03. September 2019
03.09.2019

Was Sie über die Weine von Mallorca wissen sollten

Trauben, Namen und Regeln: Wissenswertes über die Einordnung in D.O.s und I.G.P.s

03.09.2019 | 01:00
Etwa die Hälfte des Inselweines geht unter dem Siegel „Vi de la terra Mallorca" in den Verkauf.

Die Weinlese auf Mallorca ist in vollem Gange, doch letztlich interessiert viele Konsumenten eher das, was nachher in der Flasche steckt. Darüber gibt das Etikett Aufschluss. Doch wissen Sie, wo der Unterschied zwischen den Gütesiegeln D.O. und I.G.P. liegt und was diese wiederum von Weinen unterscheidet, die „Vi de la terra Illes Balears" betitelt sind? Wir haben es uns von Toni Bennàssar, dem Präsidenten der D.O. Pla i Llevant, der gleichzeitig auch Präsident der I.G.P. Vi de la terra Mallorca ist, erklären lassen.

Kontrollbehörden D.O.

Es gibt auf Mallorca zwei in den 90er-Jahren entstandene D.O.s, also Kontrollbehörden, die jeweils eigene Regeln für die Weine ihrer Mitglieder haben. Die D.O. Binissalem, gegründet 1991, hat für ihre 13 Bodegas in den Regionen rund um Binissalem (etwa Consell, Santa Maria del Camí, Santa Eugenia, Sencelles) strikte Regeln in Bezug auf die verwendeten Trauben, inklusive deren prozentualem Anteil. So müssen die Rotweine mindestens mit 30 Prozent der autochthonen Mantonegro-Trauben gemacht sein – früher waren es sogar 50 Prozent – und die Weißweine bis heute 50 Prozent der autochthonen Traubensorte Premsal Blanc enthalten (www.binissalemdo.com). Aktueller Präsident der D.O. ist José Luis Roses (Bodegas J. L. Ferrer).

Die 1999 gegründete D.O. Pla i Llevant ist um ein Vielfaches offener, denn es gibt neben etlichen erlaubten Traubensorten keinerlei Prozentvorgabe. Geografisch umfasst die D.O. Pla i Llevant die Inselmitte und den Osten Mallorcas mit insgesamt 14 Bodegas, der Präsident ist Toni Bennàssar (www.doplaillevant.com).

Die Mitglieder beider D.O.s verpflichten sich, nur die erlaubten Trauben zu nutzen und nur die erlaubte Traubenmenge pro Sorte und Hektar zu ernten. Für die Nutzung des Labels zahlen sie zudem eine Gebühr. Die liegt beispielsweise bei der D.O. Pla i Llevant bei etwa 0,06 Euro pro Flasche Wein. Bei 100.000 Flaschen Wein ergibt dies etwa 6.000 Euro im Jahr, also 500 Euro im Monat.

Landweine ohne und mit I.G.P.

Darüber hinaus gibt es die Landweine, die unter den Labels „Vi de la terra" firmieren, wobei es die regionalen Landweine Illes Balears, ­Tramuntana, Formentera, Menorca und Ibiza gibt. In den meisten Fällen gibt es hier kaum Einschränkungen, die Weine werden ledig­lich einer chemischen, nicht aber eine geschmacklichen Prüfung unterzogen. Und gezahlt wird auch nichts.

2017 wurde für das Label „Vi de la terra Mallorca" daher eine Erweiterung beschlossen, um auch hier unter der Leitung eines Kontrollrats und dem Zusatz I.G.P. (Indicacions Geogràfiques Protegides, Geschützte Geografische Herkunftsbezeichnung) ein Qualitäts­siegel einzuführen. Seither werden – analog zu den D.O.s – Weinsorten vorgegeben und Weinmengen limitiert. Es gibt viele Kontrollen, eine geschmackliche Prüfung (die sogenannte organoleptische Prüfung), und man zahlt für das Siegel.

„Wir sind wahre Kontrollfreaks, aber alles dient der Qualität", sagt Toni Bennàssar. 60 Prozent der gesamten Weinanbaufläche Mallorcas kann mittlerweile diesem Label zugerechnet werden. Von den insgesamt rund 100 Bodegas nutzen knapp zwei Drittel das ­Siegel für ihre Weine. Sie produzieren mit rund 29.000 Hektolitern knapp 50 Prozent des Gesamtweins. Davon geht übrigens 16 Prozent nach Deutschland, dem Hauptimporteur. Um sich klarer zu positionieren, entwickelt die ­Firma Vinology unter Leitung von Pilar Otra derzeit ein neues Logo und einen neuen Markenauftritt.

Für das Label „Vi de la terra Mallorca" hatten sich vor allem die Vereinigung Petits Cellers und die D.O. Pla i Llevant eingesetzt. „Viele Bodegas haben sowohl Weine mit einer D.O.-Bezeichnung als auch solche mit einem Vi-de-la-terra-Label. So produzieren fast alle Bodegas der D.O. Binissalem aufgrund der strengeren Regeln dieser Herkunftsbezeichnung auch Vi-de-la-terra-Weine, bei denen sie freier keltern können", so Bennàssar. Bei der D.O. Pla i Llevant sind es lediglich Bodegas, die Weine mit Malvasia- oder Sauvignon-blanc-Trauben keltern, wie die Weingüter Vi Rei oder Es Fangar. „Dabei sind diese Traubensorten bislang nur aus der D.O. Pla i Llevant ausgeschlossen, weil uns keiner explizit um die Aufnahme gebeten hat", sagt Bennàssar.

Mallorca im Namen

Viele Weinfans und -kenner sind der Meinung, dass die Aufteilung in verschiedene D.O.s in Bezug auf internationale Märkte oder Listung in Weinführern eher hinderlich sei. Sie propagieren eine einheitliche D.O. Mallorca – vielleicht mit dem Zusatz der einzelnen Regionen. Verhindert hat das bislang zum einen die Europäische Union mit ihren bürokratischen Auflagen. Zum anderen ist der Präsident der D.O. Binissalem, José Luis Roses, ebenso dagegen wie auch einige Weingüter der D.O. Pla i Llevant, die nach einem langen Kampf für eine eigene Herkunftsbezeichnung diese nicht so einfach aufgeben wollen. „Schließlich hat jede Zone ihren spezifischen Charakter bezogen auf das Terroir und die Weinsorten. Diese Individualität spiegeln auch die Weine der beiden D.O.s wider. Da ist man logischerweise eigen und will nicht unter einem gemeinsamen Siegel firmieren", sagt Bennàssar. Zumal auch die D.O.s sich offiziell den Anhang „Mallorca" geben könnten – wie eben die Vereinigung Vi de la terra Mallorca.

Wie auch viele Winzer plädiert Bennàssar dafür, sich mit der intensiven Nutzung einheimischer, also autochthoner Traubensorten von anderen Weinregionen in Spanien oder auch anderswo abzugrenzen. „Nur das wird uns zukünftig unterscheiden. Wir werden nie so groß sein wie andere Weinanbauregionen, deshalb müssen wir in unserer Nische besser werden und einfach ,anders? sein."

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