23. Dezember 2019
23.12.2019
Mallorca Zeitung

Welche Autos die Deutschen auf Mallorca fahren

Die Residenten sind auf der Insel entspannter unterwegs. Da darf der Wagen auch mal eine Beule haben

23.12.2019 | 01:00
Bettina Koch.

Beulen an der Stoßstange, Kratzer im Lack und mehr als 150.000 Kilometer auf dem Tacho – solch ein Fahrzeug würde in Deutschland beim Gebrauchtwagenhändler sicher zum Ladenhüter werden. Denn wer sich in Deutschland einen Gebrauchtwagen zulegt, achtet laut aktuellem Report der Deutschen Auto­mobil Treuhand (DAT) vor allem darauf, dass sich der Pkw in einem einwandfreien Zustand befindet. Für 88 Prozent der Deutschen ist die Optik des Autos laut der Studie besonders wichtig. Anders auf Mallorca: „Hier hat man beim Autokauf andere Ansprüche", sagt ­Michael Körlin. Der Sachse betreibt seit knapp zwei Jahren die Autowerkstatt MK 360 Grad in Campos. Seine Kunden sind zu rund 80 Prozent Deutsche.

Auf Mallorca hätten weniger ein Problem damit, ein zehn Jahre altes Auto zu fahren. Da spiele auch das Aussehen eine untergeordnetere Rolle. „Auf Mallorca sind Autos für die meisten eher eine Nebensache. Das Bedürfnis, sich über ein Auto zu definieren, ist hier einfach weniger vorhanden", so der 33-Jährige. In Deutschland würde viel danach geguckt, ­welches Auto der Nachbar fährt oder welche Modelle es gerade neu auf dem Markt gibt. Das sei hier anders: „Es gibt viele Käufer, die geben sich mit einem einfachen Fahrzeug oder ­älterem Modell zufrieden", berichtet Körlin. „Hier fahren beispielsweise viele einen alten Renault 4." Den meisten sei es eben viel wichtiger, die Insel zu genießen und über lange Landstraßen durch eine schöne, weite Landschaft zu fahren – „da ist es total egal, in welchen Wagen man gerade sitzt", glaubt der Kfz-Meister. „Wenn ich dann nur 80 km/h fahren kann, weil das Auto so alt ist, dann ist das eben so." Man sei auf Mallorca entspannter unterwegs, und natürlich sei auch das Angebot ein anderes als in Deutschland. Schließlich würden hier viel mehr alte Autos mit Beulen verkauft. „Da passen sich die Deutschen an." Was bleibt ihnen auch anderes übrig, der Markt ist überschaubar.

2018 wechselten auf den Balearen rund 70.000 Gebrauchtwagen ihre Besitzer, so die Zahlen von der Vereinigung der Autohändler Ancove. Neu zugelassen wurden auf den Inseln im vergangenen Jahr laut der Verkehrs­behörde DGT 34.750 Pkw. Im Schnitt lassen sich Autokäufer auf den Balearischen Inseln einen Gebrauchtwagen rund 5.130 Euro kosten. Zum Vergleich: In Deutschland werden für einen Gebrauchtwagen im Durchschnitt 11.780 Euro ausgegeben.

Natürlich gibt es da auch die ewigen Fans von Sportwagen, die sich mit ihren gewienerten Luxusschlitten zum Showlaufen in Puerto Portals treffen. Oder diejenigen Deutschen, die mit extrem großen SUVs oder Geländewagen über die Insel fahren. Das seien aber meist die Teilzeit-Mallorquiner, also Deutsche, die nur zeitweise auf der Insel sind und hier beispielsweise ein Anwesen haben, in dem sie nur ein paar Wochen im Jahr leben. „Und die fahren einfach sehr gern besonders große, zum Teil protzige Autos."

Wie zum Beispiel Christian T., der lieber anonym bleiben möchte. Der einstige Top­manager kommt regelmäßig nach Mallorca, wo er im Südwesten der Insel ein eigenes Haus besitzt. Bis vor einigen Monaten fuhr er noch mit einem BMW 325d Cabrio über die Insel – und das mit deutschen Kennzeichen. Dass ein solches Modell wegen der hiesigen Straßenverhältnisse eher unpraktisch ist, wollte er lange Zeit nicht einsehen. Doch nachdem er sich mehrmals festgefahren hatte, nahm er den Wagen wieder mit nach Deutschland. Zwischenzeitlich fährt er mit einem Kleinwagen über die Insel. „Doch mit dem kann ich mich beispielsweise in Port d'Andratx ja nicht sehen lassen", sagt der Teilzeit-Mallorquiner. Deshalb will der 61-Jährige spätestens im nächsten Sommer wieder einen vorzeigefähigen BMW zu seinem Mallorca-Auto machen.

