11. Juni 2018
11.06.2018
40 Años

DIe Hüterin der Steine auf Mallorca geht in Rente

Schon ihr ganzes Leben lang kümmert sich Llucia Fiol um die Talaiot-Siedlung Capocorb Vell. Bald verlässt sie diesen Posten

11.06.2018 | 10:22
25 Peseten kostete am Anfang der Besuch der Siedlung. "Jetzt sind es drei Euro", so Llucia Fiol

Llucia Fiol sieht nicht gerade aus wie eine Türsteherin. Sie ist eher klein gewachsen. Sie bewegt sich eher langsam. Sie ist ja auch immerhin schon 65. Aber eines ist ihr klar: „Ohne mich würde es das alles hier nicht mehr geben. Da können Sie ganz sicher sein", sagt sie, während sie hinter dem Tresen der kleinen Bar steht und Gläser spült.

Sie ist es, die an dieser unscheinbaren Kreuzung mitten im Nichts in der Gemeinde Llucmajor wacht, an der sich einer der größten historischen Schätze der Insel befindet: die Talaiotische Siedlung von Capocorb Vell. Seit dem 12. Jahrhundert vor Christus steht diese Siedlung hier. Damit stammt sie aus der Frühzeit der Talaiot-Kultur, die bis zum 2. Jahrhundert vor Christus vor allem auf Mallorca und Menorca existierte. Rund 500 Menschen sollen in Capocorb Vell gelebt haben. In den Jahren 1910 bis 1920 wurde das Gelände von José Colominas Roca ausgegraben. Seitdem liegen mehrere Türme und Gebäudeteile auf rund 7.000 Quadratmetern frei.

Fiol ist seit ihrem 18. Lebensjahr dafür verantwortlich, dass das auch so bleibt. Schließlich gehört ihr das hier alles. „Mein Großvater hat einst das Grundstück gekauft." In welchem Jahr? „Ach, das kann ich Ihnen so aus dem Stegreif nicht sagen." Damals habe er draußen ein Schild angebracht: Wer die Siedlung sehen wolle, solle den Schlüssel im Haus der Familie abholen. „Schon als kleines Mädchen habe ich dann das Tor für die Besucher geöffnet." In diesem Jahr geht Llucia Fiol in Rente. „Me toca", sagt sie. „Ich bin dran", aber es klingt aus ihrem Mund eher nach „Jetzt hat es mich erwischt", denn als ein „endlich".

Ohne die Bar könnte sie ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten. „Eigentlich habe ich sie nur aufgebaut, weil ich nicht im Regen stehen und es gemütlich haben wollte, wenn ich schon den ganzen Tag hier bin", sagt sie und man meint ein Grinsen zu erkennen.

Radfahrer steigen hier gern ab, auch Reisebusse halten mal. Es gibt Kaffee und Bier, Pa amb Oli und Kuchen. Auf der Eiskarte ­stehen ein paar vegane Sorten. Mehrere lokale und internationale Zeitungen liegen aus. Die wenigsten der Gäste der Bar gehen auch in die Siedlung. „Ich würde sagen, es kommen rund zehn Besucher pro Tag für die Siedlung. Manchmal sind es auch 30, an anderen Tagen aber auch nur zwei."

Llucia Fiol hat eine Eintrittskarte aus der Anfangszeit der touristischen Besuche. 25 Peseten kostete der Einlass damals. Jetzt sind es drei Euro. Wer die Siedlung besucht, kriegt einen Info­zettel in die Hand gedrückt. Fiol hat die grundlegenden Daten über die Siedlung in mehreren Sprachen parat. „Ein Großteil der Besucher sind Deutsche", sagt sie. „Manchmal kommen auch Schulklassen." Sie freue sich, wenn Leute erscheinen, die ein aufrichtiges Interesse haben. „Die wissen wenigstens, wo man drauftreten kann und wo nicht. Ein Besucher hat mir mal gesagt, ich solle 30 statt drei Euro Eintritt verlangen. Dann würden wirklich nur die kommen, die es wertschätzen."

Ein ganzes Leben an einer Straßenecke. Bis auf Donnerstags ist hier von 10 bis 17 Uhr auf. Und am ersten Weihnachtsfeiertag bleibt die Siedlung geschlossen. Angestellte hat Fiol keine.

Warum hat sie sich das ein Leben lang angetan? „Ich bewahre eben gern Dinge", sagt sie. Viel erzählt sie nicht. Vielleicht ist es eine Lektion aus dem Leben mit den Steinen, dass man nicht alles zu Tode sabbeln muss.

Unterstützung habe sie nie bekommen. Weder von der Balea­ren-Regierung noch von einer sonstigen Stelle. „Es sind die drei Euro, die jeder Besucher zahlt, die dafür verantwortlich sind, dass es hier weitergeht." Im Februar hat sie einen Preis von der Denkmalschutzorganisation Arca erhalten. „Das gab auch kein Geld, aber immerhin war es eine kleine Anerkennung."

Wie es weitergeht mit der Siedlung? Llucia Fiol zuckt mit den Schultern. „Ich weiß es nicht." Irgendetwas in ihrem Blick lässt erahnen, dass sie eine gewisse Ahnung hat, was passieren wird. Aber sie sagt es nicht. „Ich habe zwei Töchter, aber die haben auch beide ihre Jobs." Womöglich werde sie es an jemand anderen vermieten, der sich als würdig erweise, die Wahrung der Steine weiterzuführen. „Vielleicht kommt ja die Regionalregierung und mietet das Grundstück an", sagt sie und gibt einen sarkastischen Lachlaut von sich. Auf jeden Fall müsse die Siedlung aber erhalten bleiben.

Talaiot-Siedlung Capocorb Vell, Landstraße Ma-6014, km 23, tägl. außer Do. 10-17 Uhr, Infos: www.talaiotscapocorbvell.com/de

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