04. Juli 2018
04.07.2018

Von den kleinen Pflanzen zu den großen Bäumen

Mallorcas Gärtnereien: Was José Miguel Cervera von „Árboles de Mallorca" anders macht als seine Kollegen

06.07.2018 | 17:13
Von den kleinen Pflanzen zu den großen Bäumen

„Wenn Sie die drei Pfefferbäume nicht bald abholen, fällen wir sie", sagt ein Mann am Telefon. Das lässt sich José Miguel Cervera nicht zweimal sagen. Er macht sich mit Helfern und den nötigen Maschinen auf den Weg, um die Pflanzen einzusammeln. Kurze Zeit später stehen sie in Transportsäcken und von Stahlträgern gestützt in seiner Gärtnerei „Árboles de Mallorca" auf dem drei Hektar großen Gelände bei Biniali.

Früher hieß die Finca S'Hort Nou. Der Peruanische Pfefferbaum (Schinus Molle) gedeiht hier als eine von über hundert verschiedenen Baumsorten. Die Gärtnerei verfügt über zwei Gewächshäuser. Im Freien sind, mit Kieswegen getrennt, blühende Stauden in Quadraten mit Erde aufgestellt. Wie alle Gärtnereien Mallorcas bezieht man diese, wie auch Kräuter und Sommerblüher, von Großhändlern auf dem spanischen Festland.

Doch was die Gärtnerei von anderen unterscheidet, sind die jungen Bäume, die inmitten der Staudenbeete wachsen. Mehrere Exemplare des Brasilianischen Pfefferbaums (Schinus terebinthifolia) sind hier neu eingepflanzt worden. Ihre hochgewachsenen Vorgänger wurden erst kürzlich verkauft. Cervera bezieht nämlich preiswert Jungpflanzen von Zierbäumen bei Großhändlern und pflegt sie sorgfältig, bis sie zu hohen Bäumen herangewachsen sind. Dies erklärt er unter einem Maulbeerbaum (Morus alba 'Fruitless') mit einer prächtigen Krone. Der Baum bildet keine Früchte, die dem Besitzer später Arbeit bereiten könnten. Maschinen, gutes ­Stützwerk, viel Zeit und Geduld wären, so Cervera, das Geheimnis seines Erfolgs. Kleine Pflanzen sind preiswert, hohe Bäume lassen sich die Gartenbesitzer etwas kosten, das ist sein betriebswirtschaftlicher Gewinn. Auch für die Gartenbesitzer ist das von Vorteil: Während die Bäume groß werden, haben sie genügend Zeit, um sich an das Inselklima zu gewöhnen.

Ein weiterer Vorteil: Die Gartenbesitzer können sich hier ihre Bäume selbst aussuchen. „Wenn man am Telefon einkauft, sagt jeder Verkäufer, er habe die schönsten Exemplare von allen", sagt der Baumzüchter. Erst bei Lieferung sehe man dann, dass dem nicht so ist. Sein Metier lernte der Besitzer der Baumschule in Valencia, seit fünfzehn Jahren zieht er auf der Insel Bäume groß und weiß, welche Sorten sich für die verschiedenen Inselzonen am besten eignen.

Nach den Staudenbeeten und den Maulbeerbäumen führt er nun zu seiner Sammlung von Pflanzen, die in Töpfen wachsen. Weil ihre Kronen aneinanderstoßen wirken diese wie ein Wald, in dem nur wenig Licht den Boden erreicht. Viele von ihnen sind Lorbeerbäume, doch über sie später mehr.

In den vergangenen Jahren sind hier eine ganze Reihe Zürgelbäume (Celtis australis bot., almez span., lledroner kat.) erwachsen geworden. Sie waren als Jungpflanzen auf die Plantage gekommen. Heute haben sie eine Höhe von sieben Metern erreicht und gehen für 300 Euro an einen Kunden. Wie diese können alle Bäume, die in Pflanzgefäßen wachsen, ganzjährig ausgepflanzt werden. Die Blüten von Lorbeer- und Zürgelbaum fallen eher spärlich aus, die Rispen der Australischen Silber­eiche (Grevillea robusta) dagegen sind goldgelb. Seiner Höhe und seines buschigen Astwerks wegen ist das Ziergewächs ein beliebter Sichtschutz. Ihrem Namen alle Ehre macht die Magnolia grandiflora, denn sie breitet ihre weiße Blüte mit einem Durchmesser von gut zwanzig Zentimetern aus.

In einem der Gewächshäuser wurden die Setzlinge des rot blühenden Eisenbaums (Metrosideros tomentosa) groß. Die Pflanzkästen werden heute ins Freie gebracht. Wenn die Pflanzen zwei Jahre im Freien hinter sich haben, kann ihnen das Inselklima nichts mehr anhaben. Wie auch der Schmalblättrigen Ölweide (Elaeagnus angustifolia), ein trockentoleranter, als Windschutz geeigneter Baum oder Strauch, der salzhaltige Sandböden toleriert.

In langen Pflanzkisten wachsen die Setzlinge der Heckenplanzen des Ovalblättrigen Ligusters (Ligustrum ovalifolium) und des Japanischen Ligusters (Ligustrum japonicum). Wenn sie gut einen Meter hoch sind, holen Cafébesitzer die Kästen und stellen sie so auf, dass sie die Gäste vor Straßenlärm schützen. Oder aber Gartenbesitzer pflanzen die Gewächse in die Erde, wo sie als Wind- und Sichtschutz dienen.

Am Ende des Rundgangs ist ein Wald mit Lorbeerbäumen erreicht, die in der Erde wurzeln. Mit dem Bagger zieht man jedes Jahr im März mehrere Exemplare des Laurus nobilis aus der Erde und setzt sie in große Töpfe. „Wir entfernen alle Blätter und lassen nur die oberen Äste stehen", erklärt er. Innerhalb eines Jahres bildet der Lorbeer dann eine Krone. Die Blattbildung wird mit ausgiebiger Zugabe von Nährstoffen und Gießwasser unterstützt.

Die Bewässerungsanlage speist ein Brunnen, in den das Wasser vom nahegelegenen Torrent geführt wird. An Wachstum legt der Echte Lorbeer, solange seine Wurzeln im Topf sind, nicht zu. Das macht er erst, wenn seine Wurzeln in einem Garten einen neuen Platz gefunden haben.

Beim Wachsen zusehen
Arboles de Mallorca, Ctra. MA 3020 Km 8, 07143 Biniali bei Sencelles.
Mo.–Fr.: 8–18.30, Sa.: 8–14 Uhr,
Tel.: 610-78 33 66

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