18. April 2018
18.04.2018
40 Años

Sechs bedrohte Mallorca-Arten bekommen Nachwuchs

Im Rahmen des Projekts „Care Mediflora" zieht der Botanische Garten in Sóller Setzlinge von auf Mallorca gefährdeten Pflanzen

18.04.2018 | 13:31
Die Arten, die auf Mallorca gezüchtet werden.

Jetzt blühen die Einheimischen im Botanischen Garten in Sóller: Der Ginster öffnet seine gelben Trauben, die Wolfsmilch ihre Rosetten, das Echium streckt seine blauen Rispen in die Höhe, und die Orchideen zeigen bizarre Blütenformen.

Doch nicht alle Inselgewächse sind mit derart üppig gesät. Darauf weisen neun Schautafeln hin, die gegenüber der Büros des Jardí
Bótànic in Sóller (JBS) aufgehängt sind und in spanischer und katalanischer Sprache das Pflanzenschutzprojekt „Care Mediflora" erklären. Es soll dazu beitragen, dem Angriff auf die Artenvielfalt Einhalt zu gebieten. Neben dem JBS nehmen an dem Projekt auch Botaniker aus Korsika, Kreta, Sardinien, Sizilien und Zypern teil. Jedes Inselprojekt betreut heimische Pflanzen, die meist auf mehreren Mittelmeerinseln
vertreten sind.

Auf dem Programm steht außerdem ein Erfahrungsaustausch der Experten. „Im April werden sich die Teilnehmer bei uns auf der Insel treffen", sagt Magdalena Vincens, die das noch bis Ende des Jahres laufende Projekt auf Mallorca leitet.

„Care Mediflora" hat dem JBS vier zusätzliche Mitarbeiter beschert. Finanziert wird das Programm zu 80 Prozent von der Mava-Stiftung. Die hat Luc Hoffmann, der verstorbene Enkel des Gründers des Pharmaunternehmens Hoffmann-La Roche, ins Leben gerufen und finanziert. Die restlichen 20 Prozent des Projekts tragen Inselrat und -regierung zur Hälfte.

Die Mittel ermöglichen, dass Botaniker auf Mallorca sechs vom Aussterben bedrohten Arten wieder neu ziehen können, meist mit den Beständen der JBS-Samenbank. Bei den noch vor Ort verbliebenen Kolonien jäten die Mitarbeiter Unkraut, versorgen den Nachwuchs im Sommer mit Wasser und überprüfen ihr Gedeihen. Es geht um den Schutz folgender sechs Arten:

Der Zwergmäuseschwanz (Myosurus minimus bot., coa de ratolí kat.) ist ein winziger Einjähriger mit spitz zulaufenden Blüten. Er kommt auf Mallorca in der Marina von Llucmajor vor. Ein Gartenbesitzer hatte in kleinen Pfützen beobachtet, dass der Zwergmäuseschwanz im Frühjahr blüht und seine Samen abwirft. Im Herbst, wenn sich wieder Pfützen bilden, treibt er neu aus. Jetzt wurden auf sechs Grundstücken in der Nähe
insgesamt 1.000 Samen ausgestreut. Zurzeit wird der Zustand der Pflänzchen wöchentlich überprüft.

Der Strand-Lein (Linum maritimum bot., lino marítimo span., Lli kat.) wächst auf Mallorca im Naturpark Albufera. In Zusammenarbeit mit den Parkwächtern rodete man einen Bereich und verteilte Samen, die seit 20 Jahren im Botanischen Garten lagern. Das Gießwasser zum Anwachsen spendierte das in der Nähe gelegene Hotel Parc Natural & Spa. Die Überlebensrate beträgt derzeit 87 Prozent. Auch in den Beeten des JBS bildet der Strand-Lein neuerdings wieder stattliche Stauden.

Die Butterblume (Ranunculus bullatus bot., joyel de agua span., botó d'or kat.) kommt auf den Balearen nur im Süden Mallorcas vor. Dort fand man nur noch zwei Exemplare am Straßenrand, weil die Habitate dieser Pflanzenart durch Bauarbeiten und invasive Pflanzen weitgehend zerstört wurden. Im JBS wurden Setzlinge gezogen und auf privatem Grund wieder ausgepflanzt.

Vom Brachsenkraut (Isoetes histrix) gibt es auf Mallorca nur noch eine einzige Kolonie, auf Menorca vier. Die Pflanzengattung leidet unter der Trockenheit und den gefräßigen Ziegen. Um die Bestände zu vergrößern, sammelt man Sporen und sorgt für mehr Bodenfeuchtigkeit sowie Schutz vor Fressfeinden.

Die Hauhechel (Ononis zschackei bot., ugó kat.) wächst an Straßenrändern in der Serra de Tramuntana. Ihr setzen Pflanzengifte und Ziegen zu. Die Setzlinge pflanzte man jetzt vor ihnen gesichert aus. Die Hauhechel ist eng verwandt mit der Ononis crispa, die nur auf Cabrera vorkommt und ebenso bedroht ist. Die Setzlinge werden in Kürze ausgepflanzt.

Der Backenklee (Dorycnium fulgurans bot., socarrell alís.) bildet harte Polster. Mehrere Exemplare sind in El Toro einem Bauprojekt zum Opfer gefallen, Badegäste und invasive Gewächse bedrohen den immer kleiner werdenden Bestand. Im JBS zieht man Setzlinge. Monatliche Kontrollen sollen das Überleben garantieren.

www.care-mediflora.eu
www.jardibotanicdesoller.org

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