28. März 2018
28.03.2018

Mallorcas Gärtnereien: Abhärtung für die Pflanzen

Im Gartencenter Vivers Santa Maria zieht man viele der mehrjährigen Pflanzen auch im Winter im Freien. Das macht sie robust

28.03.2018 | 01:00
Mallorcas Gärtnereien: Abhärtung für die Pflanzen

Auf einmal scheint es, als wäre auf Mallorca der Frühling ausgebrochen. Denn beim Betreten des riesigen Gewächshauses leuchten Tulpenblüten in Rotblau, Narzissen in Gelb und die zarten Blätter der Ranunkeln in Rot und Lila. Draußen, vor dem Betreten der Gärtnerei Vivers Santa Maria, zeigte sich der Morgen neblig Grau in Grau und die Gipfel der Serra de Tramuntana waren von Wolken verhangen.

„Die Gartenbesitzer wollen sich den Frühling mit nach Hause nehmen", sagt Mateo Morro. Die Frühblüher werden in geheizten Gewächshäusern auf dem spanischen Festland produziert und sind atypisch für das Sortiment seiner Gärtnerei. Geheizt wird hier im Winter einzig und allein das winzige Büro neben dem Eingang, wo Rechnungen ausgestellt, Ordner aufbewahrt werden und die Kunden die Pflanzen auf ihren Einkaufswagen bezahlen.

Die meisten Gewächse werden auf dem drei Hektar großen Anwesen auf dem Gemeindegebiet von Marratxí in der Nähe von Santa Maria del Camí im Freien gezogen und sind dem rauen Inselklima ausgesetzt. Es gibt kein Unternehmen auf der Insel mit einem vergleichbar großen Angebot von selbst gezogenen Obst- und Zierbäumen, ein- und mehrjährigen Sträuchern oder aromatischen Pflanzen.

Das kommt nicht von ungefähr, denn der 55-jährige Mateo Morro ist ein leidenschaftlicher Pflanzensammler, das fällt schon am Eingang der Halle auf: Hier sind viele Arten Tillandsien ausgestellt, die sich von der Luftfeuchtigkeit ernähren. Es handelt sich eher um Liebhaberstücke als um Bestseller, auch wenn im traditionellen Inselgarten eine in der Nähe der Zisterne hängende Kugel mit „claveles de aire" nicht fehlen durfte.

Auf kleinem Raum sind ein paar Gartenmöbel und Accessoires untergebracht. „Es ist viel einfacher Möbel zu verkaufen, sie brauchen kein Wasser und gehen dir nicht ein", sagt der Mallorquiner. Hier hat auch eine gut genährte getigerte Katze ihren Stammplatz, sie hält das Gewächshaus von Mäusen frei. Einen größeren Raum nehmen Werkzeuge, Töpfe und Samen ein. Eine Tür führt zur Rückseite des Gebäudes, hier stehen Obst- und Zitrusbäume in Töpfen. Durch einen weiteren Ausgang gelangt man zu den Pflanzen im Freien, einige Beetreihen sind durch Folientunnel vor Minusgraden und Frost geschützt.

Auf dem Weg dorthin kommt man an langen Reihen mit Zierbäumen vorbei, die sich für Hecken oder für einzeln wachsende Bäume eignen. Rund um Olivenbäume in jugendlichem Alter, aber auch um solche, die mit knorrigen Stämmen hohes Alter verraten, versammeln sich in Töpfen alle die Arten, die im mediterranen Klima nicht unbedingt zu Hause sind, aber gut zurechtkommen. Mal wuchern die Büsche wild durcheinander oder aber die Sträucher sind, nach Arten sortiert, ornamental in geometrischen Mustern angeordnet.

Unter einem Schatten spendenden Dach stehen Klivien mit Fruchtständen, Morro schält einen von ihnen, zieht drei Samen aus der Hülle und zeigt, wie man sie in die Erde setzen kann. Säen und Vermehren, diese Gabe ist ihm nicht direkt in die Wiege gelegt worden, doch im Alter von acht Jahren besaß der santamerier schon eigene Pflanzen. Und besorgte sich Ableger bei seinen Nachbarinnen.

Vor 35 Jahren erwarben seine Eltern das Grundstück der heutigen Gärtnerei. Nach dem Abschluss des Gartenbaustudiums in Barcelona war hier genug Platz, um die Pflanzenvermehrung im großen Stil zu betreiben. Nur eine logische Entwicklung war danach, mit seiner Schwester Magdalena 1988 eine Firma zu gründen. Derzeit arbeiten zehn Personen im Vivers Santa Maria, Bruder Joan ist Agrar­ingenieur und gestaltet Gärten.

Das alles erzählt Mateo Morro beim Rundgang. Vor einer Gruppe Palmen weist er darauf hin, dass es mit ihnen Probleme gibt. Seit der Xylella-Epidemie kämen häufig Kontrolleure vom Umweltamt vorbei. Wenn sich dann eine Paysandisia oder ein Palmrüssler zeigt, gäbe es Verwarnungen, bei Wiederholung Geldstrafen. Man könne Palmen nicht mehr guten Gewissens empfehlen, darin sind sich in der Firma alle einig.

Links von der Palmengruppe sind in einem Folientunnel Bodendecker untergebracht. Da sind zum einen Grama-Rasensorten, die sich Kunden als Spielwiese oder als Poolumrandung wünschen. Doch die Gärtnerei hält auch wassersparende Alternativen bereit. Bodendecker, die den Boden feucht halten und mit wenig Gießwasser auskommen. Ins Sortiment der Gärtnerei gelangen sie erst, wenn sie sich in Mateo Morros privatem Garten bewährt haben.

Hier verbringt der Pflanzenliebhaber seine gesamte Freizeit. Wenn in den Wintermonaten in der Firma nicht viel los ist, reist er in wärmere Länder, oft nach Lateinamerika, wo er sich Garten­pflanzen ansieht, die dort wild wachsen. Und manchmal bringt er auch neue für die Insel mit.

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