27. November 2018
27.11.2018

Kompost auf Mallorca wie die Profis anlegen

Auf den Terrassen in Raixa lernen Menschen mit Behinderung, wie aus Unkraut, Schnittgut und Blättern Kompost wird. Vorbild ist die Zersetzung von organischer Materie auf den Waldböden. Die Leiter der Kurse Gori Lladó und Juan Manuel Vergara zeigen, wie es geht

27.11.2018 | 01:00
Juan Manuel Vergara (Mi.) erklärt den Kursteilnehmern in Raixa die richtige Zusammensetzung des Komposts.

Auf dem Landgut Raixa bestimmt der Herbst die Landschaft. Die Beete sind abgeerntet, die Kompostbehälter vollends gefüllt. Ihr Inhalt muss jetzt ein halbes Jahr lagern, dann wird er neuen Pflanzen kräftigen Anwachsschub verleihen. Nutzen werden ihn die Teilnehmer des für 2019 geplanten Landwirtschaft- und Gartenbau-Kurses für Menschen mit Behinderung.

Veranstalter der praktischen und theoretischen Fortbildung unterhalb der berühmten Gärten ist das Institut Mallorquí d'Afers Socials (IMAS). Es untersteht Mallorcas Inselrat, dem Raixa gehört. Holzkomposter stehen zur Verfügung. Sie sind nach einem Modell geschreinert, das ursprünglich von den Studenten der Balearen-Universität entwickelt worden ist. In ihnen ist für einen Kubikmeter organischer Materie Platz, die Maße betragen in Länge, Breite und Höhe ein Meter und fünf Zentimeter. Durch eine Klappe oben wird Schnittgut eingefüllt, durch die unten Kompost entnommen, beide sind mit Metallscharnieren befestigt. Die Behälter stehen im Schatten eines Kaki­baumes, er sorgt im Sommer für Kühle, die Klappen ebenso, zusätzlich wird der Inhalt während der Hitze befeuchtet.

„Unser Vorbild ist die natürliche Zersetzung organischer Materie auf den Wald­böden", sagt der Biologe Juan Manuel Vergara. Gemeinsam mit dem Agrartechniker Gori ­Lladó leitet er die Kurse in Raixa. Beide sind in ihrer Freizeit Imker und überzeugte Anhänger biologischen Anbaus, auch wenn sie den Teilnehmern der Raixa-Kurse auch die Basis des konventionellen Anbaus vermitteln.

Ihrer Meinung nach sollten in jedem Garten Abfälle zu Kompost verarbeitet werden. Mikroorganismen, Kleinstlebenwesen sowie Käfer und Regenwürmer sind für die Verwandlung der pflanzlichen Materie in die an Nährstoffen reiche, dunkle Erde verantwortlich. Für ihre Arbeit brauchen die Gartenhelfer ­Sauerstoff: Deshalb sollten Komposter unten offen sein und direkt auf der Erde stehen.


Zuerst kommt der Bambus

Da sich die Belüftung von unten auf die Zersetzung positiv auswirkt, empfiehlt sich zuunterst eine Schicht mit dickeren Ästen. Einen Vorrat dafür legten die Kursteilnehmer beim Bambus-Beschnitt an. Die Rohre lagern an einer Mauer unterhalb der Beete, trocknen nach und nach und kommen nächstes Jahr in die Komposter.

Die Umwandlung von organischer Materie zu Erde dürfe – so Lladó – nicht von schlechten Gerüchen begleitet sein. Wenn das Material vor sich hin faule, wäre etwas schiefgegangen. Deshalb füllte man in Raixa die Komposter mit Bedacht. Das anfallende Schnittgut wird in einer Höhe von fünf bis zehn Zentimetern eingefüllt. Dabei ist der Wechsel wichtig. Auf eine Schicht mit saftigem Unkraut muss eine mit trockenen Blättern folgen.

Das organische Material darf nur fingerdick und handbreit in den Behälter kommen. Dickere Äste müssen geschreddert werden. Je kleiner das Schnittgut ist, desto besser könnten die Lebewesen es attackieren und zersetzen. Haben die verschiedenen Schichten eine Höhe von 30 Zentimetern erreicht, so streuen die Kursteilnehmer fertigen Kompost aus einem anderen Behälter auf. „Dies wirkt wie der Sauerteig im Brot", sagt der Biologe.

Nicht auf den Kompost dürfen Küchenabfälle, die gekocht, gebraten oder gebacken sind. Sie verfaulen, statt sich zu zersetzen und ziehen obendrein noch Schädlinge wie etwa Ratten an. Auch die Schalen von Zitrusfrüchten und Bananen sind nur bedingt tauglich. Sie zersetzen sich besser, wenn sie zerkleinert sind.

Ein weiterer Kompost ist zwischen einer Steinmauer und Paletten sowie im Schatten eines Johannisbrotbaumes angelegt. Ihn nennt Lladó pila, was im Spanischen so viel wie „Haufen" bedeutet. Er dürfe maximal einen Meter hoch und breit, die Länge jedoch beliebig sein. Im Gegensatz zum Inhalt der Holzkomposter werden die Schichten hier mehrmals umgegraben. „In der ersten Phase herrschen hier 40 Grad, später 60, am Ende des Kompostierprozesses Umgebungstemperatur", erklärt der Agrartechniker.

Obenauf Johannisbrot

Obenauf liegt eine fünf Zentimeter dicke Schicht mit Johannisbrot. Ihr hoher Zuckergehalt, das haben die beiden Mallorquiner bei einer Weiterbildung erfahren, wirke sich positiv auf die Aktivierung der Mikroorganismen aus. Auch dieser Kompost wird im Sommer abgedeckt und bei der Hitze gelegentlich mit Gießwasser befeuchtet.

In der Nähe der Gewächshäuser lagert dunkle Erde. Sie lieferte die Kompostierungsanlage in Son Reus, die ebenfalls vom Inselrat Mallorcas betrieben wird. Große Maschinen verarbeiten dort das Schnittgut (poda) aus den Punt Verds der Recyclinghöfe zu Erde. Weil bei der Zersetzung keine Mikroorganismen im Spiel waren, kann diese Erde nicht Kompost genannt werden. In Raixa setzt man sie vor allem als Mulchschicht gegen Unkraut ein.

Lladó transportiert sie jetzt mit dem Traktoranhänger zum Parkplatz. Hier legen Kursteilnehmer Beete mit einheimischen Pflanzen an. Ihre Nachfolger werden im Februar 2019 den Kompost aus den Behältern und der pila schaufeln, ihn sieben und ihn dann mit Schubkarren zu den Beeten bringen, auf denen später das Sommergemüse wachsen wird.

Öffnungszeiten der Gärten von Raixa:
Dienstag bis Samstag: 10–15 Uhr

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