03. Juli 2019
03.07.2019

Mallorca-Pflanzen unter der Lupe: die wilde Brombeere

Pflanzen-Liebhaber aufgepasst: Derzeit blüht auf Mallorca die wilde Brombeere. Sie ist nicht nur schmackhaft, sondern auch ganz schön nützlich

03.07.2019 | 01:00
Erst sitzen bei der wilden Brombeere in der Blütenmitte Staubfäden, nach dem Insektenbesuch bilden sich traubenähnliche Früchte

Hübsches Heckengestrüpp: Noch bis August öffnen sich an den Astspitzen der Brombeere auf Mallorca täglich neue Blüten. Eng gedrängt strecken sie sich knittrig und in zartem Rosa der Sonne entgegen. Weil ihr Aussehen an das der Heckenrosen erinnert, wundert es nicht, dass die Pflanze, wie Hunderte andere, zur botanischen Familie der Rosengewächse zählt. Das gilt natürlich auch für die auf Mallorca wild wachsende Mittelmeer-Brombeere (Rubus ulmifolius bot., zarza span., abatzer kat.).

Wenn im Juni die meisten Wiesengewächse verblüht sind, ist die Brombeere noch umschwärmt. „Sie bieten den Wild- und Honigbienen sowie verschiedenen Käferarten sowohl Pollen als auch Nektar", sagt Joshua Borrás von der Balearen-Universität. Allerdings ist auch der abatzer nach den diesjährigen regenarmen Wintermonaten nicht in Hochform. Wie auch andere Pflanzen, das berichten Inselimker, haben die Brombeeren die Nektarproduktion in diesem Jahr heruntergefahren und sich auf die Produktion der für ihre Fortpflanzung wichtigeren Pollen konzentriert.

Dass die Vermehrung in diesen Tagen erfolgreich verläuft, zeigen die grünen Mini-Beeren inmitten der Staubfäden in den Blüten. Hier bilden sich Fruchtansätze, die an Trauben erinnern. Im Laufe der nächsten Wochen werden sie sich vergrößern, sich rot verfärben und später als schwarzes, saftiges Fruchtfleisch die Samen umschließen. Botaniker bezeichnen die Früchte, wie auch Himbeeren und Erdbeeren, als Sammelsteinfrüchte. Im Spanischen wird die Brombeere mora oder zarzamora, im Katalanischen móra genannt.

Wenn im Herbst Vögel die reifen Früchte aufpicken, werden die Samen von ihren Magensäften so verändert, dass sie nach dem Ausscheiden der Exkremente zum Keimen bereit sind. Diese sexuelle Vermehrung durch Vögel ist sicher einer der Gründe, weshalb Brombeerarten heute in allen gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel, in Europa, Nordafrika, Vorderasien und Nordamerika, vorkommen. Manche von ihnen verhalten sich invasiv und überwuchern einheimische Pflanzen.

Die Mittelmeer-Brombeere vermehrt sich nicht nur durch Samen, zusätzlich vergrößert sie sich vegetativ. Sie bohrt im Frühjahr frische Triebe in die Erde. Diese bilden Wurzeln für neue Tochtergewächse. Hinzu kommt, dass immer wieder neue Lianen die Hecken nach oben so erweitern, dass ihre Astspitzen möglichst viel Sonne abbekommen. Weil sie aber als Kletterpflanze keine Stütze festhält, verhaken sich die bogenartig wachsenden Zweige ineinander, bis sich ein dichtes Gestrüpp bildet. Dabei halten sie sich mit ihren Stacheln fest und erschweren die Rodung. Landwirte sind nicht glücklich über Brombeergewächse auf ihren Feldern, sie verbannen sie an die Grundstücksgrenze und stutzen sie rigoros.

In früheren Zeiten schätzte man die Mallorca-Brombeere als süße Früchte, die als Säfte oder Desserts auf den Tisch kamen. Aber auch, weil der abatzer als Heilpflanze gilt und seine Blätter gegen viele Leiden äußerlich und innerlich zur Anwendung gekommen sind.

Begehrt sind die Früchte im Herbst jedes Jahr noch immer als Wegzehrung bei den Zugvögeln, die auf dem Weg in den Süden auf der Insel Rast machen. Doch auch einheimische Vögel, Insekten und Kleinsäugetiere naschen die immer wieder nachwachsenden Früchte. Denn vitaminreiche, saftige Kost ist nach dem Sommer auf den trockenen Feldern selten. Wenn im Herbst dann die Inseläcker gepflügt worden sind, finden Kröten, Spinnen und Schnecken Unterschlupf in dem Heckengestrüpp. Wildbienen nisten sich in den Stängeln ein, hier vollziehen auch andere Insekten im Winter die Stadien ihrer Metamorphose. Im Sommer dann bietet das Gestrüpp Kleintieren Hitzeschutz.

Gründe genug also, Brombeerhecken nicht als nutzlose Wucherer zu roden, sondern sie als wertvolle Korridore zwischen kultivierten, „aufgeräumten" Flächen für die Vielfalt im Ökosystem wachsen zu lassen.

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