12. Januar 2019
12.01.2019

Toni Martorell hat auf Mallorca traditionelle Herrensalons abgelichtet

Einige der Salons aus dem Bildband "Barberías" sind bereits aus Palma de Mallorcas Stadtbild verschwunden

12.01.2019 | 01:00

Ein Friseur, der mit seinem rechten nach vorne ausgestreckten Arm einen Föhn nach oben hält, als wäre es eine Pistole, und dabei grimmig schaut, ein kleiner Junge, der die Augen zukneift, während der Barbier ihm den Pony stutzt, ein Kunde, der mit aufgetragenem Rasierschaum zurückgelehnt auf einem Sessel liegt, während im Hintergrund zwei andere Zeitung lesen. Schon vor 16 Jahren hat der mallorquinische Fotograf Toni Martorell diese Szenen beobachtet. Seinen Streifzug durch 14 der damals in Palma de Mallorca noch bestehenden Herrensalons hat er nun in dem Bildband "Barberías" veröffentlicht.

Martorell hatte sich Anfang der Tausenderjahre vorgenommen, mit seiner Kamera ein spezifisches historisches Gewerbe zu porträtieren. Den Ausschlag dafür, dass es die Barbiers wurden, gab der Gebrüder-Coen-Film "Der unauffällige Mr. Crane". Der Protagonist Ed Crane arbeitet darin Ende der 40er-Jahre im Salon seines Schwagers in einer kalifornischen Kleinstadt. "Es war weniger die Handlung, sondern eher die Ästhetik dieses Schwarz-Weiß-Films in Kombination mit der Arbeit der Barbiers, die mich inspirierte", sagt Martorell. "Außerdem kannte ich noch keine Fotobände zu Herrenfriseursalons", erzählt der 55-Jährige. Er machte sich an die Arbeit.

Um die letztlich ausgewählten 60 Schwarz-Weiß-Fotografien in einem Buch zu veröffentlichen, fehlte ihm dann allerdings das Geld. "Heute ist die Herstellung etwas günstiger, und da der Inselrat das Projekt zur Hälfte subventioniert hat, konnte ich es mir nun leisten", sagt Martorell, der in den vergangenen Jahren für Immobilienagenturen gearbeitet sowie Fotografiekurse gegeben hat.

In etwa fünf der porträtierten Salons bekam Toni Martorell als Kind selbst noch die Haare geschnitten. Mittlerweile sind weit über die Hälfte dieser traditionellen barberías geschlossen – weil die Besitzer in Rente gegangen, umgezogen oder verstorben sind. Serafín, Salom, Can Toni, Manolo Joan, Diego, La Paz, Bar Español, Pep Aloy, Amorós – die Liste ist lang.

Noch verblieben sind in Palma de Mallorca lediglich die Salons Rodríguez (Carrer d'Antoni Frontera), Martínez (Carrer d'Aragó), Temple (Carrer del Temple) und Moll (Carrer d'Estade), wobei im Falle von Joan Moll der Rentenantritt ebenfalls kurz bevorsteht.

"Wer diese Salons betritt, begibt sich in eine Zeitmaschine und reist 30 oder 40 Jahre zurück", sagt Toni Martorell. Die in den vergangenen Jahren eröffneten Barbershops für trendbewusste Bartträger wirkten im Vergleich dazu oft wie ein billiger, steriler Abklatsch. Auch die Kunst, mit Schere und Klinge zu hantieren, beherrschten in Zeiten der Haarschneidemaschinen nur noch die wenigsten.

Fotografiert hat Toni Martorell mit einer analogen Hasselblad, deren Bedienbarkeit und Schnelligkeit er schätzt. Im hinteren Teil des Buches findet sich ein kurzer Text auf Deutsch des Herausgebers Xisco Bonnín. Martorell spiegele in seinen Bildern eine Atmosphäre wider, "in der der Haarschnitt oder die Rasur zu einem Ritual geworden sind, das treue Kunden regelmäßig pflegen", heißt es darin.

Der Bildband kostet 25 Euro und ist in fast allen Buchhandlungen der Insel, u.a. bei El Corte Inglés, Quars (Carrer de les Parellades, 12) und Babel (Carrer Arabí, 3) in Palma de Mallorca erhältlich.

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