14. März 2018
14.03.2018
40 Años

So rücken Sie auf Mallorca Paysandisia und Palmrüssler auf den Pelz

Zwergpalmen treiben nach mechanischer und chemischer Behandlung wieder aus. Auch gegen den „picudo rojo" gibt es ein neues Mittel, das nur einmal im Jahr in den Stamm injiziert wird

30.05.2018 | 12:51
Löcher in einer Zwergpalme. Sie stammen von der Larve der „Paysandisia archon".

Um die Plagen, unter denen die Inselpalmen leiden, ist es still geworden. Doch dann kursierte plötzlich eine Nachricht in den Medien, dass 30 Prozent der Zwergpalmen in den Stadtgärten von Palma von der Paysandisia archon befallen sind. In 20 bis 25 Jahren werde es vermutlich keine Palmitos mehr auf der Insel geben. Der Palmrüssler dagegen sei von den Stadtgärtnereien erfolgreich bekämpft worden. Wie ist es nun mit den Inselpalmen wirklich bestellt? Hier der Versuch einer Bestandsaufnahme.

Die Paysandisia archon

Die Paysandiar archon ist ein Schmetterling, der Fächerpalmen befällt – vor allem die einzige in Europa heimische Zwergpalme (Chamaerops humilis bot., palmito span., garballó kat.). Der Schmetterling legt jedoch seine Eier auch auf den Fächerblättern der Washingtonia-Arten ab. Der Befall ist, im Gegensatz zu dem durch den Palmrüssler verursachten, leicht zu erkennen (siehe Foto), was erfolgreiche Therapien im Frühstadium möglich macht. „Palmas Stadtgärtnern fehlte sicher ein vernünftiges Budget für die Sanierung der Zwergpalmen", sagt Omar Beidas, Leiter der Abteilung Sanidad Vegetal im Landwirtschaftsministerium der Balearen.

Die meisten Zwergpalmen auf der Insel kommen jedoch wild in der Serra de Tramuntana, im Naturpark Llevant und auf Formentor vor. „Wir haben beo­b­achtet, dass wilde Palmitos, die mechanisch behandelt worden sind, erfolgreich wieder austrieben", sagt Anna Traveset, Biologin bei Imedea und verantwortlich für eine Studie über die Paysandisia archon. Eventuelle Rückfälle müssten jedoch durch Langzeitstudien noch ausgeschlossen werden. Auch die Behandlung mit chemischen Mitteln (Biopalm) hätten Erfolg gezeigt, denn mehr als zwei Drittel der kranken Palmen habe nach der Therapie wieder ausgetrieben. Trotzdem hat die Behandlung der wild wachsenden Palmen Grenzen: Manche von ihnen wachsen an schwer zugänglichen Felshängen, groß angelegte Behandlungen gehen ins Geld. Die Wissenschaftler empfehlen konkret, die Verkaufsstellen der Palmitos besser zu kontrollieren.

„Das würden wir ja gerne", sagt Beidas. Leider stehe nur noch ein einziger Inspektor für die 200 Gartencenter auf der Insel zur Verfügung. Drei Inspektionen im Jahr wären ratsam, aber leider nicht durchführbar. Der Grund: Alle Gelder, die in EU-Töpfen oder von der Zentralregierung für Schädlingsbekämpfung verfügbar sind, werden derzeit für Forschung und Bekämpfung des Feuerbakteriums Xylella investiert. „Der Schutz der Palmen hat keine Priorität mehr", sagt Beidas. Dennoch glaubt er nicht an die Prognosen, dass auf der Insel in 20 bis 25 Jahren keine Zwergpalmen mehr wachsen werde. „Die Kanarische und die Echte Dattelpalme haben den Palmrüssler überlebt, der Palmito wird auch seinen Schädling überleben", meint er.

Der Palmrüssler

Für die Bekämpfung des Palmschädlings (Rhynchophorus ferrugineus bot., picudo rojo span., becut vermell kat.) hat der Experte dann noch eine gute Nachricht bereit: Das Insektizid „Emamectin" steht kurz vor der Zulassung durch die EU-Behörden. Die Zentralregierung hat bis Juni die sofortige Anwendung genehmigt (Abgabe in landwirtschaftlichen Kooperativen an Inhaber des carnet fitosanitario). Das Schädlingsbekämpfungsmittel, das ursprünglich gegen Parasiten in der Aquaristik zugelassen war, muss nur einmal pro Jahr mit Endotherapie in den Saftkreislauf gebracht werden. Dazu ist zwar die Perforierung des Stammes notwendig, doch die Umgebung soll von toxischen Wirkstoffen verschont bleiben.

Als umweltschädlich habe sich hingegen das Insektizid „Clorpirifós" erwiesen, einer EU-Verordnung zufolge muss es vom Markt genommen werden. Die Besitzer von Palmen werden sich über das umweltfreundlichere Mittel freuen. Denn viele der rund 270.000 Palmen auf der Insel müssen behandelt werden. Zwar sind die Meldezahlen erkrankter Palmen rückläufig. Im vergangenen Jahr wurden nur 152 infizierte Palmen gemeldet, 2016 waren es noch 636, 2015 sogar 1.277.

Doch darauf kann man sich laut Beidas nicht verlassen, weil viele Besitzer den Befall nicht melden. Das war schon zu Zeiten so, als das Ministerium noch Kapazitäten hatte, den Gartenbesitzern Experten vorbeizuschicken. Von einer Entwarnung will der Experte des Ministeriums nicht sprechen: Viele der Kanarischen Palmen und der Echten Dattelpalmen wären dem Käfer zum Opfer gefallen. Die ihn überlebt haben, verdankten dies ihren Besitzern und Behörden, die für Behandlung und Prävention tief in die Tasche gegriffen haben.

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