29. September 2018
29.09.2018

Hier wird auf Mallorca an der Zukunft gearbeitet

Der große Tag für den Parc Bit naht: Noch vor Ende des Jahres soll der Complex Científic seinen Betrieb aufnehmen - ein Brutkasten für Unternehmen aus dem Bereich Biotechnologie. Auch Institute der Universität werden dort untergebracht

29.09.2018 | 01:00
Hier soll künftig das gebündelte Wissen der Biotechnologie auf den Balearen sitzen: der Ostteil des Complex Cientific im Parc Bit.

Immer wieder war in der Vergangenheit die Rede vom Wissenschaftsstandort Mallorca, vor allem im Zusammenhang mit dem Parc Bit, der incubadora, also dem Brutkasten des Wissens. Der Technologiepark ein paar Kilometer nördlich von Palma ist kurz davor, seine Position als Think Tank der Insel zu untermauern. Wohl noch in diesem Jahr nimmt ein Zentrum für Biotechnologie seine Arbeit auf. Acht Jahre sind seit der Grundsteinlegung des sogenannten Complex Científic vergangen. Und endlich, nach Jahren des Baustopps erst wegen der Wirtschaftskrise, dann aufgrund von Vertragsstreitigkeiten mit der ausführenden Baufirma, kann der Generaldirektor der Abteilung Innovation und Forschung der Balearen-Regierung, Josep Lluís Pons Hinojosa, Vollzug verkünden.

„Es muss nur noch die Elektrik eingerichtet werden, wir wollen ein paar Möbel aufstellen, und dann können die ersten Institute und Firmen einziehen", erzählt Pons beim Besuch der MZ auf dem noch von Bauzäunen umgebenen Gelände des Complex Científic. Zwei große schwarze Gebäude stehen dort zwischen den Straßen Blaise Pascal, Thomas Edison und Ada Byron. Der Bau auf der Westseite ist in sechs Module unterteilt, der andere in vier. Insgesamt umfasst der Complex Científic knapp 10.500 Quadratmeter. Die Baukosten betrugen knapp zehn Millionen Euro, mitfinanziert vom spanischen Staat und der Europäischen Union.

Die Westseite ist für Unternehmen aus der Biotechnologie-Branche reserviert. Feste Mieter gibt es hier noch nicht. „Ich wollte noch keine Verträge machen, bevor das Zentrum eröffnet ist", erläutert Pons. Interessenten, ja die gebe es, und nicht zu knapp. Zu einer ersten Besichtigung des Komplexes waren Vertreter von zehn Biotechnologie-Firmen gekommen. Und alle seien sehr angetan gewesen.

Es gehe nicht nur darum, das Know-how der Insel zu bündeln, sondern auch Talent vom Festland sowie aus dem Ausland anzulocken. „Wir brauchen mehr Forscher auf den Balearen", sagt Pons. Vorbild sind zwei Stiftungen auf dem spanischen Festland, das Icrea in Katalonien und das Ikerbasque im Baskenland – zwei Initiativen, die mit öffentlichen Geldern talentierte Forscher anlocken. Nicht umsonst hat sich Katalonien in den 15 Jahren, in denen Icrea nun existiert, zu einer guten Adresse in Sachen Wissenschaft gemacht. Nach der Schweiz, Israel und Holland rangiert Katalonien nach Angaben der Zeitung „La Vanguardia" auf Platz vier im europaweiten Vergleich, wenn es darum geht, wie viel Geld die Regionen für ihre Forschung vom Europäischen Forschungsrat anwerben können.

Für die Biotechnologie-Unternehmen stehen im Complex Científic drei Module zur Verfügung, in denen Dutzende Büroräume eingerichtet werden können – je nach Größe der Firma. Der Austausch von Wissen soll ein zentraler Aspekt der Arbeit werden. Neu gegründete Unternehmen und bereits am Markt etablierte Firmen sollen in Dialog treten und voneinander lernen, so stellt sich das Pons vor.

Im Zentrum des Westflügels befindet sich ein Modul, das für alle nutzbar ist. Entstehen wird dort unter anderem eine Bibliothek, in der die Firmen ihre Literatur einstellen und damit auch den anderen zugänglich machen sollen. Die beiden anderen Module sollen für Forschungszwecke genutzt werden. Dafür stehen unter anderem 15 Laboratorien zur Verfügung. Zwölf Dunkelkammern, die bis auf Minus 80 Grad gekühlt werden können, vervollständigen das Angebot. „Hier können die Unternehmen unter anderem Zellkulturen anlegen", sagt Pons, der selbst aus der Forschung kommt. Nachdem der in Frankfurt am Main geborene Mallorquiner – seine Eltern, beide Spanier, arbeiteten dort und lernten sich so kennen – zunächst Tourismus studierte, als Bankdirektor arbeitete und dann einen Cluster der Biotechnologie auf Mallorca gründete, ist er in der Forschung hängen geblieben. „Ein faszinierendes Umfeld", findet er.

Vielleicht nimmt er sich auch deshalb über eineinhalb Stunden Zeit, um der MZ in aller Ausführlichkeit den neuen Gebäudekomplex zu erklären. Wir dürfen den schwarzen Bauten sogar aufs Dach steigen, das übrigens von Grünpflanzen bewachsen ist. Die begrünten Dächer sollen dazu beitragen, dass sich die Gebäude nicht so stark aufheizen und der Stromverbrauch niedrig bleibt. Insgesamt wurde bei der Konzeption der Anlage darauf geachtet, dass möglichst wenig Energie verbraucht wird. Nachhaltig ist auch das Parkplatzkonzept: Gerade mal zwölf Stellplätze sind in der Garage angelegt worden, um die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder des Rades zu fördern. Ist der Komplex erst einmal in Betrieb, soll es dann auch für den Parc Bit ein Car-Sharing-Konzept geben. Eine App dafür ist bereits programmiert.

Unter dem zentralen Platz in der Mitte des Komplexes, der Ágora de las Ciencias, geht es hinüber ins andere Gebäude, in dem mehrere Forschungsinstitute der Balearen-Universität ihren Sitz bekommen werden. Das steht bereits fest. Eines der Module auf der Ostseite trägt eine weiße Kuppel auf dem Dach. Die Vorrichtung ist für ein Teleskop gedacht, die Kuppel ist drehbar. Hier wird das IAC3 untergebracht. Das ist das Institut jener Astrophysiker, die bei der Entdeckung der Gravitationswellen mitgeholfen hatten, wofür die US-Forscher Rainer Weiss, Barry Barish und Kip Thorne im Jahr 2017 den Nobelpreis erhielten. Auch das Institut für Komplexe Systeme IFISC und ein Ableger des spanischen Meeresforschungsinstituts sollen auf der Ostseite des Komplexes unterkommen.

Der Rundgang mit Pons endet in einer Art Garage. „Hier sollte eigentlich ein Labor für Tierversuche eingerichtet werden", sagt Pons. Allerdings gebe es auf der Insel bereits zwei solcher Anstalten – in der Balearen-Universität und im Landeskrankenhaus von Son Espases. „Da haben wir beschlossen, dass man sich das Geld sparen kann."

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