"Noch besser als erwartet": Die Art Cologne Palma Mallorca endet mit Euphorie
Zahlreiche Besucher und rundum zufriedene Galeristen: Die Bilanz nach der großen Kunstmesse im Kongresszentrum fällt äußerst positiv aus

Besucher der Art Cologne Palma Mallorca am letzten Tag (12.4.). / Guillem Bosch
Die Energie am letzten Tag (12.4.) der Art Cologne Palma Mallorca ist eine völlig andere als zum Auftakt am vergangenen Donnerstag gewesen: Während bei der Preview viele Kunstsammler mit einer gewissen Anspannung und Zielstrebigkeit im Kongresszentrum umherstreiften, fühlte sich der Sonntag mehr nach entspanntem Sonntagsspaziergang oder einem Museumsbesuch an. Das mag auch daran liegen, dass der Eintritt an diesem Tag für Residenten frei war. Vor allem am Vormittag nutzten viele Mallorquiner daher die Gelegenheit, um sich selbst ein Bild von der neuen Insel-Edition der renommierten Kunstmesse zu verschaffen.
Am frühen Nachmittag, gegen 14.30 Uhr, beobachtete der künstlerische Leiter Daniel Hug vor dem Eingang das Treiben. Er zieht eine sehr positive Bilanz: "Es war besser als erwartet. Wir haben auf 10.000 Besucher gehofft, und das haben wir erreicht", so der US-Amerikaner. Zudem habe er damit gerechnet, dass es am Freitag und Samstag weniger Andrang geben würde als am ersten und letzten Tag, doch tatsächlich hätte es keine Flaute gegeben. "Interessant zu beobachten war, dass verschiedene Besuchergruppen zu verschiedenen Zeiten kamen: Die Deutschen standen immer schon bereit, als wir die Pforten geöffnet haben."
Zufriedene, leicht erschöpfte Galeristen
Was die Galerien betrifft, so hatte Hug zu diesem Zeitpunkt schon mit 80 Prozent gesprochen und Feedback eingeholt, sagte er. "Sie sind alle ziemlich zufrieden. Und die bedeutenden Galerien wollen alle wiederkommen, was sehr gut ist." Die Stimmung sei top gewesen, die Abläufe "smooth" und ohne große Patzer. Vor allem aber gab es viele Verkäufe – die wichtigste Komponente, um den Erfolg einer Messe zu messen.
Alle von der MZ befragten Galeristinnen und Galeristen zeigten sich beim Sonntags-Rundgang denn auch – trotz leichter Erschöpfungserscheinungen – entsprechend glücklich. Das "Kronjuwel" beim Stand der Galerie Kewenig, das mit 1,3 Millionen Euro teuerste Kunstwerk der Messe – ein Gemälde von Anselm Kiefer –, hat zwar noch nicht den Besitzer gewechselt, aber: "Es gibt einen ernsthaften Interessenten hier von der Insel. Wir werden sehen", so Justus F. Kewenig.

Das teuerste Werk der Messe stammt von Anselm Kiefer. / Guillem Bosch
Ankäufe für das Es Baluard
Eine Woche nach Ostern konnte man in den Besuch der Messe auch eine kleine "Eiersuche" integrieren: Denn die Balearen-Regierung und das Rathaus haben kräftig zugeschlagen und jedes erworbene Kunstwerk, das nun in die Sammlung des Es Baluard eingehen wird, mit einem Aufkleber markiert. Die Stadtverwaltung von Palma investierte 105.000 Euro in den Ankauf von zehn Werken, wobei eines auf der zeitgleich stattfindenden Messe Summa erworben wurde. Die Balearen-Regierung ließ sich vier Arbeiten (darunter eine von Summa) insgesamt 42.000 Euro kosten.
Dabei priorisierten die Institutionen überwiegend lokale Galerien und Künstler. Die Sammlungszugänge sind Werke von Aina Albo (Galeria Pep Llabrés), Joan Cortés (6A Galeria), Marcelo Víquez (Kewenig), Teresa Matas (Aba Art), Concha Jerez (Freijo Gallery), Manuel M. Romero (Art Nueve), Avelino Sala (Xavier Fiol), Laia Estruch (Erhardt Florez), Jaime Pitarch (F2 Galeria), Olimpia Velasco (Kaplan Gallery), Julià Panadès (Galeria Reus) und Jemima Stehli (Darren Flock). Letzterer war sichtlich stolz, dass die vier fotografische Arbeiten der von ihm vertretenen Britin nun Eingang ins Museum finden. "Das ist toll für die Künstlerin und auch deshalb, weil die Öffentlichkeit und besonders Kunststudierende so einmal die Möglichkeit bekommen werden, die Arbeiten zu sehen und darüber zu diskutieren", so Darren Flook.

