Mallorca: Besucher bei der internationalen Kunstmesse Art Cologne.  | FOTO: HANNE ENGWALD/KOELNMESSE

Bald auch auf Mallorca: Besucher bei der internationalen Kunstmesse Art Cologne. / HANNE ENGWALD/KOELNMESSE

Welche Fehler sollte man sonst vermeiden?

Ein grundlegender Fehler ist, alles auf einmal sehen zu wollen. Ich würde sagen: Versuchen Sie, methodischer vorzugehen. Kaufen Sie nicht sofort, nehmen Sie sich Zeit für einen zweiten Blick. Oft wird auch geraten, sich ein Budget zurechtzulegen, um sich nicht zu verrückten Spontankäufen verleiten zu lassen, die man bereut. Theoretisch kann man Werke weiterverkaufen, aber in der Praxis ist das nicht immer so einfach. Es sei denn, man hat einen Warhol.

Also ist Verstand wichtiger als Gefühl?

Letztlich ist am wichtigsten, dass das Werk für einen selbst Wert hat. Ein Sammler aus Berufung achtet darauf, dass er ein Werk kauft, weil er es schätzt, und nicht, weil er gehört hat, dass es trendet. Wenn eine stimmige Idee dahinter steckt, wird auch die Sammlung kohärent sein.

Pau Waelder, „You Can Be A Wealthy / Cash-Strapped Art Collector In The Digital Age“, erschienen 2020 bei Printer Fault Press, Restexemplare im Buchhandel: 25 Euro, PDF: 5 Euro, printerfaultpress.com

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