21. März 2019
21.03.2019

So haben sich Mallorcas Wälder in den vergangenen 270 Jahren entwickelt

Warum im 18. Jahrhundert ein Mann alleine vier Jahre lang die Bäume der Insel gezählt hat

21.03.2019 | 01:00
Im 18. Jahrhundert hat ein Spanier vier Jahre lange alle Bäume Mallorcas gezählt.

Pedro de Hardeñana hatte einen eintönigen Job, als er Mitte des 18. Jahrhunderts nach Mallorca geschickt wurde. Seine Mission: Bäume zählen. Kiefer für Kiefer, Steineiche für Steineiche.

Don Pedro sollte vier Jahre dafür benötigen. Seine offizielle Bilanz im Jahre 1745: Auf Mallorca wachsen 4.708.447 Kiefern und 2.376.332 Steineichen. Die 216 Eschen, 150 Pappeln und zwei Kastanienbäume fielen nicht weiter ins Gewicht. Den Zähl-Marathon hatte der Spanier nicht für eine Umweltstudie auf sich genommen, sondern im Auftrag der spanischen Zentralregierung. Sie wollte Aufschluss haben über das militärische Potenzial Mallorcas. Denn je mehr Bäume, desto mehr Schiffe, und je mehr Schiffe, desto größer die Siegeschancen in einer Schlacht.

Dann wurde kräftig abgeholzt. Als 136 Jahre später Erzherzog Ludwig Salvator seine Berechnungen über den Baumbestand auf der Insel abschloss, waren nur noch 2,1 Millionen Bäume übrig, weit weniger als die Hälfte. Der adlige Forscher aus Österreich zählte nicht mehr einzeln durch, sondern errechnete die Baumdichte von Waldstücken. Das Ergebnis hielt Salvator in seinem berühmten Werk „Die Balearen geschildert in Wort und Bild" im Jahre 1881 fest.

Heute profitiert man von der damaligen Zählwut. Die Forstschutzbehörde im balearischen Umweltministerium kann so einen Vergleich zum heutigen Waldbewuchs herstellen. Und dieser liest sich sehr positiv: Die Zahl der Bäume auf den Balearen hat sich allein in den vergangenen 40 Jahren auf rund 62 Millionen verfünffacht. Wälder bedecken wieder 186.000 Hektar auf dem Archipel, 80.000 mehr als vor 40 Jahren. Der Baumbestand ist dichter, die Pflanzen jünger.

Auch wenn in den vergangenen Jahrzehnten Urbanisationen wuchsen, Waldbrände tobten oder Schädlinge die Bäume heimsuchten – Mallorcas Wald hat heute weniger Feinde als früher. Holzwirtschaft spielt praktisch keine Rolle mehr, die Bäume werden weder zum Bau von Schiffen, noch zur Herstellung von Holzkohle, noch zum Brotbacken gebraucht. Das Geld bringt stattdessen der Tourismus bei.

Heute liefern statistische Methoden exakte Zahlen – Parzellen aller Ausprägungen werden per Zufall ausgewählt, die Zahlen anschließend hochgerechnet.

Dieser Text wurde in großen Teilen bereits im Oktober 2008 in der MZ-Print-Ausgabe veröffentlicht.

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