Bürgermeister Jaime Martínez und die Kulturpolitiker der Insel am Stnd der Galerie 6A. / Guillem Bosch
Reaktionen der mallorquinischen Besucher
Der Londoner Galerist hat nicht nur ein Herz für den wenig zahlungskräftigen Künstler-Nachwuchs, sondern ist auch ein Befürworter der Initiative, den Residenten am letzten Tag kostenlos Eintritt zu gewähren – eine Meinung, die nicht alle Aussteller teilten. In der großen Halle erklärte einer der etablierten Galeristen, man sollte maximal einen Rabatt gewähren und den Fokus auf Besucher legen, die kommen, um zu kaufen. Darren Flook hingegen sagte dazu: "Wir waren nun die ganze vergangene Woche auf ihrer Insel. Es ist doch schön, dass die Bewohner sehen, was wir hier tun und sich angesprochen fühlen. Zumal die Messe ja sogar das Wort 'Cologne' in sich trägt."
Bei der Frage, ob der Plan der Veranstalter wirklich aufging, dass die Mallorquiner die Art Cologne Palma Mallorca als etwas eigenes betrachten, scheiden sich noch die Geister. Beim Ansprechen einiger Besucher hörte man vereinzelt kritische Stimmen. "Es ist sehr groß und sehr international, aber wenige Leute von hier hatten wirklich etwas davon", meinte etwa der Kunstlehrer Ángel. Kulturpolitik müsse in seinen Augen darauf abzielen "nicht nur etwas zu nehmen, das anderswo funktioniert und es hier zu veranstalten", sondern lieber mehr Initiativen zu fördern, die auf Mallorca selbst entstehen. Ein anderer Mallorquiner, Pedro, ist durchaus begeistert von der Messe, wünscht sich aber bei der nächsten Ausgabe einen speziellen Bereich nur für junge Talente von der Insel.

Messebesucher am Stand von Darren Flook. / Guillem Bosch
Große Neugierde, die Messe zu entdecken
Viele Galeristen betonten, dass die Insel-Bewohner an den Ständen großes Interesse gezeigt und das Gespräch gesucht hätten. "Was ich besonders beobachtet habe, ist, dass die deutsche und die spanische Community beide zur Messe zu kommen scheinen. Also Kunstinteressierte und Sammler aus Deutschland, aber eben auch die Mallorquiner selbst", so der Galerist Aeneas Bastian, der mit eindrucksvollen Keramikarbeiten von Picasso eines der Highlights zu bieten hatte. "Diese Mischung aus exklusiver Preview vor allen Dingen für Sammler und dem öffentlichen Publikumstag funktioniert sehr gut. Bei vielen ist eine große Neugierde da, diese neue Messe zu entdecken."
Mit der Organisation ist Bastian sehr zufrieden – und dass das eine oder andere Detail bei der allerersten Ausgabe noch nicht hundertprozentig perfekt laufe, sei normal. Im Gegensatz zu einigen anderen der besonders renommierten Galeristen im "Gran Saló" hatte er nicht das Gefühl gehabt, an diesem Standort räumlich abgehängt zu sein. Ab dem dritten Tag wurden die Besucherströme weniger streng vorgegeben durch das Gebäude gelenkt und es wurden auch unten bei der Halle die Türen geöffnet. Hug erklärte den Gedanken hinter der anfänglichen Steuerung mit einem fixen Anfang und Ende dadurch, dass man den jungen Galerien in den ersten mehr Räumen Sichtbarkeit geben wollte.
Optimismus für die Zukunft
Auch für Fran Reus, den Vorsitzenden des Galeristenverbands Art Palma Contemporani, ist ein entscheidender Faktor für den ganz eigenen Charakter der Art Cologne Palma Mallorca, dass viele aufstrebende Galerien, kleine Stände und erschwingliche Kunstwerke – die günstigsten für 200 gab es bei Particular Ideas – mit von der Partie waren. Auch er zieht ein rundum positives Fazit von der ersten Ausgabe: "Ich bin superglücklich, weil jedermanns Erwartungen übertroffen wurden – meine eingeschlossen", so der Galerist, der an seinem Stand unter anderem erfolgreich an Deutsche, Festland-Spanier, Italiener, Franzosen und Skandinavier verkauft hat.
Der Galerist Henri Neuendorf (New York / Hamburg) ist nach der gelungenen ersten Ausgabe sicher, dass auch einige bislang skeptische Kollegen nächstes Jahr dabei sein wollen und dass das Angebot künftig noch hochklassiger werden wird. Der Schlüssel zum Erfolg des Konzepts und das Potenzial der Messe liegt für ihn darin, dass er grundsätzlich eine Entwicklung hin zu Standorten sieht, die nicht nur wegen der Messe selbst attraktiv sind, sondern auch abseits davon reizvolle Destinationen darstellen. "Ich komme seit 36 Jahren nach Mallorca. Man sieht immer mehr, dass sie hier versuchen, in diesen kulturellen Tourismus zu investieren – und dass das jetzt Früchte trägt."
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