01. Juli 2019
01.07.2019

Österreicher und zwei Marokkaner retten ältesten Barbiersalon von Palma de Mallorca

Um ein Haar hätte die Peluquería Moll schließen müssen

01.07.2019 | 01:00
Von links: Hafid Lamkadmi, Roman Eugenio Anderl und Mourad Boukil.

Dass die Peluquería Moll nahe der Plaça Major in Palma de Mallorca Ende April nach 116 Jahren schließen musste, weil ihr Inhaber, der Herrenfriseur Joan Moll, schon länger im Rentenalter war und keinen Nachfolger hatte, war auch der MZ einen Bericht wert. Ein Österreicher habe den 22-Quadratmeter-Laden gekauft und wolle ihn als Friseursalon weiterbetreiben, erzählte Moll damals. So richtig glauben aber mochte man das nicht.

Aber der Österreicher hat Wort gehalten. Roman Eugenio Anderl, so heißt er, übernahm den Salon mitsamt der Einrichtung – den drei Barbierstühlen aus dem Jahr 1910, der Sammlung an ausgefallenen Rasiermessern an der Wand und dem U-Boot-Propeller aus dem Ersten Weltkrieg, der lange als Ventilator diente. „Ich investiere gern in kleine, geschichtsträchtige Objekte", so der 55-jährige Immobilien­unternehmer. Er wolle, ein Stück Stadtgeschichte erhalten. „Ich habe ja auch Verantwortung für die Gegend, in die ich investiere."

Fehlte noch ein Barbier, der das kunstvolle Handwerk mit Schere und Klinge zumindest ansatzweise so beherrscht wie Joan Moll. Anderl gab eine Anzeige im Internet auf – Mieter für Peluquería Moll gesucht – und wimmelte zunächst Galeristen und Souvenirläden-Betreiber ab. Es meldete sich Hafid Lamkadmi, ein Marokkaner, der bereits im Stadtteil Son Cotoner die Barbería Bled führt. Der 26-Jährige hatte von der Peluquería Moll noch nie gehört, recherchierte aber ihre Geschichte.

Seit dem 1. Juni arbeitet nun in dem Salon, der jetzt „Barbershop Palma" heißt, vor allem sein Kollege und Landsmann Mourad Boukil. Er schneidet Bärte und Haare etwas burschikoser, aber ebenso gut wie Joan Moll. „Dieser Laden erinnert mich an Marokko, dort gibt es noch viele solcher Barbiersalons", sagt Boukil. Anderl und Lamkadmi wollen den historische Kern des Ladens weitgehend erhalten, die Klimaanlage erneuern, eventuell Spiegel austauschen und die Zwischendecke wegnehmen. „In dem fast vier Meter hohen Raum sieht man die alten Balkenstrukturen des historischen Hauses dann besser", sagt Anderl. Etwa einmal pro Woche schaut der Österreicher, der bisher knapp die Hälfte des Jahres auf Mallorca verbringt und dessen Frau und Tochter seit Juli 2018 fest auf der Insel leben, im Carrer d'Estade, 3, in Palma de Mallorca, vorbei. Manchmal auch zum Haareschneiden. „Wobei ich ja nicht mehr so viele Haare habe", so Anderl.

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