17. Juli 2019
17.07.2019
Mallorca Zeitung

Nachhaltige Kräuteraufzucht auf Mallorca

In den Gewächshäusern auf der Finca zweier Mallorquiner wachsen Bio-Setzlinge, Microgeens für Restaurant, sowie Heil- und Küchenkräuter

17.07.2019 | 01:00
Das ganze Gewächshaus duftet nach den Basilikumsträußen, die Mar Blanch und Jim Capella Ohlsson pflücken, um aus ihnen Ableger zu ziehen. Vorne: der in Pink blühende Johannisbeer-Salbei.

Sich selbst und andere mit einem nachhaltigen Projekt auf Mallorca zu versorgen, das hatten die beiden Mallorquiner seit Langem im Sinn. „Vor­ einem Jahr beantragten wir bereits das Öko-Zertifikat des Inselrats", sagt Jim Capella ­Ohlsson (27). Der Sohn einer schwedischen Mutter und eines mallorquinischen Vaters baut gemeinsam mit Mar Blanch (35) auf dem elterlichen Anwesen bei Llucmajor ökologisch Kräuter an. Ihr Projekt nannten sie „Brots Aromatics", was wörtlich übersetzt aromatische Sprossen heißt. Unter aromatics versteht man im Katalanischen Heil- und Küchenkräuter.

Auf diesem Gebiet sind die beiden ganz und gar keine Neulinge: Beide studierten Landschaftsarchitektur und beide sammelten im Bio-Anbau praktische Erfahrung. Die für lokale Sorten bekannte Vereinigung Varietats Locals lieferte Samen, wie auch der deutsche Bio-Saatgut-Lieferant Reinsaat. „Dieses Jahr mussten wir viel Geld für Samen ausgeben", sagt Blanch. Ein riesiger Posten in der Kalkulation war zudem das Substrat aus Deutschland „Nur dort ist biozertifizierte Anzuchterde zu bekommen", sagt der Züchter.

Als dann das Ökosiegel des Inselrats eintraf, standen die beiden Gewächshäuser bereits und die Aussaat in den Anzuchttöpfen konnte beginnen. Heute stehen dort auch winzige Ableger. Die Babykräuter sind für die vegetative Vermehrung von den Stauden im zweiten Gewächshaus abgezweigt worden.

Winzig bleiben wird der Gezähnte Lavendel wie auch andere Keimlinge. Capella Ohlsson nimmt jetzt eine Handvoll mit Erde aus einem Styroporkasten und erklärt. „Diese Sprossen werden wir in transparente, biologisch abbaubare Behälter setzen und direkt als Microgreens an Restaurants liefern". In den Keimlingen stecke die geballte Kraft und der komprimierte Pflanzengeschmack. ­Küchenchefs werden sie eine Woche lang ­pflücken und dann neu ordern.

Im zweiten Gewächshaus beeindruckt die Vielfalt des Nachwuchses in Töpfen. Mit neun verschiedenen Arten ist der Salbei vertreten, der Lavendel mit vier, das Basilikum mit sechs: Da gibt es das Indischen Basilikum (Ocimum tenuiflorum bot., albahaca morada span.) und den grünblättrigen Tomate-Mozzarella-Klassiker (Ocimum basilicum bot., albahaca genovesa span.) aber auch das Thai-Basilikum mit feinen grünen Blättern (Ocimum basilicum var. thyrsiflorum bot., albahaca thai span.) sowie das Zitronenbasilikum (Ocimum citriodorum bot., albhaca limón span.) bis hin zum Zimtbasilikum (Ocimum basilicum cinnamon bot., albahaca canela span.) und dem kleinblättrigen Busch-Basilikum (Ocimum basilicum v. minimum bot.), das auf der Insel, wie auch alle anderen Sorten, alfabaguera genannt wird.

Die kleinen Kräuterstauden warten auf Kunden, die sie über Gerichte streuen oder in ihre Gärten setzen. Nach einer Pflanzenliste mit über 30 verschiedenen Arten kann man sie bei den Züchtern bestellen und dann in der Kooperative von Llucmajor abholen.

Damit in den kommenden Jahren die Kalkulation der Setzlinge günstiger ausfällt, sammeln die Züchter laufend Samen von den verblühten Pflanzen im Gewächshaus. Aber auch von den Tomaten-, Paprika-, Kohlrabi- und Rote-Bete-Pflanzen, die in den Gemüsebeeten auf der 12.000 Quadratmeter großen Finca wachsen. In einem eigens dafür eingerichteten luftigen Raum trocknet und konserviert man die Samen.

An der Grundstücksgrenze stehen zehn Bienenstöcke. Die Hauptaufgabe der Bienen ist die Bestäubung der Blüten für die Samengewinnung. Wenn Honig übrig bleibt, verspeisen ihn die beiden engagierten Öko-Landwirte. Und mit dem Gemüse, das für die Samen nicht gebraucht wird, versorgen sie sich selbst.

Mehr Info und Pflanzenliste: Tel.: 690-02 96 13

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