01. April 2019
01.04.2019

Solarbootbauer: "Wir wollen ein Zeichen setzen"

Ein Katalane und ein Schweizer zimmern in Portocolom ein zwölf Meter langes Solarboot, das schon bald verchartert wird. Alles in Handarbeit und fast nur mit nachhaltigen Baustoffen

01.04.2019 | 01:00
Marc Balaguer (li.) und Mark Wüst vor dem Rumpf ihres Solarboots. Noch vor dem Sommer wollen sie es zu Wasser lassen.

Eine Bootshalle in Portocolom. Schleifgeräusche dringen bis auf den Gehweg. Wer dem Arbeitslärm durch das offene Tor über einen Hof folgt, steht unvermittelt vor einem zwölf Meter langen und 2,50 Meter schlanken Schiffsrumpf aus rotem Zedern-Holz. Ein junger Mann mit Staubmaske führt eine Poliermaschine über den Bug, es ist Marc Balaguer.

Der 35-jährige Schiffsbauer aus Barcelona hat vor vier Jahren in Portocolom seine eigene Werkstatt für Holzboote eröffnet, die Carpintería Naval Mallorca. Bei der Boat Show 2018 in Palma hat er sein erstes selbst gebautes Elektro-Boot vorgestellt – ebenfalls aus Holz gefertigt –, aber viel kleiner als das Vorhaben, das er zusammen mit Mark Wüst auf die Stützpfeiler gestellt hat. Die beiden bauen das erste wirklich große Solarboot made in Mallorca, das Platz für bis zu zwölf Passagiere bietet, verchartert oder auch verkauft werden soll. Seit September sägen, hämmern und feilen sie an dem Muster-Exemplar. Gegen Ende des Frühjahres wollen sie es zu Wasser lassen.

Ein Umdenken findet statt

Kennengelernt haben sich die beiden auf der Boat Show vor einem Jahr. „Ich habe nach einem hiesigen Schiffsbauer gesucht, der sich von dem Konzept begeistern lassen würde, hauptsächlich nachhaltige Baustoffe zu verwenden", sagt Mark Wüst. Der 59 Jahre alte Schweizer ist seit den 70er-Jahren regelmäßig auf Mallorca. Auf der Insel finde gerade ein Umdenken in Sachen Solarenergie statt, und er sei da ein Überzeugungstäter. „Seit 25 Jahren baue ich Solarboote", sagt der gelernte Maschinenzeichner. 2007 hat er mit einer Crew als Erster den Atlantik mit dem von ihm konstruierten Solar-Katamaran „Sun21" überquert. Das sorgte für volle Auftragsbücher.

In den Jahren danach sei das Interesse eingeschlafen, erst jetzt erwache es wieder. „Knackpunkt sind immer die Batterien, aber die heutigen Lithium-Akkus halten lange." Bei 6 Knoten (11 km/h) können man mit seinem Schiff acht Stunden fahren. Scheint dazu die Sonne, seien es 10 Stunden. Dafür müssen die Schiffe entsprechend schnittig und leicht sein. Die Lebensdauer der Batterien liege bei fünf bis zehn Jahren. „Es gibt eine Firma in Deutschland, die sie recycelt", sagt Mark Wüst. Für den Notfall gibt es an Bord auch einen kleinen Diesel-Generator.

Auf Tropenhölzer verzichtet

Sein noch namenloses Schiff bringt es auf ein Gewicht von fünf Tonnen. Dabei sei es so leicht konstruiert, dass man sogar noch Zusatzgewicht verbauen muss. Und das, obwohl Balaguer und Wüst bei den Kabelkanälen statt Plastik lieber Metall verwendet haben. Auch auf Tropenhölzer haben sie verzichtet. „Eiche, Zeder für den Rumpf, und der Kiel besteht aus Pinie", sagt Mark Wüst. Noch eine Besonderheit: Statt wie üblich mit Glasfaser haben sie den Rumpf zum Schutz mit Leinenfaser beschichtet.

Einen sechsstelligen Betrag hat Mark Wüst vorfinanziert. Das Schiff zu chartern würde zwischen 600 und 800 Euro am Tag kosten, man sei mit Anbietern in Kontakt. Für wie viel sie es verkaufen würden, können sie nicht sagen. „Aber ums Geld geht es auch nicht. Wir wollen ein Zeichen setzen", sagt Mark Wüst.

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