26. September 2018
26.09.2018

Modedesignerin Elvira Kirsch: klassische Eleganz in Port d'Andratx

Sie stattete den Deutschen Opernball aus, und so manche Business-Frau trägt ihre Hosenanzüge und Etuikleider

26.09.2018 | 11:12
Elvira Kirsch in ihrem neuen Atelier in Port Andratx

Elvira Kirsch hat sich zum zweiten Mal einen Traum erfüllt. Die Top-Modedesignerin aus Frankfurt eröffnete vor einer Woche ein Atelier in Port d'Andratx auf Mallorca – nach sechs Jahren Schaffenspause. Neuanfänge sind für die gebürtige Russin etwas Natürliches: „Ich bin spontan, und ich glaube, dass man in jedem Land glücklich werden kann."

In Deutschland baute sie vor zehn Jahren zusammen mit Ehemann Rainer das Frankfurter In-Label „Elvira Kirsch" auf. Aus der kleinen Designer-Schneiderei wurde ein Geschäft mit 20 Angestellten. Der Höhepunkt war die Ausstattung des Deutschen Opernballs. Als ihre „große Liebe" 2011 starb, zog sich die Designerin aus der Modewelt zurück und arbeitete in einer Bank. „Wenn man kreiert, muss man glücklich sein, man muss brennen", sagt Elvira Kirsch. Jetzt ist ihre Euphorie zurück und „Elvira Kirsch Couture" wieder da. In Port d'Andratx, wo sie sich mit Modesigner Thomas Rath angefreundet hat, der hier vergangenes Jahr ein Geschäft eröffnete.

„Nach den vielen Etuikleidern und grauen Hosenanzügen wollte ich kreativ sein und machen, was mir selbst gefällt", erklärt die Designerin, die in Almaty, ehemalige Hauptstadt von Kasachstan, Modedesign studierte und sich damit ihren Kindheitstraum erfüllte. Doch statt anschließend selbstständig Mode zu kreieren, arbeitete sie in einer Bekleidungsfabrik. Andere Jobs gab es für Modedesigner damals in ihrer Heimat nicht. Sie studierte ein zweites Mal, diesmal Germanistik, und arbeitete in Almaty im Lufthansa-Büro. Auf diesem Weg kam sie Anfang der Nullerjahre nach Deutschland.

„In Port d'Andratx tragen die Frauen auch tagsüber schöne, feminine Kleider", sagt Elvira Kirsch, die mehrmals im Südwesten Mallorcas Urlaub machte und sich auf Anhieb dort wohlfühlte. „Meine Kreationen", findet sie, „passen wunderbar auf die Insel." Ihr Stil ist klassisch, elegant und feminin. Jedes Stück ist ein Unikat und besitzt ein besonderes Detail. Es muss perfekt sitzen, jahrelang tragbar und bequem sein.

Auf eine bestimmte Richtung will sich die Designerin nicht festlegen, denn sie liebt die Abwechslung und die vielen unterschiedlichen Kunden. Für junge Frauen entwirft sie Sixties und Cocktailkleider, für festliche Events lange Abendroben mit Swarovski-Steinen. Genauso gerne schneidert sie auch sportliche Röcke (ab 100 Euro), elegante Blusen (ab 80 Euro) und Kurzmäntel (ab 600 Euro) für jeden Tag. Gute Stoffe sind ihr wichtig, sie arbeitet nur mit natürlichen Materialien wie Seide, Baumwolle, Viskose, Kaschmir und Leinen und kombiniert diese auf ungewöhnliche Weise miteinander. „Man kann für eigene Ideen keine fertigen Sachen finden", erklärt die Designerin, die Gürtel für Kleider und Mäntel selbst anfertigt und aus Stoffen Fäden zieht, um daraus geflochtene Borten oder Fransen zur Verzierung anzufertigen. Jedes Stück ist genau überlegt, und jedes Detail muss stimmen.

Ein Elvira-Kirsch-Kleid kostet ab 300 Euro, je nach Stoff, Futter, Verzierungen und Arbeitszeit. Ein langes Kleid aus Seidenchiffon und mit Swarovski-Steinen kostet rund 1.000 Euro. In ihrem Atelier in Port d'Andratx verkauft sie auch Prêt-à-porter-Entwürfe zu 20 Prozent günstigeren Preisen. Ihre Kundinnen sind selbstbewusste Frauen, einige wissen genau, was sie wollen, viele berät sie hinsichtlich Figur und Typ.

„Ich will zuerst den Laden auf die Beine bringen, bevor ich Zeit habe, baden zu gehen", witzelt die 48-jährige, die sehr genau weiß, dass Erfolg viel Arbeit bedeutet. Statt im Café zu sitzen oder auf Partys zu gehen, würde sie kreieren, das sei schon immer so gewesen, sagt Elvira Kirsch, die manchmal fast im Atelier übernachtet. Sie liebt italienische Spitze, gerade arbeitet sie an einem Cocktailkleid, für das sie Spitzenblüte für Spitzenblüte ausschneidet und per Hand auf einen Netzstoff aufnäht. „Das dauert Ewigkeiten", sagt sie. Das Netz ist auf dem Körper unsichtbar, es sieht aus, als würde man die Spitze direkt auf der Haut tragen.

Elvira Kirsch testet jedes Stück an sich selbst, läuft damit im Atelier herum, prüft, wie es sich auf der Haut anfühlt, ob es wirklich bequem ist, ob sie Falten oder einen Schlitz einarbeiten muss. „Ich bin nicht auf Eilverkäufe aus", sagt sie, „meine Kunden kommen und bleiben, da kann ich mir keine Fehler erlauben." Die jahrelange Erfahrung gibt ihr die Sicherheit, dass es mit ihrem Atelier überall etwas wird. Denn Frauen möchten sich schön anziehen und besonders fühlen, unabhängig von Land und Nationalität. Ob sich das Spitzenkleid verkauft, weiß sie nicht. Es sei ihr auch nicht so wichtig: „Auch ein Maler, der ein Bild malt, denkt in dem Moment nicht an den Verkauf."

Anfang Oktober plant sie eine Eröffnungsfeier in ihrem neuen Atelier, für ihren neuen Flyer sucht sie noch Models. In Frankfurt veranstaltete sie Mini-Modeschauen auf kulturellen Events, das möchte sie auch auf Mallorca machen, um bekannt zu werden. In Frankfurt hat Elvira Kirsch auch viel Brautmode entworfen, in Port d' Andratx möchte sie gucken, wie es sich entwickelt. „Ich bin für niemanden eine Konkurrenz", glaubt die Designerin, „denn diese Handarbeiten will ehrlich gesagt niemand machen. Ich habe Zeit dafür."

Elvira Kirsch Couture, Plaza Nova 1, Local 20, Port d'Andratx, Tel.: 602-92 53 33, www.elvirakirsch.com

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