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88 Aussteller, große Namen, hohe Erwartungen: Wer von der Art Cologne Palma Mallorca profitiert und was die Besucher erwartet

Das Kongresszentrum wird zum Kunsttempel: Die Messe lädt bis zum 12. April dazu ein, spannende internationale Aussteller zu entdecken

Einer der Stände auf der Art Cologne Palma Mallorca im Kongresszentrum.

Einer der Stände auf der Art Cologne Palma Mallorca im Kongresszentrum. / Nele Bendgens

Brigitte Rohm

Brigitte Rohm

Palmas alte Seehandelsbörse La Llotja weckte bei Koelnmesse-Chef Gerald Böse Heimatgefühle: Der gotische Bau, in dem Ende März die Art Cologne Palma Mallorca präsentiert wurde, erinnerte Böse an den Kölner Dom. Schauplatz des Insel-Ablegers der weltweit renommierten Kunstmesse ist indes das architektonisch deutlich modernere Kongresszentrum. Vom 9. bis 12. April wird das Gebäude zur Spielwiese für insgesamt 88 internationale Aussteller – Galerien und Institutionen –, die um die Gunst der Besucher buhlen werden.

Die Bedeutung der Messe

Die Messe ist das erste Wagnis dieser Art seit einer bislang einmaligen Ausgabe im Jahr 2007 am Flughafen von Palma. Im Gegensatz zu damals kann die Koelnmesse nun auf starke institutionelle Unterstützung bauen – nicht nur moralisch, sondern auch finanziell: Eine Nachfrage der MZ ergab, dass öffentliche Gelder in Höhe von 520.475 Euro in die Messe 2026 investiert wurden – die Balearen-Regierung steuerte insgesamt 232.250 Euro bei, der Inselrat von Mallorca 288.225 Euro. Am Dienstag (7.4.) gab das Rathaus von Palma zudem bekannt, dem Es Baluard 100.000 Euro für Ankäufe auf der Art Cologne und der genau zeitgleich im Pueblo Español stattfindenden Messe Summa Mallorca zur Verfügung zu stellen. Solch Summen belegen die hohen Erwartungen, die von den Beteiligten an das Projekt geknüpft werden.

Einige Messestände der Art Cologne Palma Mallorca, die aus dieser Perspektive beinahe selbst wie ein abstraktes Kunstwerk wirken.

Einige Messestände der Art Cologne Palma Mallorca, die aus dieser Perspektive beinahe selbst wie ein abstraktes Kunstwerk wirken. / Nele Bendgens

Für Ministerpräsidentin Marga Prohens passt die Veranstaltung zu ihrer erklärten Mission, Kultur als treibende Kraft für einen Wandel des Tourismusmodells einzusetzen. Sie betonte, dass die Messe die Balearen „in die erste Reihe des weltweiten Kunstzirkels“ rücken würde und kündigte direkt eine neue Ausgabe für 2027 an – das Projekt sei auf Kontinuität ausgelegt. In dieselbe Richtung hob Palmas Bürgermeister Jaime Martínez ab, der nach dem Ausscheiden im Rennen um die Europäische Kulturhauptstadt 2031 daran interessiert sein dürfte, dass Palmas Status als „Stadt der Museen und Galerien“ gefestigt bleibt. Inselratspräsident Llorenç Galmés erhofft sich mehr „Qualitätstouristen“ und wirtschaftlichen Nutzen von den Ausgaben des spezialisierten Publikums im Gastgewerbe oder Handel .

Auf einen Synergieeffekt setzt indes Daniel Hug, der künstlerische Leiter der Art Cologne, wie er schon mehrmals ausführte: Ähnlich wie bei der Art Basel, die unter derselben Marke erfolgreich eine Messe in Miami betreibt, sollen die Standorte Köln und Palma sich gegenseitig neue Impulse liefern und für mehr Vielfalt bei den Ausstellern sorgen. Da sich die Kunstszene von Mallorca seit 2007 enorm entwickelt habe – auch dank dem Galeristenverband Art Palma Contemporani, dem wichtigsten lokalen Partner der Messe – und bei internationalen Sammlern viel stärker auf dem Radar sei, hält er den Zeitpunkt für goldrichtig.

