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"Bei dieser Messe geht es nicht um die Größe": Art-Cologne-Direktor Daniel Hug im Gespräch über die Mallorca-Ausgabe

Der künstlerische Leiter der Art Cologne blickt mit Vorfreude auf das Kunstevent, das von Donnerstag bis Sonnag (9.4. bis 12.4.) im Kongresszentrum in Palma steigt. Und er hofft auf viele gewagte und mutige Präsentationen

Daniel Hug vor dem Kongresszentrum.

Daniel Hug vor dem Kongresszentrum. / Nele Bendgens

Brigitte Rohm

Brigitte Rohm

In der Woche vor der Art Cologne Palma Mallorca hat der künstlerische Leiter Daniel Hug noch einiges vor. Sein Hauptanliegen: allen der 14 teilnehmenden Galerien von Mallorca einen Besuch abzustatten. Für ein Gespräch mit der MZ nimmt er sich trotzdem Zeit.

Sie haben einmal betont, dass die Art Cologne Palma Mallorca nicht als „deutsche Messe“ wahrgenommen werden soll. Gelingt das oder verstehen die Leute hier nicht, worum es geht?

Ich denke: Sobald die Messe stattfindet, werden die Menschen ein besseres Verständnis davon haben. Ich glaube sehr an das Handeln – daran, zu lernen, indem man etwas tut und erlebt. Im Moment ist noch alles sehr abstrakt. Unsere Verbindung zur lokalen Gemeinschaft ist Art Palma Contemporani, unser Partner bei dieser Messe. Deshalb muss viel von der Vermittlungsarbeit über den Galeristenverband laufen. Und es scheint zu funktionieren.

Dass der Eintritt am Sonntag für Residenten frei ist, ist sicher auch Teil der Strategie, die Messe der Bevölkerung näherzubringen?

Ja, natürlich. In einer idealen Welt hätte ich die Messe einfach für alle kostenlos gemacht. Aber wir müssen Wege finden, unsere Kosten zu decken. Die Idee mit dem Sonntag entstand auch deshalb, weil ich weiß, dass viele internationale Sammler am Sonntag abreisen. Und viele Menschen von hier werden dann die Möglichkeit haben, zu kommen. Kunstmessen drehen sich vor allem um den Markt, um den Verkauf. Gleichzeitig sind sie aber auch eine Gelegenheit zum Netzwerken. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass man sich darüber informieren kann, was Künstler eigentlich tun. Kunst ist eine internationale Sprache, die Grenzen überschreitet. Ideen und Konzepte, die in New York relevant sind, sind es auch auf Mallorca. Diesen Dialog zusammenzubringen – wie bei einem Symposium oder einer Weltausstellung einmal im Jahr – schafft eine wunderbare Gelegenheit, nicht nur für Sammler, sondern auch für normale Menschen, zu sehen, was in der Kunstwelt vor sich geht.

"Wir erwarten rund 10.000 Besucher"

Woran werden Sie den Erfolg der Messe messen? Und wie viele Besucher erwarten Sie?

Wir erwarten rund 10.000 Besucher. Wenn die Galerien verkaufen, dann ist es ein Erfolg. Es ist tatsächlich so einfach. Aber natürlich sind Verkäufe nicht alles. Gute Kontakte können manchmal schon ausreichen. Das Gefühl, dass genug Menschen die Arbeiten gesehen haben. Dass sie die Menschen inspiriert haben. Kunst tut eben, was Kunst tut.

88 Galerien nehmen an der Messe teil. Welche möchten Sie dem mallorquinischen Publikum besonders ans Herz legen?

Zu den Galerien, die, so glaube ich, echte Highlights sein werden, zählt Bastian aus Berlin. Sie ist nicht ausschließlich auf zeitgenössische Kunst fokussiert und bringt zum Beispiel ein wunderschönes Keramikwerk von Pablo Picasso mit. Heiner Bastian ist wirklich ein leidenschaftlicher Galerist und stammt aus einer Sammlerfamilie. Eine weitere wäre die Seventeen Gallery aus London. Sie präsentiert ziemlich fantastische, eher konzeptuell orientierte Londoner Künstler. Hinzu kommt eine sehr junge Galerie, Particular Ideas aus London, die noch ganz neu auf dem Markt ist.

