10. Januar 2018
10.01.2018
40 Años

Bäume auf Mallorca züchten in Zeiten des Feuerbakteriums

Die von Miquel Àngel Llabrés veredelten Bäume sind kräftig und gesund. Ein Besuch bei der einziger Baumschule der Insel

10.01.2018 | 01:00
Miquel Àngel Llabrés sucht die bestellten Pflanzen aus. Bis Februar können sie in die Erde gepflanzt werden, in Töpfen auch noch im Frühjahr.

Vorsichtig heben Arbeiter mit Spaten die Wurzel des Mandelbäumchens hoch. Die Erde ist feucht und die Pflanze lässt sich am dünnen Stämmchen leicht aus der Erde ziehen und zum Traktor bringen. Auf dem Zettel hat Miquel Àngel Llabrés Namen und Zahl der bestellten Obstbaumsorten notiert.

Gleichzeitig wird er die Lagerbestände der Gärtnereien Vivers Llabrés in Manacor und Santanyí mit den zweijährigen Bäumchen auffüllen. Der 62-Jährige Manacorí führt die einzige Baumschule auf der Insel, deren guter Ruf bis weit über die Insel hinausgeht. Gelernt hat er das Vermehren, Veredeln und Großziehen bei seinem Vater und Großvater.

Schon immer galt der Winter als idealer Zeitpunkt für die Pflanzung fruchttragender und laubabwerfender Bäume. Dies gilt vor allem, wenn sie mit „nackter Wurzel" verkauft werden, wie man sie auf dem Foto unten rechts sieht.

Wer Jungbäume in Töpfen kauft, kann sie noch im Frühjahr in die Erde setzen. Llabrés empfiehlt Pflanzgruben mit 80 Zentimeter Tiefe und Breite und reichlich Gießwasser nach dem Pflanzen. Kommt es im Winter zu ausgiebigen Niederschlägen, hilft dies Wasser sparen, denn Jungbäume brauchen im ersten Jahr viel Feuchtigkeit.

Das Feuerbakterium

„Mit der Xylella zu leben, bringt viel Unsicherheit", sagt Llabrés, der auch Präsident des balearischen Verbandes der Baumschulen und Gartencenter (Feim Verd) ist. Noch ist nicht wissenschaftlich erwiesen, welcher Schädling das Xylella-Bakterium überträgt. Llabrés fühlt sich mit seinen knapp fünf Hektar großen Feldern und seinen Jungbäumen von den Behörden allein gelassen. Diese führen zwar regelmäßig gründliche Kontrollen durch, doch sie sind keine kompetenten Ratgeber. Beispielsweise, wenn es darum geht, befallene Plantagen neu zu bepflanzen.

Llabrés ist sich jedoch sicher, dass Pflanzgruben, aus denen Bäumen entwurzelt worden sind, nicht sofort neu bepflanzt werden dürfen. „Mein Großvater hob die Grube ein Jahr vor dem Pflanzen aus und verbrannte darin monatelang das anfallende Schnittgut", berichtet Llabrés. Heute gebe es wirksamere Methoden zur Desinfektion. Doch Vorsicht wäre angesagt. Anstelle eines Mandelbaums empfiehlt er, einen Johannisbrotbaum zu setzen.

Auf die Wurzel kommt es an

Auch in einem weiteren Punkt hat Llabrés Gewissheit: „Zukunft haben auf der Insel nur widerstandsfähige und kräftige Bäume". Das fängt schon bei der Wurzel an. Die kräftigsten Unterlagen bieten die der Bittermandelbäume. Veredelt werden diese mit Reisig von Mandelsorten, die sich angesichts der Xylella-Plage als widerstandsfähig erwiesen haben wie beispielsweise die Inselsorten „Ponç" und „Vivot" oder die „Masbovera" aus Tarragona. Auch für Steinobst, wie Aprikose, Pfirsich und Pflaume kann die Bittermandel eine tragfähige Unterlage bieten.

Doch kräftige Wurzeln entwickeln sich nicht in ausgelaugten Böden. Deshalb wird hier – wie im Ökoanbau – mit Rotation gearbeitet. Auf einem jetzt brach liegenden Feld sät man bald Getreide aus, so kann sich der Boden erholen. Bevor er aber neu bepflanzt werden kann, desinfiziert man ihn.

Der Gesundheitspass

Die Baumschule verfügt über die Genehmigung zur Produktion heimischer Obstbäume wie beispielsweise Steinobst (Mandeln, Aprikosen, Pflaumen Pfirsich, Kirschen), Kernobst (Äpfel, Birnen, Mispeln und Quitten) und für Feigenbäume ebenfalls.

Darüber hinaus verfügt die Gärtnerei über eine Genehmigung zum Handel mit Zitrus- und tropischen Bäumen (Avocado, Chirimoyas), deren Herkunft und Gesundheit zertifiziert sind. In Kürze wird die Liste der für die Saison 2017/18 lieferbaren Baumsorten auf der Internetseite der Gärtnerei veröffentlicht.

Die ersten stehen schon zum Ausliefern bereit: Die am Morgen frisch ausgegrabenen Mandelbäumchen befinden sich jetzt in einem Gebäude am Eingang der Baumschule. Hier werden sie mit torffreiem Kokossubstrat und Nährstoffen in Töpfe gepflanzt und gegossen. Jetzt fehlt ihnen nur noch die Banderole mit dem botanischen Namen, der Sorte und dem „Pasaporte Fitosanitario", der besagt, dass der Jungbaum gesund ist. Und ein Lieferschein, der im Fall einer Kontrolle beweist, dass es sich um einen legalen Pflanzentransport handelt.

www.viverosllabres.com

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