11. Dezember 2018
11.12.2018

Zwei brandheiße Tipps für Gin auf Mallorca

Diese beiden neuen Alkoholika schmecken nicht nur gut, sie können sich auch sehen lassen

11.12.2018 | 01:00
David Fajardo hat die Brennerei von einer Firma aus Deutschland gekauft.

Martina Zender

Die Zahl der Bodegas auf der Insel wächst kontinuierlich und Craft-Bier-Brauereien entstehen ständig mehr. Da bleibt es nicht aus, dass auch die Basis für den beliebtesten Drink – nämlich Gin Tonic – vermehrt nicht mehr vom Festland, von Menorca oder anderen Ländern kommen muss. In diesem Jahr sind gleich zwei neue Ginsorten auf Mallorca entstanden: Mercant Gin wird in Llubí produziert, und Palma Gin in Palma – die Produktionsstätte im Gewerbegebiet Son Castelló kann auch besichtigt werden.

Mercant Gin

Eigentlich war der Mallorquiner David Fajardo (36) erfolgreicher Grafikdesigner, arbeitete für große Firmen und Markenprodukte, variierte bestehendes Design oder schuf neues. Doch all das wurde ihm zu „trocken", er wollte mehr. Die Tatsache, dass er oft genug dabei war, wenn neue Produkte auf dem Markt lanciert wurden und er mitbekam, welche Anstrengungen dies erfordert – aber auch welche Erfüllung dies mit sich bringen kann, ließ in ihm den Plan reifen, selbst etwas zu kreieren. „Ich kann nicht kochen, daher kam nichts Essbares infrage. Bei Getränken erfordert Wein eine zu große Investition und Bier gibt es schon genügend, also kam ich auf Gin", so Fajardo. „Zudem fasziniert mich als Designer die Flasche als solches."

Mehr als anderthalb Jahre verbrachte er mit Lernen, wie man Gin macht, las Bücher, besuchte Kurse, sprach mit Experten und suchte die geeignete Flasche, die er in Frankreich fand. „Eigentlich ist es eine Cognacflasche." Hübsches Detail: das Etikett ist aus Holz und das Relief-Design erinnert an ein Boot, dass im Meer liegt – passend zum Namen, denn „Mercant" bedeutet Schiffsrumpf.

Gekauft wurde schließlich eine Brennerei von einer renommierten deutschen Firma (Ulrich Kothe Destillationstechnik) mit einer 140 Liter fassenden Kupferbrennblase mit Feinbrennerkolonne und vier Glockenböden, die nach Mallorca gebracht wurde. „Stefan Winterling von Gin Eva hat mir die Firma empfohlen, er hat ebenfalls von ihnen seine Brennerei". Nächster wichtiger Punkt: das Wasser. „Ein Gin ist nur so gut, wie das Wasser, mit dem man ihn streckt." Doch auch das wurde nach vielen Proben gefunden.

Und dann ging es ans Brennen. Ausprobiert wurden monatelang etwa 15 bis 20 verschiedene Rezepturen. Freunde spielten bereitwillig Testkaninchen und probierten jede Variante. Der Liebling ­aller wurde dann wiederum nochmals modifiziert, bis schließlich der heutige Gin entstand, bei dem es Fajardo wichtig war, „dass er sich ein wenig abhebt von anderen Gins und eine individuelle Persönlichkeit hat." Deshalb verrät er auch nicht alle Ingredienzen, aber er beinhaltet neben dem Basisalkohol und Wacholderbeeren auch Koriander-Samen, Lakritz, Zimt, Orange und Engelwurz.

Der 42-prozentige Gin schmeckt weich, sehr aromatisch, aber auch anders als andere – eine schöne Bereicherung auf dem Ginmarkt und mit etwa 28 Euro auch nicht allzu teuer. Aktuell ist ein zweiter Gin in Vorbereitung. Der soll ein wenig klassischer ­werden und mit mehr Zitrusaromen versetzt werden.

Palma Gin

Eine Halle im Polígono Castelló (neben Jaguar). Dort werkeln der 32-jährige Byron Holland aus Newscastle und sein 25-jähriger Brennmeister James Gibbons aus Kent an ihrem Gin. Eigentlich hat Holland Schifffahrt gelernt und seinen Yachtmaster für Boote bis 25 Meter Länge vor Jahren gemacht. In seinem Heimatort lernte er seine Frau Amber kennen, die dort Business-Management studierte. „Ich versprach ihr, die Welt mit ihr zu umsegeln." Die beiden waren einige Jahre unterwegs, in denen sie auf unterschiedlichen Schiffen anheuerten. Eines brachte sie nach Mallorca. „Es war Liebe auf den ersten Blick".

Trotzdem gingen sie zunächst nach Edinburgh und eröffneten dort ein Restaurant, wo sie mitbekamen, wie die Craft-Bier und die Gin-Szene boomte. Die Wärme trieb sie schließlich doch nach Mallorca, wo sie vor drei Jahren ankamen. Fast zwei Jahre bastelten sie an ihrer Marke, bei der der Name „Palma Gin" schnell feststand. Seit September ist er auf dem Markt. Auch hier spielt das Flaschendesign eine wichtige Rolle. Es gibt kein normales Etikett, sondern das Design ist integriert in die Flasche: Fliesenmuster der Traditionsfirma Huguet aus Campos in Kombination mit einer Rosette in Anlehnung an die berühmte Rosette der Kathedrale. „Es sollte sehr mallorquin sein, aber so eine Flasche ist schon leer teurer als andere." Der Preis einer gefüllten Flasche: 44 Euro.

Die Hälfte der aktuell verwendeten 14 Bio-Gewürze und Pflanzen kommen von der Insel, werden zum Teil selbst gesammelt wie die Wacholderbeeren. „Wir wollen für die Zukunft weitere Bauern finden, die auch den Rest für uns anpflanzen, sodass wir hundertprozentig mallorquin werden", sagt Gibbons. Zumindest bis auf den Bio-Basis-Alkohol, denn der stammt aus Schweden und wird dort von einem weltweit anerkannten Experten namens Henric Molin in seiner Spirit of Hven Distillery auf der Insel Hven gebrannt. „Er hat uns auch bei den Rezepturen beraten und vier mit und für uns kreiert. Daraus haben wir dann unseren Palma Gin weiterentwickelt", so Holland.

Sie bieten auch Führungen durch ihre Brennerei an (eine Stunde für 15 Euro inklusive Verkostung), oder man kann einen dreistündigen Workshop buchen, bei dem man sich seinen Gin selbst mixt (120 Euro inklusive Verkostung, eine Flasche des selbst gemischten Gins und einer Flasche Palma Gin).

Für die Weihnachtszeit haben sie einen neuen Gin kreiert, sie haben ihm Zimt, Nelken und Vanille beigemischt und einen Monat in alten Rotweinfässern gelagert. Probieren und kaufen kann man beide Ginsorten auch auf dem Weihnachtsmarkt im Pueblo Español (5.–9.12.).

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