12. Juni 2019
12.06.2019

Die MZ nimmt Sie mit auf einen Rundgang durch die Jardins d'Alfàbia bei Bunyola

Die Kunsthistorikerin Júlia Ramon erklärt, aus welcher Zeit die Allee, die Wasserspiele und die Bäume stammen

12.06.2019 | 01:00
Die MZ nimmt Sie mit auf einen Rundgang durch die Jardins d'Alfàbia bei Bunyola

Die Jardins d'Alfàbia zählen zu den meistbesuchten Gärten auf Mallorca. Sogar während der größten Sommerhitze ist es dort kühl. Man fühlt sich wohl auf den Wegen durch den eineinhalb Hektar großen Hausgarten bei Bunyola. Über seine Geschichte ist wenig bekannt, außer vielleicht, dass er ursprünglich aus arabischer Zeit stammt.

Das ist allerdings lange her, und weil historische Gärten meist von vielen Umgestaltungen gezeichnet sind, begleitet Júlia Ramon die MZ-Autoren bei ihrem Rundgang. Die Kunsthistorikerin aus Manacor lehrt an der Balearen-Universität, Thema ihrer Doktorarbeit waren Inselgärten mit Schwerpunkt Bürgergärten im 18. und 19. Jahrhundert.

Die Platanen-Allee

Die Besichtigung beginnt im Schatten von dickstämmigen, hohen Platanen. „Die Allee ist eine der drei Blickachsen, die Anfang des 18. Jahrhunderts im Stil des Barocks angelegt wurde", sagt Roman. Die Besitzerfamilie Berga und Safortesa (heute Zafortesa) besaß damals große Ländereien sowie das Stadthaus Son Berga in Palma, den heutigen Justizpalast.

Die Neugestaltung hatte damals den Zweck, die Macht der Familie nach außen zu demonstrieren. Mit Hilfe der Beratung namhafter Künstler entstanden –unter anderem von der Anlage in Versailles inspiriert – Wege mit spektakulärer Aussicht, auf denen man lustwandeln konnte. Es war die Geburtsstunde der passeigs (kat.) oder paseos (span.), die es bis dahin auf Mallorca nicht gegeben hatte.

Die Allee mit Blick auf das Haupthaus war, wie Inventarverzeichnisse dokumentieren, ursprünglich mit Doppelreihen von Ulmen und Pappeln gesäumt. Das Wasser floss mit leichtem Gefälle beidseitig zu den Baumwurzeln. Auf der linken Seite am Ende der Allee befindet sich heute ein Fischteich, früher betrat man hier einen Nutzgarten, weshalb die zweite Blickachse, nämlich die mit Palmen gesäumte Treppe, den Namen „Passeig de l'hort" trägt.

Treppe mit arabischem Flair

Dieser führt nun, parallel zum Haupthaus, aufwärts. „Bei der barocken Neugestaltung baute man hier eine Rampe für Kutschen, auch sie war von Pappeln und Ulmen gesäumt", sagt die Kunsthistorikerin. Heute steigt man auf Steinstufen aufwärts. Auf beiden Seiten plätschert Wasser in offenen Rinnen nach unten. Hierfür und für die Neupflanzung der Palmen im 20. Jahrhundert war der Architekt Gabriel Homar verantwortlich, Wasser und Palmen sollten nach dem Vorbild der Alhambra andalusisch-arabisches Flair simulieren.

Wasserspiele

Am Ende der Treppe liegt der viel fotografierte safareig. Auch das Wasserreservoir ist Teil der barocken Neugestaltung im 18.Jahrhundert. Ein paar Stufen weiter ist eine hohe Mauer zu sehen, sie stützt die Straße zum Coll de Sóller. Unterhalb führt eine sequia das Wasser abwärts. Am Ende der Treppe und am Anfang der Pergola teilt sich der Wasserkanal unterirdisch. Einer versorgt die Rinnen neben der Treppe, der zweite führt zur Pergola. „Sie wurde absichtlich über der Wasserleitung errichtet", sagt die Mallorquinerin, denn oberhalb konnte nichts angepflanzt werden.

