15. Mai 2019
15.05.2019

Warum sowohl Mediziner als auch Insekten Borretsch lieben

Der wilde Borretsch bildet jetzt große Kolonien auf den Inselwiesen – und bewährt sich auch im Garten

15.05.2019 | 01:00
Sternförmig angeordnete Blütenblätter, Härchen an Stängeln und Blättern: Daran erkennt man den Borago officinalis. Er ist auf sonnigen Wiesen und an Wegrändern anzutreffen.

Der Borretsch bringt ein helles Blau in die Inselwiese. Er zählt zu den essbaren Pflanzen, die Blätter sind in der Naturmedizin sehr begehrt. Aber auch Insekten lieben die weit geöffneten sternförmigen Blütenblätter mit leicht ins Weiß changierender Färbung. Inmitten der fünf Blütenblätter sitzen schwarze Samenstängel, die gemeinsam an ihrem Ende eine Spitze bilden. Der Borretsch, auch Gurkenkraut oder Himmelsstern genannt (Borago officinalis bot., borraja span., borratja kat.), kann auf der Insel eine Höhe von knapp einem Meter erreichen. Die aufrechte, krautige Pflanze sät sich nach der Blüte selbst aus und bildet dann Jahr für Jahr auf den Wiesen immer größer werdende Kolonien.

Der Borretsch bevorzugt dabei als Habitate sonnige Standorte, die im Winter durch Niederschläge begünstigt sind. Er kann in Küstennähe gedeihen und in den Bergen, sein beliebtestes Terrain ist jedoch die Ebene. Die einjährige Staude ist an Blättern und Stängeln mit rauen Härchen bedeckt, weshalb sie auch zur Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae) zählt. Laut dem digitalen Herbarium der Balearen Universität kommt das Kraut auf Mallorca, Menorca und Ibiza vor. Die ersten Blüten zeigen sich am Winterende, das ganze Frühjahr bildet die Staude dann täglich neue Blüten.

Die Bienenweide

„Die borratja ist bei den Mitgliedern der Familie Apidae sehr beliebt", sagt Botaniker Jaume Segui aus Capdella. Damit meint er die Echten Bienen, zu denen über 6.000 Arten zählen. Auch Hummeln würden die Borretschblüten häufig auf der Nektarsuche anfliegen.

Die Heilpflanze ist auch erfahrenen Gemüse­gärtnern bekannt, neben Ringelblumen und Zinnien säen sie den Borretsch so in den Beeten aus, dass er gleichzeitig mit den Tomaten- und Zucchinipflanzen Blüten bildet und Bestäuber in ihre Pflanzreihen lockt.

Inselimker sehen die Pflanze ebenfalls gerne in der Nähe ihrer Bienenstöcke. Denn im April und Mai bildet die Pflanze täglich neue Blüten, die reich an Nektar sind. In Großbritannien stellt man „English Borage Honey" her, auch in Italien und Frankreich schleudern Imker den hellen, transparenten Honig mit dem zartem Blütengeschmack.

Auf den Balearen ist das nicht möglich, weil im Frühjahr gleichzeitig mit dem blaublühenden Kraut viele wilde und kultivierte Pflanzensorten ihre Blüten öffnen. Der Nektar aus allen gemeinsam ergibt den Honig „Multiflora". Nur wenn der Hauptanteil eines Honigs von der Blüte einer einzigen Pflanzensorte stammt, darf er mit dem Blütennamen etikettiert werden, auf Mallorca ist das nur im Herbst nach der Blüte des Johannisbrotbaumes möglich.

Weil die Blüten des Borretsch nach unten zeigen, können starke Regenfälle ihrem Vorrat an Nektar nichts anhaben. Negativ auf die Produktion des süßen Stoffs wirkten sich jedoch die Trockenperioden dieses Winters aus. Als es im April zu Niederschlägen kam, war das schon zu spät. „Die Pflanzenwurzeln bekamen in den Wintermonaten zu wenig Feuchtigkeit, deshalb konnte die Pflanze nur spärliche Mengen Nektar bilden", sagt Öko-Imker Martí Mascaro aus Inca. Auf die Frage, wie er dies feststelle, antwortet er: „Die Bienen verweilen in diesem Frühjahr nur ganz kurz auf den Blüten der wilden Pflanze." Deshalb würden sie häufig auf Gartenpflanzen in der Nähe ausweichen, bei denen Bewässerung die Nektarproduktion im Winter gefördert habe.

Das Gartenkraut

Ist das nicht Grund genug, sich den Borago officinalis in den Garten zu holen? Die Samen kann man kaufen oder von Wildpflanzen absammeln. Denn nach der Blüte bildet die Staude winzige Steinfrüchte mit vier Teilfrüchten. Für die Aussaat empfehlen sich sonnige Standorte und ein Termin im Herbst, kurz bevor die ersten Niederschläge zu erwarten sind.

Wenn es dem Borretsch im Garten gefällt, sät er sich im kommenden Jahr selbst aus. Nach dem Sommer kann die Pflanze zerkleinert und unter die Erde gemischt werden. Gießwasser benötigt sie nicht, es sei denn, Gartenbesitzer wollen Insekten nach trockenen Wintern eine extra Portion Nektar bieten.

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