07. Februar 2018
07.02.2018
40 Años

Kinderstube für robuste Pflanzen auf Mallorca

In Eigenregie Sträucher ziehen: Wie das geht, ist auf dem Anwesen von Gritli und Hans Liesenhoff zu sehen

07.02.2018 | 01:00
Im Schattenhaus begann die Bepflanzung des Anwesens, heute wachsen hier Pflanzen, die Sonne nicht so gut vertragen.

Stecklinge, Samen und Äste in der Erde

  • Rosen entstehen durch Veredelung. Züchter pfropfen dazu ein Reisig einer bereits veredelten Rose auf die Unterlage einer Wildrose.
  • Danach kann sie durch Stecklinge oder Samen vermehrt werden.
  • Die Methode mit den Samen braucht viel Zeit. Man entnimmt sie einer noch grünen Hagebutte. Bis eine Rose daraus wird, vergehen Jahre.
  • Schneller wachsen Stecklinge zu Sträuchern heran, dafür eignen sich Rosen mit weichem Holz, wie beispielsweise Rambler- oder Strauchrosen. Dazu trennt man einen Ast von einem Endzweig mit etwa acht Zentimeter Länge ab und steckt ihn in Töpfe mit etwa fünfzehn Zentimeter Durchmesser und Spezial­erde für das Anwachsen. Die Pflanze braucht Feuchtigkeit, um Wurzeln zu bilden. „Wir besprühen die Setzlinge“, sagt Gritli Liesenhoff. Das bekomme ihnen besser als Gießen.
  • Stecklinge bilden auch im Wasser Wurzeln. Dazu können sie in Gläser gestellt oder an ihren Enden in mit Wasser gefüllte Plastiktüten gesteckt werden, die man oben zubindet.
  • Rosen können auch direkt im Beet vermehrt werden: Man bedeckt einen Ast – ohne ihn vom Strauch abzutrennen – gut mit Erde und wartet, bis er Wurzeln gebildet hat. Danach trennt man ihn ab und zieht ihn im Topf weiter groß. Wenn er etwa 25 Zentimeter hoch ist, kann der Rosenstrauch ins Beet ausgepflanzt werden.

Im Januar werden im Garten des Ehepaars Liesenhoff bei ­Santanyí die Rosensträucher nicht nur geschnitten, sie werden auch vermehrt. Dabei wählen Besitzer und Gärtner sorgfältig aus, welche der Äste sich dafür eignen.

„Als wir in den 90er-Jahren hier angefangen haben, gab es kaum Gärtnereien auf der Insel", berichtet Gritli Liesenhoff. Anfangs bestellte sie Pflanzen in Italien und Frankreich. Sobald sich die Gewächse auf der Insel eingewöhnt hatten und groß genug waren, um gestutzt zu werden, zog sie aus ihnen neue Sträucher. Bekanntlich sind die auf der Insel gezogenen Nachkömmlinge robuster als frisch eingeführte Gewächse. Doch diese Methode, einen Garten zu gestalten, macht viel Arbeit und verlangt von den Besitzern viel Zeit und Geduld.

All dies investierten Gritli und Hans Liesenhoff, der sein Berufsleben als Professor für Augenmedizin an der Universität Heidelberg im Jahr 2000 beendete. Zu diesem Zeitpunkt besaß das Ehepaar das Grundstück bereits knapp zehn Jahre. Bis die Wohngebäude fertiggestellt waren, deren Energiebedarf mit Solarzellen gespeist wird, vergingen noch drei Jahre.

Schon zuvor war das Schattenhaus gebaut, so nennt man auf dem Anwesen das Haus aus Holz, dessen Seitenwände aus Holzleisten bestehen, die sich ornamental zusammenfügen. Zwischenräume lassen von allen Seiten Licht in den Raum, das Dach ist mit eng nebeneinanderliegenden Schilfrohren gedeckt. Hier wurden anfangs die Pflanzen eingewöhnt, die darauf warteten, gepflanzt zu werden. Heute gedeihen dort in Töpfen Sorten, die direkte Sonneneinstrahlung nicht vertragen, wie beispielsweise eine Vielzahl von Farnen, die sich im Schatten und der Kühle wohlfühlen, oder aber Pflanzen, denen die kalkhaltige Inselerde nicht bekommt und die deshalb in Töpfen wachsen und mit kalkfreiem Regenwasser gegossen werden. Eine im Winter blühende Christrose zeigt die letzten Blüten der Saison. Eine Calla hat hier schon ihre bizarren Blätter gebildet, die Knospen werden sich in der Osterzeit öffnen.

Hinter dem Schattenhaus in unmittelbarer Nähe des Gewächshauses, in dem die Stecklinge untergebracht sind, stehen eine stattliche Sammlung Tontöpfe sowie Pflanzen, die von den Besitzern und ihrem Gärtner selbst gezogen worden sind und sich im Freien an Wind und Wetter gewöhnen. Hier versammelt sich auch der Rosennachwuchs.

Auch die Vermehrung der Kleinblättrigen Myrte gelingt im Garten gut. Ihr begegnet man hier immer wieder, durch regelmäßigen Schnitt sind die Sträucher zu Kugeln oder aber zu riesigen beeindruckenden Skulpturen geformt worden, die den Garten ganzjährig grün erscheinen lassen.

Das Schattenhaus und die Pflanzenzucht ist jedoch nur ein winziger Teil des legendären Gartens des Ehepaares. Gartenfans aus Deutschland und Großbritannien kommen regelmäßig vorbei, um durch die Anlage geführt zu werden. Einen Rundgang durch den 33.000 Quadratmeter großen Park wird die MZ veröffentlichen, wenn es wärmer wird und Bäume, Sträucher sowie Zwiebelpflanzen ihre Blüten öffnen und die farbige Vielfalt des Gartens in seiner vollen Pracht zu bewundern ist.

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