Die Pergola wurde als dritte Sichtachse um 1730 gebaut, sie ist kunsthistorisch das bedeutendste Bauwerk der Anlage. Der Boden der etwa 100 Meter langen abschüssigen Pergola ist mit Kieselsteinen gepflastert, Rauten geben ein Muster vor. Säulen und Wasserspeier in Urnenform wechseln sich beidseitig ab, die feinen Tröpfchenbögen kreuzen sich in der Mitte. Dies macht der Druck des Wassers möglich, das auf dem Weg von der Quelle hierher Fahrt aufgenommen hat. Am Ende der Pergola wird es in einem weiteren safareig gesammelt und von hier aus der Zitrushain bewässert.

An diesem spaziert man unter einer modernen Pergola neueren Datums vorbei und erreicht dann den Garten, dessen Kronen in der Höhe schon von weitem sichtbar sind.

Der romantische Garten

Hier nehmen die heutigen Besucher an einem kleinen See Platz. Der Garten strahlt Intimität aus, er vermittelt den Eindruck eines geschlossenen Raums, spektakuläre Aussichten hier. Ein Beet ist der spanischen Königin Isabell II. gewidmet, das „Jardinet de la Reina". Es wurde anlässlich ihres Besuchs im Jahr 1860 angelegt, heute ist noch ein kleiner Teich zu sehen, auf dem Enten schwimmen.

Unmittelbar daneben beeindruckt eine Kollektion nicht einheimischer Baumriesen. Mehrere Echte Pinien wachsen hier, Kanarische Kiefern und eine Libanon-Zeder, an der eine Glyzinie hochklettert. Sie sind im 19. Jahrhundert gepflanzt worden. Damals waren Baumarten Mode, die mit – in Amerika reich gewordenen – Mallorquinern auf die Insel kamen. Zum Beispiel die Araukarien – sie sind auf der südlichen Erdkugel zu Hause und galten im Mittelmeerraum als exotisch.

Islamische Wurzeln

Über eine repräsentative Treppe führt der Weg jetzt durch die Innenräume des Hauses und an der mächtigen Platane im Innenhof vorbei zum Haupteingang. Und erst hier, am Ende des Rundgangs erklärt Roman, wie es um die arabische Geschichte der Gärten bestellt ist. „Archäologische Studien konnten nachweisen, dass die Alfàlbia-Quelle bereits vor der christlich-katalanischen Eroberung einen Nutzgarten bewässerte", sagt sie. Südlich des Torrent de Verger hätte man Wassermühlen genutzt. Die Bewässerungssysteme wären vor der Zeit der Feudalherrschaft entstanden.

Denn als nach der Reconquista im Jahr 1229 die Besitztümer verteilt wurden, übernahm die arabische Familie Bennassar die alquería und mit ihr den christlichen Glauben sowie den feudalen Lebensstil der christlichen Eroberer. Dass sie islamischen Traditionen huldigten, ist aus der Schrift auf einer Holzvertäfelung zu sehen, die hoch oben an der Decke direkt hinter dem Eingang ins Haus zu sehen ist und Allah in wiederkehrenden Mantras huldigt.
Der hohe Raum mit der Holzvertäfelung wird rechts und links von Räumen flankiert. Wie in Marrakesch oder Granada wurde hier eine qubba errichtet, zu der immer ein Garten gehörte. Dieser lag sicherlich schon auf der nördlichen Seite des torrent, wie auch die heutigen Gärten. Vielleicht befand er sich vor dem heutigen Eingang oder, das ist wahrschein­licher, im aktuellen Innenhof. „Hier gibt es noch viel zu tun", sagt Júlia ­Ramon. Doch die Gärten wären auch so, wie sie sind, ein Schatz für die Insel.

Information: www.jardinesdealfabia.com

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