Das gibt es alles zu sehen

Daniel Hug formulierte von Anfang an den Wunsch, in Palma keine „deutsche Messe“ zu veranstalten und besonders die mallorquinische Kunstszene zu unterstützen. Mit dem finalen Mix der Aussteller aus 20 Ländern Europas, den USA, Afrika und Asien ist er höchst zufrieden: „Es war sehr wichtig, dass die bedeutenden lokalen Galerien dabei sind und auch eine große Anzahl von Galerien vom spanischen Festland – Barcelona, Madrid und Valencia – vertreten ist“, sagte er der MZ. Neben großen Playern fänden sich auch viele neue Namen und jüngere Galerien auf der Liste. Hinzu kommt das Projekt „Focus Balear“, eine besondere Ausstellung, die Werke von Juli Ramis und Rafel Tur Costa aus Privatsammlungen zeigt.

Die Aussteller verteilen sich auf zwei Bereiche: den „Gran Saló“ – eine große Halle, in der renommierte Galerien moderne und zeitgenössische Kunst präsentieren, darunter auch Werke bedeutender Künstler mit einem sehr hohen Marktwert – und den „Parkour“. Dieser bietet jede Menge Raum für unkonventionelle Präsentationen und bezieht auch die charakteristische, verwinkelte Architektur des Kongresszentrums mit ein. Eine klare Trennung zwischen etablierten und jungen Galerien gibt es bei diesen beiden Bereichen aber nicht.

Bei so vielen handverlesenen und geladenen Ausstellern konkrete Empfehlungen auszusprechen, ist naturgemäß schwierig. Der künstlerische Leiter betont denn auch, dass alle Teilnehmer „fantastisch“ seien. Zu seinen persönlichen Highlights zählen Werke von Picasso beim Stand der Berliner Galerie Bastian, von José Pedro Costigliolo, einem Pionier der geometrischen Abstraktion in Lateinamerika, bei der Galería de las Misiones (Menorca/Montevideo), zeitgenössische Skulptur von David Nash bei der Galerie Álvaro Alcázar (Madrid) und von Lin May Saeed bei der Galerie Jacky Strenz (Frankfurt) oder Glaskunst und Installation von Melli Ink bei Grieder Contemporary aus Zürich.

Arbeit von Melli Ink bei Grieder Contemporary.

Arbeit von Melli Ink bei Grieder Contemporary. / KOELNMESSE/ ARTCOLOGNEPALMA MALLORCA

Auch einige Stände aus London legt Daniel Hug den Besuchern nahe: frühe Fotografien und neue Gemälde von Jemima Stehli gibt es bei der Galerie Darren Flook zu entdecken, Videokunst von Chono Moya bei der Seventeen Gallery und Werke der aufstrebenden Künstlerin Eva Dixon am Stand von Particular Ideas. Was die lokalen Galerien aus Palma betrifft, so freut sich Hug unter anderem auf zeitgenössische Kunst von Lara Schnitger bei der Lundgren Gallery, von Oliver Osborne bei der Galería Pelaires und von Carla Arocha & Stéphane Schraenen bei der Galeria Fermay.

Für mallorquinische Besucher dürften die internationalen Gäste besonders spannend sein. Zu den bekannten deutschen Galerien, die sich bei der Messe präsentieren werden, gehören etwa die in Köln gegründete Nagel Draxler oder die Samuelis Baumgarte Galerie aus Bielefeld, die neben ihrem Messestand auch zwei exklusive Kunstevents in Son Vida bieten wird. Ebenfalls nicht verpassen sollte man den Stand des Leipziger Urgesteins Eigen + Art. Zudem ist Gelegenheit, Galerien kennenzulernen, die extra von sehr weit her eingeflogen sind: etwa die fünf Teilnehmer aus den USA, die Galerie THK aus Kapstadt oder die Temnikova & Kasela Gallery aus Tallinn.

Praktische Infos zum Besuch

Nach Daniel Hugs Vorstellung soll die Art Cologne Palma Mallorca „eine Messe für Fachleute“ sein, „aber offen für die Allgemeinheit. Wie ein Museum.“ Damit skeptische Mallorquiner die Katze nicht im Sack kaufen müssen und die Messe im Idealfall als „ihre“ Veranstaltung wahrnehmen, ist der Eintritt für Residenten am Sonntag frei. Zur Donnerstags-Preview kostet das Ticket 75 Euro, an den anderen Tagen 25 Euro, ermäßigt 12 Euro. Auf der Website artcologne.com findet sich ein Überblick über alle Aussteller sowie den praktischen Saalplan zum Download. Hug rät: „Man folgt den gelben Pfeilen und arbeitet sich so durch die ganze Messe. Auf der oberen Ebene haben wir dann die Bar mit Meerblick – quasi das Ziel, wo man zum Abschluss noch einen Cocktail trinken kann.“

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