17. September 2018
17.09.2018

Granatäpfel auf Mallorca: Rotes Wunderwerk

Auf der Bio-Finca S´Hort de Son Morro wachsen rund 500 Bäume, die ab jetzt reife Granatäpfel tragen. Besitzer José Romero weiß, welche Sorten besonders gut munden – und wie man die Früchte am besten schält

17.09.2018 | 01:00

Jetzt kann der Granatapfel auf der Insel frisch verzehrt werden. Er zählt zu den gesündesten Früchten, neben Vitaminen und Folsäure enthalten Granatäpfel auch Antioxidantien. Weil sie jedoch nicht überall gedeihen und ihr Inneres nicht so leicht freigeben, werden Granatapfel-Extrakte als Beautyfood, Nahrungsergänzungsmittel und alternative Medikamente angeboten. Auf der Insel wird die Frucht auch in Biomärkten verkauft, so kann man der Gesundheit mit dem frischen Obst Gutes tun.

José Romero besitzt auf seiner Plantage S'Hort de Son Morro in der Nähe von Valldemossa rund 500 Granatapfelbäume (Punica granatum bot., granado span. magraner kat.). Im Schatten eines hohen Baumes öffnet er auf einem Tisch die Frucht. Es ist ein Eine Kunst, die beherrscht werden will.

Mit einem scharfen Messer schneidet er zuerst oben, dann unten die Enden der granadas ab, danach ritzt er die harte Haut wie die einer Orange längs ein, bricht sie auseinander und klopft mit dem Griff des Messers auf die Haut, sodass die reifen Samen aus ihren Kammern purzeln. Die gelben Häute, auch Membranen genannt, werden nicht gegessen. Die süße, gesunde Kostbarkeit ist der Samenmantel, arilo genannt. Er umhüllt die Kerne, die je nach Sorte mitverzehrt werden können. Anfang September sind die früh reifenden Früchte zu kosten. Wer einen granado im Garten pflanzen will, dem empfiehlt Romero spätere wohlschmeckendere Sorten.

Ursprünglich stammt der Obstbaumzüchter aus Extremadura. Mitte der 80er-Jahre kauften er und seine mallorquinische Frau Cati Crespi das fünf Hektar große Land nahe dem Estret de Valldemossa. Das Ehepaar pflanzte viele Obstbäume und pflegt sie biodynamisch. Das erklärt auch, warum man auf dem Weg zu den in Reihen gepflanzten granados über vertrocknetes Gras steigt, das als Mulchdecke den Boden vor dem Austrocknen schützen und den Wurzeln Nährstoffe zufügen soll. So gedeihen die
buschig wachsenden Bäume bestens, Romero bezeichnet sie als pflegeleicht.

Zu den 500 Exemplaren kam es auf der Plantage, weil sie so leicht zu vermehren sind. „Ein Baum bildet so viele Schösslinge, dass man mit den Jahren die ganze Insel mit ihnen bepflanzen könnte", sagt er und zeigt auf einen Austrieb, der aus der Wurzel kommt. Ihn wird er im Winter im Abstand von vier Metern zu anderen Granatapfelbäumen in die Erde pflanzen. Damit es zur Fruchtbildung kommt, sind sie an ein Bewässerungssystem angeschlossen.

Gleichzeitig männlich und weiblich

Jetzt im September tragen einige Bäume Blüten und Früchte zugleich. Eine botanische Besonderheit der Pflanzen ist außerdem, dass sie gleichzeitig männliche und weibliche Blüten bilden, die vom Wind und von Insekten bestäubt werden. Ziergranatapfelbäume dagegen sind so gezüchtet, dass sie nur männliche Blüten und keine Früchte bilden.

Doch nicht alle Granatapfelsorten schmecken süß. Ursprünglich wuchsen auf der Insel wilde magraners, mit sauren Samenmänteln und eher bitteren Kernen. Da niemand sie goss, platzte die ledrige Haut der Beeren nach den ersten Regenfällen auf. Die Samenhüllen plus Kerne verkochte man zu Marmelade. Sie wurde als Zutat zum rostit de xot, dem gebratenem Lamm, gereicht. Die wilden widerstandsfähigen Wildbäume dienen heute noch als Unterlage für die Veredelung.

Wie beispielsweise für den über die Grenzen Spaniens hinaus bekanntesten Granatapfelbaum Mollar de Elche. Dieser granado trägt den Namen der Stadt Elche bei Alicante, wo die Züchtung entstand. Seit 2016 kommt er mit dem Qualitätssiegel Denominación de Origen in den Handel. Die Früchte reifen, je nach Standort, im September und Oktober und sind bis zu 120 Tagen im Kühlhaus lagerfähig. Das heißt, dass man ihre Vorzüge den ganzen Winter über genießen kann.

Zuckersüß und weich

Die Früchte sind mittelgroß, ihre Haut hart und resistent gegen Fruchtfliegen. Die Samenhüllen schmecken zuckersüß, ihre Kerne sind so weich, dass sie sich auf der Zunge auflösen. Für Romero ist diese Beere perfekt im Geschmack, die Bäume könnten allerdings etwas produktiver sein, und er überlegt, ob er sie im Winter nicht mit einer Sorte veredeln wird, die zahlreichere Früchte bildet.

Die Valenciana liefert in etwa vergleichbare Mengen. Die Früchte sind mittelgroß und sowohl innen als auch außen rosa. Die Sorte reift im September, ihre Haut ist sensibel, die Lagerfähigkeit begrenzt. Die Samenhüllen schmecken zuckersüß, die Kerne werden bei dieser Sorte kaum wahrgenommen.

Der weltweit am meisten kultivierteste Granatapfel wurde in Kalifornien gezüchtet und kommt unter dem Namen Wonderful in den Handel. Seine Haut ist resistent und die Frucht lagerfähig. „Dieser Baum produziert am fleißigsten", sagt der Experte, doch Vorsicht wäre geboten. Die Samenhüllen schmeckten sauer, wären aber bei den
US-Amerikanern sehr beliebt.

Die Frucht, deren Inneres eingangs präsentiert wurde, zählt zur früh reifenden Sorte Acco. Der Samenmantel schmeckt zuckersüß, die Kerne sind – so Romero – schwer verdaulich. Sie werden bald auf den Insel-Biomärkten verkauft werden. Ihnen werden im Herbst und Winter weitere, süßere Sorten folgen.

Kontakt José Romero: Tel.: 629-74 31 84

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