17. Juli 2008
17.07.2008

Eine Weinkellnerin braucht Menschenkenntnis: Die deutsche Sommelière Anette Frisch im Gespräch

17.07.2008 | 02:00
Anette Frisch - Sommelière.

Anette Frisch (34) ist eine der wenigen weiblichen Chef-Sommeliers auf Mallorca. Nachdem sie zunächst im Zwei-Sterne-Restaurant Tristán tätig war, arbeitet sie seit einem Jahr im Restaurant Es Fum (Hotel Mardavall, Costa d´en Blanes). Die studierte Ökotrophologin und
Aerobic-Lehrerin aus Grabenstetten kam 2004 nach Mallorca.

Was reizt Sie am Beruf der Weinkellnerin?

Die Vielfalt. Schließlich gibt es ständig neue Weine. Zudem sind wir Fachleute für Käse, Bier, Wasser. Wir haben hier allein 28 verschiedene Mineralwassersorten. Und Zigarren gehören auch noch zu unserem Aufgabengebiet.

Über wie viele Weine sind Sie hier die Herrin?

Über 800 verschiedene Referenzen, hauptsächlich aus Spanien.


Welchen Vorurteilen begegnen Sie als Frau in diesem Job?

Einige sagen: Frauen sind die besse­ren Sommeliers, haben den besseren Geruchssinn. Andere sagen: Frauen haben keine Ahnung, können in Bezug auf Wein gar nichts.


Haben Frauen den besseren Geruchssinn?

Na ja, ein Mann, der sich schult, kann genauso gut sein. Beurteilen Männer und Frauen Weine unterschiedlich? Das zum einen. Zum anderen verhalten sich Männer und Frauen anders. Frauen zum Beispiel lassen sich eher einen Wein empfehlen, lassen sich führen. Sie sind offener als Männer.


Woran liegt das?

Daran, dass ich eine Frau bin? Es könnte sein, dass Frauen mehr Vertrauen zu Frauen haben.


Erkennen Sie rasch, welche Person welchen Wein bevorzugt?

Wenn ich mich mit dem Gast vorher unterhalten habe, durchaus.


Beschreiben Sie die Wein-Typen.

Ich nenne Ihnen vier: Den Urlauber, der auf jeden Fall Mallorca-Weine probieren möchte. Den Experimentierfreudigen, der offen für alles ist. Der Bordeaux-Typ, der große französische Weine schätzt. Und dann gibt es noch die Spanier.


Sie zeichnen sich wodurch aus?

Die wissen genau, was sie wollen und nennen ganz gezielt den Wein, den sie trinken möchten.


Wie unterscheiden sich die Nationalitäten beim Wein?

Die Engländer sind große Rosé-Trinker. Die Spanier trinken hauptsächlich Rotwein. Und auch mal Cava oder Champagner ein ganzes Abendessen lang, was andere Landsleute eher nicht tun.


Und die Deutschen?

Sie probieren gern die lokalen Weine, ihnen ist wichtig, dass die Weine aus Mallorca oder vom spanischen Festland stammen.


Nehmen wir an, ein Gast sagt: Der Wein hat Kork. Nun ist das aber ein Wein, der mit einem Glasstopfen verschlossen wurde. Was machen Sie mit Gästen, die sich zu Unrecht beschweren?

Ich nehme den Wein immer zurück. Der Gast soll einen schönen Abend haben. Da diskutiere ich nicht. Manchmal sagen die Leute auch, der Wein hat Kork, meinen aber: Der Wein hat einen Fehler. Und das kann natürlich auch bei Weinen mit Glasstopfen vorkommen, weil die Flasche oder das Fass nicht sauber waren.


Ihre Lieblingsweine?

Der Gran Veigadares, ein Albariño mit viel Körper und Barrique. Von den mallorquinischen Rotweinen gefällt mir der Ribas de Cabrera sehr gut. Bei den Weißen ist es der Galdent von Can Majoral.


Sie sind hier auch Fachfrau für Zigarren. Wie viele verschiedene Sorten haben Sie im Angebot?

Rund 30.


Paffen Sie gern mal eine?

Das einzige, was ich je geraucht habe, sind Zigarren. Ich bin ja eigentlich Nichtraucherin.


Wie haben Sie sich geschult?

Gelesen, geraucht - und viel von einer Freundin gelernt, die sich sehr gut auskennt. Zudem gibt es Zigarrenschulungen von der Vereinigung der Balearischen Sommeliers, in der ich Mitglied bin. Irgendwann wollte ich mit meiner Freundin mithalten können.


Sind Sie ehrgeizig?

Absolut. Stets gewesen. Ich muss immer gut sein.



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