Diese hochkarätige deutsche Künstlerin verwandelt die Llotja in Palma in ein Farberlebnis
Mit "Arrels" will Katharina Grosse Malerei, Raum und Architektur in eine neue Beziehung setzen

Katharina Grosse, "I Think This Is a Pine Tree", 2013. / Nic Tenwiggenhorn
Palmas ehemalige Seehandelsbörse La Llotja wird erneut zum Schauplatz für erstklassige Kunst. Nach den Installationen von Pedro Cabrita Reis, Julian Opie und Jaume Plensa sowie der spektakulären Miró-Schau im vergangenen Sommer darf nun eine bedeutende deutsche Künstlerin den prächtigen gotischen Bau bespielen: Katharina Grosse (Freiburg, 1961), eine der einflussreichsten Stimmen der zeitgenössischen Kunst. Das Projekt „Arrels“ (Wurzeln) eröffnet am 27. Mai, soll bis zum 31. Januar 2027 zu sehen sein und ist eine Koproduktion der Balearen-Regierung und des Museums Es Baluard. Dessen Leiter David Barro zeichnet als Kurator verantwortlich.
Grosse ist für ihre großformatigen, raumgreifenden Farbinstallationen berühmt. Dazu nutzt sie charakteristischerweise Spritzpistolen und industrielle Farben, wodurch sie große Flächen mit Schichten überziehen kann, die sich gegenseitig durchdringen. Zuletzt lieferte sie etwa eines der Highlights der Kunstmesse Art Basel 2025: Für das riesige Werk „Choir“ wurde im Vorhinein der Boden bei der Messe neu asphaltiert. Die monumentale, immersive Spray-Installation überzog daraufhin den Boden, das Gebäude, ja selbst das Art-Basel-Logo mit leuchtend pinker Farbe. Die „vergängliche und unwiederholbare“ Arbeit habe sich „unserer Besessenheit von Kontrolle – und unserem Wunsch von Freiheit“ gewidmet, so die Künstlerin selbst.

Katharina Grosse vor ihrer Installation für die Art Basel. / Diana Pfammatter
Multisensorisches Eintauchen in den Raum
Und ähnlich spektakulär verspricht nun auch das ortsspezifische Projekt auf Mallorca zu werden. Wie das Museum mitteilte, wird Grosse die Llotja in ein „aktives Erfahrungsfeld“ verwandeln, indem sie Farbe als Kraft nutzt, um verstreute Elemente zu vereinen, die Wahrnehmung zu verändern und ein multisensorisches Eintauchen in den Raum zu erzeugen. Natürlich darf die Künstlerin im Dienste ihrer immersiven visuellen Erfahrung nicht einfach die hellen Steinmauern oder die eleganten, schraubenförmigen Säulen des 1447 vollendeten Profanbaus der Gotik bemalen. Vielmehr wird sie „ein Landschaftsmodell innerhalb der historischen Struktur schaffen, in die sie nicht physisch eingreifen kann“, so das Es Baluard.
Grosse führte dazu im Vorfeld genauer aus: „Der Behälter und das Werk sind vollständig ein und dasselbe, von allen Seiten zugänglich. Es ist fast so, als wäre etwas in etwas in etwas darin. Diese Auffächerung finde ich interessant. Ich glaube nicht, dass ich sie je mit solcher Klarheit gezeigt habe.“ In der Llotja soll also durch die Intervention eine vollkommene Symbiose von Installation und Architektur entstehen.
Das Feld der Malerei seit mehr als drei Jahrzehnten neu definiert
Das Es Baluard betonte, dass Katharina Grosse international für ihre expansive Praxis anerkannt ist und dass sie „das Feld der Malerei seit mehr als drei Jahrzehnten neu definiert hat, indem sie diese über die Leinwand hinaus zu einer direkten Auseinandersetzung mit Architektur, Landschaft und öffentlichem Raum geführt hat.“ Grosse, die in zahlreichen wichtigen Museumssammlungen vertreten ist, begreife die Welt als einen Raum für die Malerei.
In den Worten von David Barro schlägt Arrels „eine radikale Beziehung zwischen Malerei und Raum vor, in der Katharina Grosse sich nicht darauf beschränkt, in einen Ort einzugreifen, sondern ihn von innen heraus aktiviert. Ihr Werk trete in einen Dialog mit den historischen Wurzeln der Llotja, während es zugleich die eigenen Wurzeln der Malerei behandelt: Farbe, Maßstab und Komposition. Das Ergebnis ist eine Erfahrung, die die traditionellen Grenzen des Werks überschreitet, um zu einer Umgebung zu werden, die bewohnt und durchschritten werden kann“.
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