29. Januar 2009
29.01.2009

Imbiss auf mallorquinisch: Der vom Aussterben bedrohte Kachel-Charme

30.10.2008 | 01:00
Merenderos Minyones, C/. Minyones, Palma (Zentrum), Mo bis Fr, 7.30 bis 19.30 Uhr.

13 Quadratmeter und ein Hauch von Krise

Ein Stuhl, ein Tisch, eine Theke: "Maximale Kapazität 10 Personen", steht auf einem Schild am Eingang von ?Meriendas Bestard". Es sind auch schon mal mehr, und dann wird es laut auf den gekachelten 13 Quadratmetern, während es belegte Brote mit Wurst, Käse oder eingelegtem Fisch gibt, zum Preis von 1 bis 3 Euro. In den Regalen stehen Konserven, Getränke gibt es im Kühlschrank, an der Wand hängt eine Zeichnung von Inhaber Jaime Martínez Bestard, als er noch Bart trug. Mehr Dekoration gibt es hier nicht und anbauen muss man auch nicht. So wie es ist, ist es genau richtig für Jaime. "Größer soll es nicht werden - ich will doch nicht noch mehr arbeiten", versichert er. Morgens um 7.30 Uhr wird geöffnet und um 13 Uhr ist Schicht, von Montag bis Samstag, seit genau 30 Jahren. Was so lange funktioniert hat, wird auch in Zukunft bestehen. Dabei mache sich die Krise auch bei ihm bemerkbar, sagt Jaime. Es gibt weniger Baustellen, ergo kommen weniger Bauarbeiter. ?Das sind meine wichtigsten Kunden."

9 Quadratmeter und jeden Morgen Frisches vom Markt

Mancherorts ist der begehbare Kleiderschränk größer: Auf ganzen neun Quadratmetern bereitet das stets gut gelaunte Ehepaar Pedro und Carmen Baquera seit 20 Jahren bocadillos zu, mitten in Palmas Altstadt. Die beiden haben die Pacht vom Vorbesitzer übernommen, der den Imbiss auch schon 30 Jahre betrieben hatte. Es hat sich wenig verändert in all den Jahren. Die einzige Dekoration sind Schlüsselanhänger, die über der Theke hängen, ansonsten dominieren Kacheln. Jeden Wochentag öffnet das Paar von 7.30 bis 19.30 Uhr, vorher geht es auf den Mercat de l´Olivar um frische Zutaten zu kaufen. Die Brote gehen für 1,15 bis 2,70 Euro über die Theke. ?Es gibt keinen besseren Schinken als hier", sagt ein Kunde, der in der nahe gelegenen Post arbeitet. Beziehungsknatsch im Beruf hätten sie noch nie gehabt, sagen die Eheleute. Ihr Lohn: Das Geschäft läuft. Die beiden sind 64, ein Jahr machen sie noch bis zur Rente. ?Es gibt schon einen Interessenten, mal schauen."


20 Quadratmeter und ?abartige Hamburger"

Im Februar dieses Jahres hätte Jesús Aguilar beinahe alles hingeschmissen. Die Herdplatte war in Brand geraten und seine Hamburger-Braterei fast komplett abgefackelt. Der 61-Jährige entschied sich dennoch, alles in Eigenarbeit wieder aufzubauen: Stromleitungen verlegen, fliesen, streichen, neue Decken einziehen. Jetzt ist alles wieder picobello sauber auf seinen 20 Quadratmetern, man kann es sich auf der Plastikbestuhlung richtig gemütlich machen. Die Hamburger von 2,90 Euro (simple - einfach) bis zur Luxusausführung mit Ei für 4 Euro (subnormal - abartig) gehen weg wie warme Semmeln. An der Wand zeugen Fotos von Jesús Aguilar in mar­tialischen Posen von seiner Vergangenheit beim Militär unter Franco. Aus seiner politischen Einstellung macht der Wirt ebenso wenig einen Hehl. Seit 28 Jahren ist er Kneipier, seit 14 Jahren nur noch Brater, und das auch nur ab 19 Uhr. Eine Herdplatte reicht, alles andere ist Stress. Sein Plan: Noch vier Jahre, dann geht es in die Rente.

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