30. Oktober 2018
30.10.2018

Strahlendes Design vom Hinterhof auf Mallorca

Bei den handgefertigten Leuchten und Möbeln von Contain spielen Glas, Messing und Terrazzo eine große Rolle

30.10.2018 | 01:00
Juan Peralta und Mauricio Obarrio mit einigen ihrer Leuchten.

Der Tisch Connector könnte bald in aller Welt stehen. Zur Selbstmontage in Einzelstücke in einem flachen Karton verpackt, war er der Verkaufsrenner auf der London Design Fair Ende September. Dorthin hatte die Balearische Handelskammer elf Designer und Kunsthandwerker von Mallorca eingeladen, ihre Stücke zu präsentieren. Mit dabei waren auch Mauricio Obarrio (33) und Juan Peralta (32), zwei Argentinier, die seit zweieinhalb Jahren in Palma de Mallorca leben. In ihrer Wohnung mit Atelier in einem Hinterhof im Carrer Sant Feliu entwerfen sie Leuchten aus Glas, Messing und Terrazzo – nummerierte Einzelstücke, die sie mit den Glasmanufakturen Gordiola und Menestralia anfertigen. Zu ihrer Möbelkollektion Connector gehören Tische und Regale in verschiedenen Größen, die Steinplatten lassen sie von dem mallorquinischen Fliesen-Fabrikanten Huguet in Campos anfertigen. „Für beide Kooperationen bedurfte es Ausdauer und viel Überzeugungsarbeit", erinnert sich Juan Peralta, der in Argentinien als Werbefachmann arbeitete.

2016 zog das Paar von Buenos Aires nach Mallorca, die Insel erschien ihnen perfekt, um ihre Marke Contain aufzubauen. Der Name drückt aus, was sie für Mallorca empfinden: „Ein Ort, der uns trägt und wo wir uns sicher fühlen", erklärt Mauricio Obarrio, der Industriedesign mit Schwerpunkt Beleuchtung in Buenos Aires studierte. Seine Karriere startete bereits während des Studiums: Für den chilenischen Unternehmer, Designer und Restaurantbesitzer Juan Santa Cruz entwarf er die Beleuchtung für dessen Isabel Bar in Buenos Aires (er erhielt dafür einen Design-Preis). Später folgten Aufträge für die Veuve Clicquot Lounge im Algodón Mansion Hotel sowie für das Art Deco Hotel Miami. Im vergangenen Jahr absolvierte Obarrio auf Mallorca einen einjährigen Masterstudiengang (Diseño e Intervención en Espacios Turísticos y Hoteleros), um sich auf die Ausstattung touristischer Orte und Hotels zu spezialisieren.

Für seine erste Insel-Kollektion experimentierte das Paar mit lokalen Materialien wie Fliesen, Glas und Ton. Das Ziel war, diese Materialien durch Design und Technologie zu veredeln, um daraus ganz Neues zu schaffen. Mit Huguet entwarfen sie eine Tischplatte und reduzierten das traditionelle Fliesendesign auf eine schlichtere, modernere Variante. Ton schied für ihre Möbelkollektion aus, „zu unrentabel", sagt Mauricio Obarrio, denn bei der Herstellung großer Platten fällt viel Abfall an. Auch bei den großen Glasarbeiten von Gordiola gehen von 30 Exemplaren im Schnitt fünf zu Bruch. Doch die Bruchstücke können anschließend eingeschmolzen und für die nächste Leuchte wiederverwendet werden.

Für die Leuchten kommen neben Glas, Messing, Nickel und Chrom zum Einsatz. Das Gehäuse für die elektromechanischen Innenteile fertigen sie auf 3-D-Druckern im Atelier an, aus einem thermoplastischen Biokunststoff aus Zuckerrohr, der sich bei Hitzeeinwirkung verflüssigt. Eine typische Contain-Lampe erkennt man an der puristischen Form mit Einflüssen aus dem Art-déco-Stil. Das günstigste Modell ist die Wandleuchte Núvol für 100 Euro, als Tischlampe mit einem Fuß aus Terrazzo kostet sie 180 Euro. Bei der Deckenlampe Globo kreist eine farbige Glasscheibe um eine Messingstruktur, die Deckenlampe Modular (3.500 Euro) erinnert an schwebende Mikado-Stäbe. Die Elektrizität wird durch die Messingstruktur übertragen, die Leuchtkörper sind Kugeln aus Kristall oder Opal mit LEDs. Auf Wunsch wird zu jeder Wand- und Deckenlampe ein zur Umgebung passendes Schalterboard aus Messing angefertigt.

Die eleganten Contain-Lampen leuchten bereits in einigen Anwesen der Insel, sie passen in alte Herrenhäuser genauso wie in die moderne Villa. Gerade stellen die Designer die Beleuchtung für ein Haus gegenüber der Kathedrale in Palma fertig, gleichzeitig sitzen sie an Plänen für die Beleuchtung des neuen Riu Hotel an der Plaza España in Madrid. „Die mallorquinischen Hotelbesitzer haben unsere Lampen in einem Privathaus in Génova gesehen und waren begeistert", erzählt Juan Peralta.

Die Idee, auch Tische und Regale zu entwerfen ist noch relativ neu, ein fünf Mal fünf Zentimeter großer Multistecker aus Metall sei daran schuld, erklärt Mauricio Obarrio. Mit diesem „genialen Stecker" lassen sich Platten und Gestelle von Tischen und Regalen auf vielfältige Weise montieren,

Seit dem Erfolg auf der Messe in London hätten sich die Follower auf ihrer Instagram-Seite vervielfacht, erzählt Juan Peralta. Interessante Kontakte aus aller Welt, die vielleicht schon bald einen Tisch oder eine Leuchte von Contain aus Mallorca ordern.

www.contain.es

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