27. Juni 2018
27.06.2018

Aprikosen-Zauber in Porreres

Von Mitte Mai bis Juli versammeln sich die Familien in dem Dorf im Inselinnern zur Ernte der "albericoques"

27.06.2018 | 01:00
Aprikosen-Zauber in Porreres

Jetzt ist Porreres die Hochburg der Aprikosen. Warum das so ist, kann man gut von einem Aussichtspunkt etwas außerhalb der Gemeinde sehen. Wie eine lang gezogene Mulde liegt das Dorf dem Betrachter zu Füßen, rundum reihen sich Berggipfel von teils fast 300 Meter Höhe und bieten dem Dorf nach allen Richtungen Schutz. Ideale Bedingungen für den eng mit dem Mandelbaum verwandten Aprikosenbaum (Prunus armeniaca bot., albaricoquero span., albarcoquer kat.), der hier auf 25 Hektar Land gedeiht. Ganz in der Nähe des miradors liegt die Finca der Familie Mora, auf deren Ländereien viele verschiedene Aprikosen-Sorten wachsen.

Heute ist die „Roja palabra" reif zur Ernte. Der 78-jährige Benito Mora klettert behände die inseltypische Holzleiter nach oben, lobt deren Konstruktion und hängt den Eimer an den dafür vorgesehenen Haken. Er pflückt blitzschnell, die Kisten auf dem Traktoranhänger füllen sich, beschädigte Exemplare bleiben auf dem Boden liegen.

Während der Landwirt unbeirrt von den Besuchern ohne Pause weiterarbeitet, erklärt Tochter Esperanza Mora, dass sie eine gute Ernte erwartet. Sie leitet seit 32 Jahren die landwirtschaftliche Kooperative von Porreres, die 30 Mitglieder zählt. Die Niederschläge im Winter wären als leichte Schauer auf die Plantagen gefallen, das würden die Bäume mögen. Kommt es durch Starkregen zur Pfützenbildung und damit zu viel Feuchtigkeit, bekommt das hingegen weder Bäumen noch Früchten. Wie alle Steinobstsorten benötigt auch der Aprikosenbaum im Winter mindestens 400 Stunden mit Temperaturen zwischen null und sieben Grad. Auch das war im Winter der Fall.

Zum Wohlbefinden und üppigem Fruchtansatz trägt auch der regelmäßige Schnitt der Bäume bei. Er wird im Winter vor der Blüte ausgeführt. Dies kommentiert Vater Mora von der Leiter: „Besser häufig wenig schneiden, als nur selten radikal." Nachdem all das gut gelungen ist, erwartet man in der Kooperative für diesen Sommer eine Ernte von zwischen 70 und 80 Tonnen, also mindestens zehn Tonnen mehr als im Vorjahr. Die Landwirte liefern jeden Morgen die reifen ­Früchte in der Kooperative ab, ein Lieferschein wird ausgestellt und am Ende abgerechnet. Wahrscheinlich werden sie – wenn alles gut geht – im August einen Euro pro Kilogramm kassieren.

Wie jedes Jahr war der Erntestart Mitte Mai. Bei der ersten reifen Aprikose handelte es sich um die alte Inselsorte Primerenc. Bei den Verbrauchern sind die ersten albercocs des Jahres sehr beliebt, sie garantieren daher hohe Einnahmen. Wie schon erwähnt ist derzeit die Sorte Roja palabra an der Reihe. Vater Mora füllt eine Kiste nach der anderen. Die Besucher schauen zu und kosten. Die Haut weist Flächen in Pink und Rot dort auf, wo sie am Baum Sonne abbekommen haben, das Fruchtfleisch ist weiß.

Auf anderen Plantagen wird jetzt die Roja de Carlet gepflückt. Eine Hälfte der festen Haut ist orange, die andere hellrot. Das Fruchtfleisch weiß bis cremefarben, auf den Markt ­kommen die Früchte den ganzen Juni, die Ernte fällt jedoch meist nicht üppig aus. Zu den späten Sorten, die Ende Juni reif werden, zählt die Canina. Ihr Fruchtfleisch ist weich, die Haut fest und beides gelb bis orangefarben. Diese Aprikose kann gelagert und gut transportiert werden, deshalb ist sie für die Plantagenbesitzer von großem kommerziellen Nutzen.

Eine einheimische alte und spät reifende Sorte ist die Galta vermella, was mit „rotwangig" übersetzt werden kann. Sie ist die einzige Aprikose, deren Kern so süß wie eine Mandel schmeckt. Früher wurden ihre Fruchthälften auf Holzrosten in der Sonne getrocknet. Wie das geht, führen die porrerencs auf der Fira am Samstag (16.6.) vor. Wie alle Aprikosen mit weißem Fruchtfleisch ist auch die rotwangige für die Herstellung von Marmeladen bestens geeignet.

Die Stämme der Aprikosenbäume, an denen Vater Mora heute erntet, haben stattliche Durchmesser und sind zwischen 20 und 25 Jahre alt. Einige der albaricoqueros auf den Plantagen der Kooperative haben mehr als 100 Jahre auf dem Buckel. Wobei die Produktivität eines Baumes mit dem Alter abnimmt. Mittlerweile arbeitet man auch mit Hybriden, deren Leben kurz und deren Produktivität hoch ist. Seit dem Vorjahr gibt es außerdem Bäume im Ökoanbau. Sie sind noch klein und tragen einige wenige Früchte. Im kommenden Jahr werden dann auf den Märkten erstmals Bio-Aprikosen aus Porreres im Angebot sein.

Die Kisten auf dem Anhänger des Traktors sind nun alle gefüllt. Nach dem Transport zur Kooperative kommen die Früchte am Boden an die Reihe. Sie werden aufgelesen und sind ein Leckerbissen für die Schweine. Jeden Sonntag treffen sich die Großeltern Mora, ihre drei Kinder, sechs Enkel und ein Urenkel zum Mittagessen, dann gibt es ein Spanferkel aus dem Backrohr. Aber nicht, ohne gemeinsam zuvor ein paar Kisten Aprikosen geerntet zu haben.

Die Cooperativa Agrícola Porreres liegt am Ortsende in Richtung Felanitx, C/. Sa Cooperativa, 29, Tel.: 971-64 71 81. Frische Früchte und Marmelade: Mo. bis Fr. 8–13 und 15–18.30 Uhr, Sa. 8–13 Uhr, www. cooperativa-agricola-porreres.com.

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