13. Mai 2017
13.05.2017
40 Años

Mallorca in 101 Anekdoten

In "Wo zum Kuckuck sind die Palmen" erzählt der Autor und Journalist Thomas Fitzner äußerst unterhaltsam Kuriositäten von der Insel. Und behandelt dabei auch heikle Themen

14.07.2017 | 11:39
Der Autor und sein Buch.

„Mallorca, wie es keiner kennt!" Das ist der erste Satz des Klappentextes von „Wo zum Kuckuck sind die Palmen?". Eine furchtbare, verlogene Aussage, die schon seit mindestens 20 Jahren nicht mehr in deutschsprachigen Büchern über die Insel auftauchen sollte. Vor allem wird so ein billiger, anachronistischer Werbeslogan nicht dem gerecht, was der Journalist und Autor Thomas Fitzner (Bregenz, 1960) mit dieser Anekdotensammlung tatsächlich geschaffen hat: ausgezeichnete, informative Unterhaltung.

Die 101 Anekdoten des früheren stellvertretenden Chefredakteurs der Mallorca Zeitung und Autors von bereits drei Mallorca-Romanen sind in ihrer Thematik vielfältig. Sie reichen vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Schwedische Könige kommen genauso vor wie Pornos schauende Fußballspieler, seltsame Superhelden in der Tramuntana genauso wie eine Präsidententochter im Rotlichtviertel. Außerdem erfährt man – zur Überraschung der Redaktion –, was der gegenwärtige stellvertretende MZ-Chef­redakteur, Frank Feldmeier, machen würde, wenn er einen Riesenbatzen Geld im Lotto gewinnen würde. Und warum er vielleicht schon gewonnen hat und keiner etwas davon weiß.

Thomas Fitzner nimmt sich aus seinen Anekdoten nicht raus. Wenn er etwas selbst erlebt hat – nicht wenige der Geschichten stammen aus seiner Zeit als Journalist –, schreibt er dies auch, begeht aber nicht den Fehler, seine Person in den Mittelpunkt zu stellen. Er schafft es zudem, heikle Themen wie das Verhältnis der Mallorquiner und der Deutschen oder das Verhältnis der Deutschen zur katalanischen Sprache anzusprechen, das Konfliktpotenzial zu skizzieren, ohne dabei der einen oder anderen Partei auf den Schlips zu treten. Fitzner sucht keine Polemik. Anders gesagt: Man könnte das Buch problemlos ins Katalanische übersetzen, ohne die Kernaussagen zu verändern.

Vor allem, und das muss man dem Autor hoch anrechnen, versucht er nicht – im Gegensatz zu dem, was der doch etwas alberne Titel suggeriert – übertrieben witzig zu sein. Er vertraut auf die Kraft der ausgewählten Anekdoten. Und wenn es ihm zum Verständnis des Kontextes notwendig erscheint, ergänzt er vereinzelte Anekdoten mit Hintergrundinformationen, die den Sachverhalt noch etwas genauer beleuchten.

Natürlich ist die Frage berechtigt, warum es noch ein Mallorca-Buch braucht. Aber immerhin ist dieses gut geschrieben. Die Geschichten sind angenehm kurz, kompakt und unterhaltend. Und, so sehr der Klappentext verboten gehört, hat man nach der Lektüre das Gefühl, die Insel doch ein kleines bisschen besser zu kennen.

Thomas Fitzner, Wo zum Kuckuck sind die Palmen?, Fabylon-Verlag, 232 S., 14,90 Euro

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