Wer hat den größten Messestand?

Definitiv Kewenig. Diese Galerie ist sozusagen das lokale Kraftpaket. Aber letztendlich geht es bei dieser Messe nicht wirklich um die Größe – das ist etwas, was wir ein wenig ändern wollen. So haben wir im Parkour-Bereich hauptsächlich Galerien, die zwischen zehn und 18 Quadratmetern zur Verfügung haben, während die Stände im Gran Saló eher zwischen 18 und etwa 45, 48 Quadratmeter groß sind. Aber es ist nicht immer so, dass die jungen Galerien kleine Stände haben und die großen Galerien große Stände. Das ist gemischt, und ich finde das sehr spannend. Es gibt den Galerien die Möglichkeit, mehr Risiken einzugehen und sich vielleicht auf eine bestimmte Einzelpräsentation zu konzentrieren, anstatt einen traditionellen großen Stand zu betreiben, der ja mit hohen Kosten und viel Vorbereitung verbunden ist. Es ist unmittelbarer.

Daniel Hug im Interview.

Daniel Hug im Interview. / Nele Bendgens

"Im Palau gibt es seltsame Räume, quasi „Nicht-Orte“"

Auf welche Projekte im Parkour-Bereich sind Sie dabei nun besonders gespannt?

Eines davon ist von Jacky Strenz. Sie präsentiert Lin May Saeed, die großartig ist. Eine weitere Galerie wäre Van Horn, die mit dem Künstler Jan Albers arbeitet; sie teilen sich einen Stand mit dem Goldschmied Georg Hornemann, der eine Schmuckserie auf Grundlage von Jan Albers’ Skulpturen geschaffen hat. Ich denke, das wird ziemlich interessant. Noch eine Galerie ist natürlich Grieder Contemporary aus Zürich, die Melli Ink zeigt, eine Glaskünstlerin. Ich freue mich auch auf Temnikova & Kasela und auf Deborah Schamoni, die die deutsche Bildhauerin Judith Hopf präsentiert. Sowie auf Florit / Florit, die ich in einem Teil des Parkour untergebracht habe. Im Palau gibt es seltsame Räume, quasi „Nicht-Orte“ zwischen den Bereichen, in denen die Rolltreppen und die Fassade liegen. Das ist eine drei Meter breite, ungenutzte Fläche.

Klingt herausfordernd für einen Stand ...

Ich habe Florit / Florit hier zusätzlichen Raum zu ihrem Stand gegeben. Die Galerie wird dort wohl einige Skulpturen aufstellen, was spannend sein dürfte. Dasselbe gilt für Deborah Schamoni: Sie bespielt diesen einen Winkel in der Ecke mit unglaublichem Blick auf den Strand und auf die Glaswände des Palau. Meine Hoffnung ist, dass die Galerien aus den Ständen ausbrechen werden. Und ich denke, dass sich die Architektur im Parkour-Bereich dafür eignet, dass kleine Stände in diesem sehr ungewöhnlichen, fast organischen Raum platziert werden. Deshalb wird es interessant sein zu sehen, wie sie sich zueinander verhalten, sich vergleichen und voneinander abheben.

"Ich wollte auch einmal Künstler werden"

Was den Gran Saló betrifft: Können Sie Namen von Künstlern verraten, die dort zu den „Kronjuwelen“ gehören werden?

Bei der Galerie Nagel Draxler wird es eine kleine, futuristische Gartenlandschaft aus Aluminiumpflanzen geben – Werken des japanischen Künstlers Toshihiko Mitsuya. Ich denke, das wird ziemlich fantastisch.

Welche Ausstellungen, die parallel zur Messe stattfinden, sind für kunstinteressierte Besucher in Palma ein Muss?

Die Ausstellung von Jannis Kounellis im Es Baluard. Es ist zwar eine kleine Präsentation, aber sie ist wirklich fantastisch. Und Carla Arocha und Stéphane Schraenen in der Galería Fermay. Ich habe tatsächlich mit Carla auf derselben Kunsthochschule in Chicago studiert – ich wollte auch einmal Künstler werden.

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