25. August 2018
25.08.2018

Das sind die letzten echten Landschaftsmaler auf Mallorca

Sie arbeiten nur mit Spachtel und Ölfarbe. Ihr Lieblingsmotiv ist die Tramuntana. Und sie haben noch allen Moden der Kunst standgehalten. Ein Besuch bei dem Malerduo Guillermo Gil und José Luis Godoy

25.08.2018 | 01:00

In einer eher unauffälligen Seitenstraße in Palmas Vorort Establiments, gefühlt weit entfernt von den Residenzen eines Til Schweigers oder Jan Ullrichs, steht in Großbuchstaben an der Tür eines einstöckigen Hauses: Petit Museu – kleines Museum. Hinter dieser Tür wird
Widerstand geleistet. Gegen die Moden der Kunstwelt. Gegen diejenigen, die dreimal Farbe gegen eine Leinwand klatschen und das Ergebnis Malerei nennen. Gegen die Abstraktion im Allgemeinen.

Hinter dieser Tür liegt das auffällig saubere Atelier des 81-jährigen Malers Guillermo Gil. Und hier ist auch immer sein rund zwanzig Jahre jüngerer Kompagnon José Luis Godoy anzutreffen. Sie sind Landschaftsmaler. Und die Tramuntana ist ihr Hauptmotiv. „Wir sind die einzigen Maler auf Mallorca, die noch ausschließlich mit Spachtel arbeiten", sagt Godoy und zieht an seinem dicken Zigarillo.

Den ganzen Tag auf Wanderung

Seit zehn Jahren arbeiten die beiden Maler gemeinsam – zuvor hatte jeder für sich schon eine jahrzehntelange künstlerische Karriere hinter sich. „Wir ziehen immer gemeinsam durch die Tramuntana ", sagt Godoy, der lieber redet als sein älterer Freund. „Bei so einer Wanderung, die oft einen ganzen Tag dauert, können schon mal 160 Fotos mit der Digitalkamera entstehen. Von denen taugen dann fünf oder sechs als Vorlage für ein Gemälde."

Im Petit Museu hat jeder seinen eigenen Raum mit einem großen Computerbildschirm, auf dem sie sich die ausgewählten Motive anzeigen lassen. „Im Grunde gibt es zwei gute Uhrzeiten, was das Licht in der Tramuntana angeht", sagt Godoy. „Ganz früh morgens oder am späten Nachmittag." Mit einer Ausnahme, fügt er hinzu. „Der Torrent de Pareis hat zu jeder Tageszeit ein interessantes Licht."


Einen eigenen Stil aneignen

Einen wesentlichen Unterschied zwischen den Malstilen der beiden Künstler gibt es nicht. Gil ist gewissermaßen Godoys Mentor, Godoy wiederum kümmert sich darum, dass der ältere Herr wieder heil von seinen Ausflügen in die Berge nach Hause kommt. „Ich sage José Luis immer, dass er sich einen eigenen Stil aneignen soll", sagt Guillermo Gil mit tadelnd erhobenen Zeigefinger. „Gleichzeitig gefällt es dir aber, dass du in ihm einen Schüler hast", wirft Godoys Frau Maria Antònia ein, die der allergrößte Fan der beiden Maler ist. Da lächelt Gil. Godoy sagt: „Wir diskutieren ja auch häufig." Gil runzelt die Stirn. „Na ja, manchmal muss ich ihn ein bisschen zurechtweisen."
Da lächelt Godoy.

Die beiden Maler verkaufen nach eigener Aussage recht viele ihrer Bilder – Godoy etwas mehr, seit Gil seit einigen Jahren aufgehört hat, seine Arbeiten zu vermarkten. Viele der Kunden sind Ausländer. „Der Deutsche oder der Österreicher, der nach Mallorca kommt und sich in die Insel verliebt, möchte gerne etwas zur Erinnerung für zu Hause mitnehmen", erklärt Godoy den Kundenstamm. „Vor allem aber feilschen diese Leute nicht. Wenn ein Bild 4.000 Euro kostet, wird ohne Gezeter gezahlt."

Godoy und Gil zeigen ihre Arbeiten an verschiedenen Orten der Insel. Gils prominenteste Ausstellung ist die im Museum des Klosters Lluc. Godoy beteiligt sich etwa am 24. 8. mit einer Ausstellung in der Fundació Barceló an der Kunstnacht Nitx de l'art in Felanitx. Eine gemeinsame Ausstellung beherbergt die Fundació Tocino Pons auf der Possessió Son Pax an der Landstraße nach Sóller.

Gerade nicht in Mode

Früher waren Gils Arbeiten auch in den Galerien in Palma zu sehen, etwa bei Gabriel Vanrell, der Gil jahrelang alle seine Arbeiten abkaufte. „Aber das ist gerade nicht möglich. Diese Art Malerei ist nicht in Mode", sagt der alte Maler mit dem markanten Kinnbart. „Andererseits ist es auch nichts anderes als das – eine Mode."

Auch Godoy ist enttäuscht über das mangelnde Interesse der Kunstwelt. Dabei hat er auch einige abstrakte Arbeiten in seinem eigenen zu Hause, rund zwei Kilometer vom Petit Museu entfernt. „Meine Arbeiten beinhalten immer auch figurative Elemente", sagt Godoy. „Das ist für mich wichtig. Schauen Sie Miquel Barceló an, der hat immer diesen figurativen Aspekt, deshalb ist er ein großer Künstler. Der Gegensatz dazu ist Miró. Der war im Grunde nur ein glorifizierter Farbauftrager – mit einer erfolgreichen Marketingabteilung hinter sich."

Von der Kunst allein leben die beiden nicht. Gil ist pensioniert. „Zuvor war ich Beamter in der Stadtverwaltung. Da hatte ich zum Glück viel Freizeit", sagt er. Godoy vermietet mehrere Immobilien.

Mal was anderes als die Tramuntana

Im Juli und August ist das Malerpaar in künstlerischer Sommerpause. Ab September wollen Gil und Godoy wieder loslegen – und eventuell sogar den landschaftlichen Horizont ein wenig erweitern. „Ich schlage Guillermo seit Längerem vor, dass wir auch mal woanders hingehen", sagt Godoy. „In der Nähe von Alcúdia etwa kenne ich ein paar sehr hübsche Buchten, die sich sicher lohnen würden."

Und es könnte sogar über die Insel hinaus gehen. Gil hat im Laufe seines Lebens schon auf Menorca und Ibiza gemalt. Und Godoy war kürzlich in Norwegen. „Die Fjorde halte ich für ein sehr interessantes Motiv." Und noch etwas anderes reizt den Maler: „In Skandinavien habe ich gesehen, dass gerade Bilder von großen Blättern sehr angesagt sind", sagt Godoy. „Das könnte mein nächstes Projekt werden." Guillermo Gil lächelt milde.

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