07. Mai 2009
07.05.2009

Die Tücken im Nordic-Walking-Park Alcúdia

12.02.2009 | 01:00
Nordic-Walking mit tollem Ausblick.

Alcúdia möchte sich mit einem neuen touristischen Angebot über die langen Wintermonate retten und zumindest einen Teil seiner immensen Hotel- und Restaurantkapazitäten mit sportlich gesonnenen Urlaubern auslasten. Aus diesem Grund wurde dort vor kurzem der erste Nordic-Walking-Park der Insel eröffnet und mehrsprachige Broschüren mit den Tourenbeschreibungen gedruckt. Insgesamt besteht die Anlage aus drei mehr oder weniger ausgeschilderten Routen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, die auch untereinander über Querverbindungen kombinierbar sein sollen. Aber nur die geografische Lage im Norden der Insel prädestiniert die Gemeinde noch lange nicht für Nordic Walker - auch wenn dort Ende April bereits ein internationaler Nordic-Walking-Wettbewerb geplant ist. Die MZ hat die im Prospekt als mittelschwer und schwierig eingestuften Routen 2 und 3 nach einigem Suchen tatsächlich auch gefunden und diese für Sie bestöckelt.

Die Angestellte im Informationszentrum im historischen Zentrum von Alcúdia ist wirklich hilfsbereit. Mehrmals greift sie zum Telefon und versucht jemanden zu erreichen, der Stöcke verleiht, denn ohne diese kommen die Trizeps nicht auf ihre Kosten. Doch alle Versuche schlagen fehl. Es gibt jedoch noch ein Paar für Notfälle, das irgendwo hinter dem Raumteiler auf seinen ersten Einsatz wartet. "Wenn Sie nicht bis zur Mittagspause zurück sind, können Sie sie ja einfach im Rathaus nebenan abgeben. Lassen Sie sich ruhig Zeit."

Und Zeit braucht man für die Tour 2 tatsächlich. Obwohl sie laut der auch in deutscher Sprache erhältlichen Broschüre mit einer Länge von 5,84 Kilometern nur 80 Meter länger ist als die ohne nennenswerte Höhenunterschiede verlaufende Einsteigerroute 1, deren Runde locker in einem guten Stündchen gedreht werden kann. Aber der rot markierte Rundweg hat seine Tücken. Abgesehen davon, dass der Prospekt für das Finden des Ausgangspunktes der Strecke nur bedingt hilfreich ist, lässt auch die Kennzeichnung des Weges stark zu wünschen übrig. Dafür bekommt man ein Abenteuer geboten, dass man vielleicht besser als Trekking für Trittfeste vermarkten sollte, denn das von Bergen, Wald und Meer gebotene Naturerlebnis hat es durchaus in sich.

Nach einem kurzen Auf und Ab mündet der bis dahin gut begehbare Pfad nach etwa einem Kilometer in einem trockenen Flußbett, das hin und wieder mit einem energischen Sprung überquert werden muss. Die Stöcke dienen nun weniger dem Bewegungsablauf, sondern als Stütze, um Verstauchungen vorzubeugen. Eine Ziegenfamilie lässt sich von den menschlichen Vierbeinern wider Willen nicht beeindrucken und grast friedlich weiter.

Nach dem Steinparcours klemmt man sich die Stöcke am besten unter den Arm oder benutzt sie als Machetenersatz, denn weiter oben verheddern sie sich nur noch in der den Weg überwuchernden Macchia. Der anschließende Abstieg ist steil, aber mit Stockeinsatz gut abbremsbar. Wer brav der bei Kilometer 3,33 stehenden Markierung folgt, hat 20 Meter weiter bereits reichlich Weg zurückgelegt, denn der an der Gabelung stehende Pfosten zeigt schon Kilometer 4,93 an. Rechts einbiegen und kurz darauf nach links, befiehlt die ungewöhnlich dichte Schilderfolge. Dafür ist es dann völlig egal, welche der drei denkbaren Möglichkeiten kurz nach Kilometer 5,05 eingeschlagen werden, denn keine der Varianten führt auf direktem Weg zum Ziel. Geschweige denn hinüber zur Tour 3.

Tipp: Wer bei der Kilometermarkierung 3,33 entgegen der Pfeilrichtung nach rechts abbiegt, verkürzt zwar die Gesamtstrecke, muss sich dafür aber nicht durch die Büsche schlagen und sich weniger über den bisherigen Routenverlauf wundern.

Wer gerne mit Stöcken trekken möchte, sollte auf Tour 3 verzichten, denn diese ist tatsächlich auf Nordic Walker zugeschnitten. Auch sollte man sich nicht von der Broschüre abschrecken lassen, die die Route als die Schwierigste des Walking-Parks beschreibt. Sie ist weder schwierig, noch hat sie den im Prospekt erwähnten erdigen Untergrund. Dafür ist sie mit etwa 13 Kilometern länger als die Touren 1 und 2 zusammen. Verlaufen kann man sich nicht, denn nach 6,5 Kilometern geht man denselben Weg zurück, den man gekommen ist. Es sei denn, man versucht, die Verbindung zur Route 2 zu finden.

Es wird durchweg auf einem kleinen, von Trockenmauern umsäumten Asphaltsträßchen gewalkt, das auf halber Strecke in einen Wald mündet und sich in eine einfache Schotterpiste verwandelt. Die schwarz gekennzeichnete Strecke bietet meist einen herrlichen Blick auf die Bucht von Alcúdia, hin und wieder auch auf die gegenüberliegende Bucht von Pollença und die Berge vom Kap Formentor.

Vorbei an üppigen Wiesen, blühenden Mandelbäumen und dem Golfplatz Alcanada, schlängelt sich das Sträßchen in Richtung Es Coll Baix, ohne dessen Gipfel jemals zu tangieren. Denn schon lange vorher ist der Wendepunkt der Route erreicht. Gäbe es dort eine Picknickstelle oder ein windgeschütztes Bänkchen, stünde einer gemütlichen Halb-zeitpause nichts im Wege. Aber 6,5 Kilometer weiter liegt einem ja die ganze Infrastruktur Alcúdias zu Füßen. Und die will schließlich im Winter belebt werden.

So finden Sie in Alcúdia - von Palma kommend - den Ausgangspunkt der Touren:

Tour 1: Am Kreisel vor der Stadtmauer links der Beschilderung Barcarés folgen. 200 Meter nach dem kleinen Hafen rechts am Meer.

Tour 2: Immer in Richtung Halbinsel Sa Victòria fahren. Nach der Brücke am Meer rechts parken.

Tour 3: In Richtung Port d´Alcúdia. Vorbei an Mercadona und Tankstelle, dann links in die Carrer Eclipsi. Am Ende parken.

In der Printausgabe lesen Sie außerdem

-Wunder aus Sandstein und Schmalz: Ergebnis der Leser-Abstimmung

-Alte Schreibmaschine gefällig? - Antiquitätenmesse Anticart

-Erlebnis Essen: Der Neue vom Read´s

-Erfolg für Winter-Flatrate: Golfer und Platzbetreiber zufrieden

-Pest und Piraten: Ein Besuch im Museo de la Mar in Port de Sóller

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