15. Oktober 2019
15.10.2019

Der besondere Garten von Mallorca

An die archäologischen Ausgrabungen bei Sencelles grenzt ein dicht und hoch bewachsener Garten an. Heute mieten sich Feriengäste das Haus, und Toni Micol aus Ibiza pflegt Garten und Pool

15.10.2019 | 01:00
Dicke Stämme begrenzen das Anwesen und geben der Hängematte Halt. Die Kronen schützen gegen Blicke, Lärm, Sonne und Stürme.

Es ist ein Ort mit besonderer Energie: ein Garten, der in unmittelbarer Nachbarschaft des Talaiot Sa Freda bei Sencelles liegt. Das frühzeitliche Bauwerk ist auf das Jahr 900 vor unserer Zeitrechnung datiert worden. Über die Frühgeschichte der Balearen weiß der Gärtner Toni Micol Bescheid: Er war als Archäologe an Ausgrabungen in der Nähe beteiligt, bevor er sich, wie er sagt, dazu entschied, statt mit toter Materie mit lebenden Pflanzen zu beschäftigen.

Jetzt stellt er den Motor des Rasenmähers aus, um in aller Ruhe mit den Besuchern sprechen zu können. Seit sechs Jahren ist der aus Ibiza stammende 45-jährige Familienvater als selbstständiger Gärtner auf Mallorca unterwegs. Und hat so viel zu tun, dass er die Aufträge seiner rund zwanzig Kunden nicht mehr ­allein bewältigen kann. Allein in dem 2.000 Quadratmeter großen Garten, der nebst Pool zu einem Ferienhaus gehört, das jetzt verkauft werden soll, kommt er mehrmals die Woche.

„Wenn ich mit der Arbeit in einem Garten beginne, versuche ich den Wasserverbrauch zu reduzieren", sagt Micol. Den Rasen hat er auf die Hälfte reduziert und das Wasser so gedrosselt, dass sich während der Hitze gelbe Flächen zeigten. Mittlerweile hat der Rasen sich wieder erholt und erstrahlt in frischem Grün. Das hat viel Wasser aus dem Brunnen verschluckt, der sich auf dem Anwesen befindet – sicher einer der Gründe, dass sich Menschen vor 3.000 Jahren für diesen Ort entschieden.

Der Rasen reicht auf der Rückseite des Hauses bis zu einem Rondell. Dieses entspricht ganz dem Geschmack des Gärtners. Dort wachsen Pflanzen, die wenig Wasser brauchen: In Bodennähe breitet eine niedrig wachsende Zypresse ihre Äste wie zu einem überdimensionalen Korb aus. Direkt daneben trägt ein Feigenkaktus reife Früchte. In mittlerer Höhe streckt ein Buchsbaum seine Zweige aus dem wild wuchernden Rund. Zwischen den Zweigen einer weiteren Zypresse bildet ein Wandelröschen reichlich Blüten. Über allem schweben die Äste einer Wildolive. Auf der Rückseite wächst eine Amerikanische Agave mit riesigen Blättern. Daneben liegen etwas kläglich die Reste einer Schwesterpflanze. „Ich habe den Blütenstand gekappt, bevor die Samen reif wurden", sagt Toni Micol. Die Pflanze gilt als invasiv, und es kann bis zu hundert Jahre dauern, bis sie einen Samenstand bildet. Danach stirbt die Mutterpflanze ab.

In diesem Garten ist nicht nur der Rasen grün: Einige Meter hoch sind die immergrünen Thujas, die im Garten zu pyramidenförmigen Riesen herangewachsen sind. Die im Deutschen „Lebensbaum" genannten Thujas sind für Formschnitte besser geeignet als die mediterrane Zypresse. Am beeindruckendsten sind jedoch die wild wachsenden Baumriesen wie Wildolive und Steineichen, die nicht nur auf der Grenze zum Talaiot wachsen, sondern das gesamte Grundstück gegen Blicke, Stürme und Sonne schützen und im Anwesen für absolute Stille sorgen. Ein sehr hoher Oleander, der jetzt im September noch fleißig weiße Blüten bildet, hat sich zwischen sie gemogelt. Er soll in Bälde gestutzt werden.

In sattem Grün zeigt sich auch der Pittosporum, den man beim Rundgang immer wieder antrifft. Er benötigt einen Formschnitt, der nach dem Rasenmähen auf dem Programm steht. Die Pflanze blüht einmal im Jahr, braucht wenig Wasser und behält ganzjährig die Blätter. Micol stutzt sie mit einer Heckenschere mit Benzinmotor. Wobei er eigentlich nicht gern in das Pflanzenwachstum eingreift. Wenn er einen Garten selbst plant, zieht er ­naturbelassene Gestaltungen vor, mit Pflanzen, die auf den Balearen zu Hause und sparsam im Wasserverbrauch sind. Viele Designergärten, so Micol, machten den Eindruck, als hätte man die Architektur der Gebäude ­einfach im Freien mit anderen Mitteln ­fortgesetzt. „Auch der Wasserverbrauch der neuen Gärten ist viel zu hoch", sagt er. In den vergangenen fünf Jahrzehnten wäre dieser auf den Balearen ins ­Unermessliche gestiegen. Das erzählt der ­Ibizenker am Rand des Pools, dessen Chlor­wasser nicht zum Gießen der Pflanzen taugt. Sie hätten als Kinder auf Ibiza im Sommer ­jeden Tag im safareig (Wasserreservoir) ge­badet, sagt Toni Micol.

Die Kooperative

Nach sechs Jahren im Alleingang gärtnern wird Micol nun mit drei befreundeten Gärtnern eine Kooperative gründen. Der Firmensitz soll in Sencelles sein. „Wenn alle Mitarbeiter gleichberechtigt sind und sich Gewinne wie Verluste teilen: Das hat für mich Zukunft", sagt er. Als Erstes sollen die Benzin betriebenen Gartenwerkzeuge in umweltfreundlichere mit Akkus ausgetauscht werden.

Kontakt: Toni Micol, Tel.: 618-96 92 93

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