27. November 2019
27.11.2019

Norfolk-Tannen: exotische Giganten mit skurrilen Ästen

Die Kronen der Tannen überragen Hecken und einheimische Gewächse. Die Koniferen gehören zur Baumfamilie der Araukarien, eine der ältesten überhaupt

27.11.2019 | 01:00
Die Norfolk-Tanne ist auf der Insel häufig anzutreffen, heimisch ist sie hier nicht.

Wer Alaró im Inselinneren von Mallorca in Richtung Orient verlässt, wird sich vielleicht fragen, um welchen Baumriesen es sich im Vorgarten des feudalen Bürgerhauses Casal de Can Jaumico handelt. Es ist die Norfolk-Tanne (Araucaria heterophylla bot., pino de Norfolk span., arbre de pisos kat.), die auch in vielen Inselgärten wächst. Wie andere Nadelbäume (Koniferen) verjüngt sie sich von unten nach oben, wobei ihr Astbau sich von allen anderen Tannenbäumen stark unterscheidet.

Markanter Aufbau

Die Äste der Araucaria, dem botanischen Familiennamen der Norfolk-Tanne, stehen fast horizontal von den Stämmen ab und bilden um sie die von Botanikern so genannten Quirle. Der zweite botanische Name heterophylla verrät, dass bei dieser Art mehrere Blatttypen vorkommen: An jungen Pflanzen sind die Blätter weich, nadelförmig, zwischen einem und eineinhalb Zentimeter lang und am Ende spitz. An älteren Pflanzenteilen können die Nadeln schuppenförmig übereinanderliegen, dann vier bis fünf Millimeter lang werden und sich ins Dunkelgrüne verfärben. Der überwiegende Teil der Araukarien ist diözisch (zweihäusig), es gibt also rein männliche und rein weibliche Individuen.

Weil auf der Insel meist nur ein Baum in Sichtnähe der Landgüter oder Bürgerhäuser gepflanzt worden ist, wächst meistens nur ein Exemplar im Garten. „Die Norfolk-Tanne ist ein interessanter Baum, er braucht extrem viel Platz, um sich gut zu entwickeln. Seine volle Pracht erreicht er nur, wenn er ausgiebig gegossen wird", sagt Gartenarchitektin Erika Könn aus Binissalem. Vor allem die unteren Äste entwickeln sich mit den Jahren weit ausladend. Häufig ist zu beobachten, dass niedrige Stauden ihnen in die Quere kommen.

Stammbäume

Spektakuläre Norfolk-Tannen sind auf dem Weg von Pollença nach Port de Pollença zu besichtigen. Es handelt sich um zwei hohe Exemplare, doch wie im Katalog der schützenswerten solitären Bäume des Umweltministeriums Mallorcas nachzulesen ist, sind es nicht die höchsten Vertreter dieser Art auf der Insel. In den Katalog aufgenommen wurden sie, weil sie über hundert Jahre alt sind und bekannt ist, dass Pollenças Bürgermeister Pere Josep Cànaves i Salas (1885–1938) ihre Pflanzung veranlasste.

Buchautor und Baumexperte Pere

Llofrui, der seit Jahrzehnten einzeln wachsende Bäume, auch Stammbäume genannt, auf der Insel vermisst, fotografiert und ihre Daten sammelt, hat in seinem Buch „Monuments de vida" acht Norfolk-Tannen beschrieben, die über 30 Meter hoch sind, zwei von ihnen kann man im Garten des Landguts Sa Granja bei Esporles bewundern.

Eine weitere Araukarie wächst in den Jardins d'Alfàbia bei Bunyola in der Nähe der Treppe, die vom hinteren Ausgang des Hauptgebäudes in den Garten führt. Gepflanzt wurde die Tanne in den Jardins zur gleichen Zeit wie die Libanon-Zeder sowie die Echte und die Kanarische Pinie. Denn im 19. Jahrhundert waren diese Bäume in Mode gekommen, nachdem Mallorquiner, die in Amerika reich geworden waren, die Exoten mit auf die Insel gebracht haben.

200 Millionen Jahre alt

Die Familie der Araucariaceae zählt zu den ältesten heute noch lebenden Koniferen-Gruppen. Fossilien deuten darauf hin, dass diese Pflanzen aus dem jüngsten Trias vor rund 200 Millionen Jahren stammen. Heute sind sie ausschließlich in der südlichen Hemisphäre verbreitet, kommen jedoch nicht in Afrika vor. Ursprünglich wuchsen die Araukarien in zusammenhängenden Gebieten. Durch die Erdentwicklung wurden die Baumgruppen räumlich getrennt. Die den Pflanzen zur Vermehrung dienenden Mittel konnten die Distanzen nicht überwinden, und es entwickelten sich je nach Klima unterschiedliche Arten.

Die Norfolk-Tanne wächst heute wild auf der Norfolkinsel, die etwa 1.400 Kilometer ­östlich des australischen Kontinents liegt. Im subtropischen Regenwald des Südpazifiks konnten sich endemische Pflanzen ent­wickeln, von denen viele heute als gefährdet gelten. Als Zierpflanze verbreitet sich die ­skurrile Tanne jedoch ungehindert weiter. Auf der Insel begünstigen ihr Wachstum die hohe Luftfeuchtigkeit und die seltenen ­Minusgrade im Winter.

Niedrige Temperaturen vertragen diejenigen Araukarien bestens, die in Chile und Argentinien wild vorkommen, auch Anden-Tannen (Araucaria araucana) genannt. Sie sind streng geschützt und gelten bei der indigenen Bevölkerung, den Mapuche, als heilig. Es gibt Exemplare, von denen man annimmt, dass sie über tausend Jahre alt sind. Sogar im Süden Deutschlands sowie in Südnorwegen wächst diese Araukarie als Zierbaum und bildet Früchte. Auf der Insel ist es der Anden-Tanne aus Südamerika jedoch zu warm.

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