18. Dezember 2018
18.12.2018

Wilde Schönheit auf Mallorca kunstvoll gebändigt

Bei Tinons entstehen florale Kreationen, wie man sie hierzulande nur schwer findet. Blumendesignerin Cerdà bindet Sträuße nach britischer Farb- und Formenkunst

18.12.2018 | 01:00
Joana Maria Cerdà mit einer Blumenkreation in ihrem Geschäft in Sencelles.

Als wir Joana Maria Cerdà (40) in ihrer Blumenwerkstatt in Sencelles auf Mallorca besuchen, arbeitet sie mit Hochdruck für ein Christmas-Pop-up, das am Samstag (8.12.) im Concept Store Oma in Santa Catalina in Palma stattfindet. Dann wird eine Ecke im Laden weihnachtlich dekoriert mit Blumenkränzen aus Eukalyptus, Lorbeeren, Oliven sowie Zweigen von Weinreben, getrockneten Zitrusfrüchten und Glaskugeln. Die Kränze bilden den Hintergrund für Fotos, die Katta Tubio von Besuchern im Laden macht und die als besondere Weihnachtskarte an die Familie verschickt werden können.

Zweige und Hölzer für Gestecke und Kränze findet Joana Maria im eigenen Garten sowie am Wegesrand in der Natur von Eichen-, Kastanien-, Johannisbrot- und Mandelbäumen. Diese kombiniert sie mit farbigen Blättern und edlen Blumen wie verschiedenen Rosen in Weiß, Rosa und Apricot zu einem kunstvollen Still­leben. Auch Nelken, Tulpen und Hortensien kommen zum Einsatz, sie reisen wie die Duft­rosen auch per Kurier aus Holland an, manchmal auch aus Frankreich und England.

Drei Jahre ist es her, dass die Mallorquinerin einen kleinen Raum ihres Dorfhauses in den Blumenladen Tinons verwandelte. Damals hatte sie ihren Job im Tourismusministerium verloren und war arbeitslos. Sie besann sich auf ihre Vorliebe für schöne Blumensträuße, die ihre Mutter ihr schon als Kind nahe gebracht hatte. „Zusammen streiften wir oft stundenlang durch die Natur und sammelten alles, was uns nützlich erschien, Zweige, Zapfen, Beeren und Blätter", erinnert sich Joana Maria, die ihren Blumenladen nach ihrer Mutter Tinon benannte. In Palma besuchte sie erste Kurse von der Escola d'Art Floral Catalana und lernte in Madrid an der Schule von Sally Hambleton. Die Britin wurde zu ihrer „Mentorin und Muse", wie sie sagt.

Es folgte ein Kurs an der British Flower School de Jay Archer in London, und Maria Joana entwickelte so etwas wie eine florale Corporate Identity. Ihren Blumenstil beschreibt sie als wild, bunt und überraschende Mischung aus elegant und natürlich. Im nächsten Frühjahr geht es zu einem Floristenkurs nach Glasgow, auch wenn das Auftragsbuch für 2019 ­bereits gut gefüllt ist. „Ich möchte auch persönlich wachsen, neue Menschen und neue Stilrichtungen kennenlernen", sagt die Floristin, die sich auch auf Instagram über die neuesten Blumentrends informiert.
Im Laden verkauft sie nur Blumen, die sie im Garten selbst anpflanzt, im Herbst etwa Dahlien und Chrysanthemen, dazu Topfblumen, Zweige und Dekorationen wie aktuell weihnachtliche Türanhänger aus Nadelzweigen, Zapfen und Beeren. Edle Schnittblumen gibt es nur auf Bestellung, Blumensträuße und Tischgestecke (20 Euro bis 100 Euro) gibt man am besten eine Woche vorher telefonisch in Auftrag. Giftige Schwämme für Gestecke werden bei Tinons nicht benutzt, stattdessen kommen Geflechte aus natürlichen Materialien zum Einsatz.

Auch für Hochzeiten und größere Feste bestellt sie die Blumen eine Woche vorab und lagert sie nach Ankunft im Kühlschrank. Zwei Tage vor dem Event dürfen sich die Blüten bei Zimmertemperatur langsam entfalten, manchmal hilft die Floristin nach und öffnet die Blütenblätter vorsichtig mit den Händen. Am Tag der Hochzeit sind die Blumen dann im perfekten Zustand. Am liebsten arbeitet sie zudem mit natürlichen Materialien vor Ort und benutzt Blumen, Äste und Gräser der Finca, wo die Hochzeit stattfindet. Im Sommer bindet sie beispielsweise duftende Blütenzweige in die Haarkränze der Bräute.

Wünsche der Kunden setzt sie gern um, wenn sie zu ihrer Linie passen. Tischgestecke in Marmeladengläsern gehören nicht dazu. Manchmal kommt eine Braut auch mit einem Pinterest-Foto von einem Hochzeitsstrauß oder einem Kopfkranz zu ihr. Dann erklärt Joana Maria, dass sie nichts kopiert und es viel spannender findet, etwas Einzigartiges für ihre Kundin zu entwerfen, damit anschließend deren Brautstrauß von anderen kopiert wird.

Inzwischen ist der Laden an Fläche gewachsen, es gibt eine Werkstatt zum Blumenbinden, Joana Maria beschäftigt vier Mitarbeiter, für Hochzeiten und große Feiern engagiert sie zusätzlich Freie. Blumenliebhaber kommen für ihre floralen Kreationen extra aus Pollença angefahren. Außerdem bietet sie ihre Blumenkränze bei Oma in Santa Catalina sowie im Einrichtungsladen Bazaar in Palma an und arbeitet mit Luxushotels wie Sant Francesc, Belmond La Residencia und Can Simoneta zusammen. Ihren Erfolg beschreibt sie mit „ich suche nicht, ich bin offen und wenn du gut arbeitest, wirst du gesehen". Und warum nicht den Sprung in die Metropole wagen und Sencelles gegen einen kreativeren Ort eintauschen? „Die interessanten Kunden kommen zu mir", sagt Joana Maria, „und es werden jedes Jahr mehr."

Ihr neuestes Projekt hat die Floristin vor ein paar Tagen zusammen mit Fotografin ­Katta Tubio gestartet, es ist eine Online-Agentur mit Anbietern für Hochzeiten auf Mallorca, darunter Stylisten, Brautmodedesigner und Tischausstatter. „Ich habe von Kunden immer wieder gehört, wie schwierig es ist, exklusive Hochzeitsanbieter auf Mallorca zu finden", erklärt Joana Maria ihre jüngste Idee. Wenn dieser Geschäftszweig nun auch noch ins Rollen kommt, wird die zweifache Mutter wohl ­weiter expandieren können.

Blumenkunst
Tinons, C/. des Bons Aires, 51B, ­Sencelles, Tel.: 659 80 44 92,
geöffnet Di.–Fr. 10–13 und 16.30–19.30 Uhr, Sa.–So. 10–13 Uhr.
www.tinonsfloraldesigner.com

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