„Es gibt viele Deutsche, die besonders große und teure Autos aus Prestigegründen fahren", bestätigt Michael Körlin. „Natürlich sind da auch diejenigen, die abseits auf einer Finca leben und eben einen geländefähigen Wagen brauchen, um zu ihrem Anwesen kommen zu können." Doch gebe es auch genügend Fahrer, die einen geländegängigen Wagen eigentlich gar nicht brauchen.

Besonders beliebt sei momentan der Jeep Wrangler. „Davon siehst du hier gerade total viele rumfahren – und die meisten mit deutschen Kennzeichen." Letzteres sei der Tatsache geschuldet, dass es sich häufig um Leasing­fahrzeuge aus Deutschland handeln würde. Andere scheuten die Kosten der Ummeldung oder behielten das deutsche Kennzeichen aus Nostalgiegründen. Dabei riskiert jeder, der mit dem deutschen Kennzeichen länger als drei Monate auf Mallorca herumfährt, bei ­einer Kontrolle ein Bußgeld (250 Euro) oder die Stilllegung. „Da ist es also unterm Strich besser, den Wagen umzumelden." Oder sich eben direkt einen Wagen auf der Insel zu ­kaufen. Und wenn dieser dann mit Beulen an der Stoßstange und Kratzern im Lack daherkommt, muss man sich auch nicht ärgern, wenn ein anderer Wagen beim Einparken ­gegen das eigene Auto stößt. Denn das passiert hier nun mal regelmäßig.

Bettina Koch, 58, Physiotherapeutin, wohnt zeitweise in Cala Pi

„Wir fahren, wenn wir auf Mallorca sind, einen neuen Mitsubishi Outlander. Wir haben eine große Familie mit drei Kindern. Wenn die alle da sind und manchmal auch noch Freunde – da brauchen wir reichlich Platz. Aus diesem Wagen lässt sich schnell ein Siebensitzer machen. Vorher hatten wir einen Freelander – der war definitiv zu klein für uns alle. Da in unserem Haus in Cala Pi immer mal wieder auch noch andere Familienmitglieder sind, fahren den Wagen insgesamt vier Leute. Ein weiterer großer Vorteil: Mit dem Outlander lässt sich viel transportieren. Das ist echt praktisch, da wir hier am Haus immer wieder was zu tun haben und auch mal Baumaterial heranschaffen müssen. Auch in Deutschland fahren wir mit einem Lexus ein großes Auto – auch wegen der Familie. Zusätzlich haben wir hier einen Toyota Yaris. Den Kleinwagen nutzen wir, wenn mein Partner und ich allein hier sind."

Olaf Möhle, 50, Golflehrer aus Campos

„Ich fahre einen SUV – und zwar einen VW Touareg. Und das aus einem ganz einfachen Grund: Ich hatte vorher einen kleinen, sparsamen Mini Cooper. Doch da man nur über eine recht unkomfortable Piste zu meiner Finca kommt, habe ich mir den Wagen ständig ­kaputt gefahren. Deshalb hab ich mir irgendwann gesagt: Ich brauche so einen SUV. Gleichzeitig kann ich aber jene SUV-Fahrer, die ­mitten in der Stadt wohnen, nicht verstehen. Ich benutze meinen wirklich nur dafür, um den Feldweg fahren zu können. Zudem passt meine Golfausrüstung, die ich für meinen Job brauche, da auch besser rein. Zugegeben: Ich liebe mein Auto – so wie alle Männer ihre ­Autos lieben. Er ist auch schon ein Familienmitglied und kommt nach Frau und Hund an dritter Stelle. Er heißt übrigens Nela. Der Name kommt von meinem verstorbenen Hund, das alte Halsband hängt als Glücksbringer auch noch am Rückspiegel. Also, ich bin begeistert von dem Wagen und verstehe auch nicht, warum ein SUV schlecht sein soll. Es gibt ja auch Mini Cooper, die zwölf Liter schlucken. Und mein SUV kommt nur auf acht bis neun Liter, je nach Fahrweise. Deshalb kann ich diese ganze Umweltproblematik nicht nachvollziehen. Ein SUV ist für mich ­außerdem ein sicheres Auto."

Barbara Kuhlmann, 71, Rentnerin, wohnt 180 Tage im Jahr in Cala Pi


„Mein Mallorca-Auto ist ein Toyota Rav 4, Baujahr 2005. Das ist die kurze Variante mit nur drei Türen. Leider wird der Wagen heute nicht mehr gebaut. Gekauft habe ich ihn 2005 – und bin seither total zufrieden damit. Ich bin eine kleine Person, und da find ich es schön, etwas höher zu sitzen. Die Länge ist dabei perfekt, da ich öfters nach Palma in enge Parkhäuser fahre und mit diesem Wagen keine Probleme habe. Ein kleines, kompaktes Auto ist viel praktischer bei dem Verkehr auf der Insel. Ich liebe einfach dieses Auto und bin deshalb etwas traurig, dass es schon so alt ist. Deshalb hoffe ich, dass es noch ganz lange hält. Ansonsten müsste ich wahrscheinlich lange suchen, bis ich dieses Modell oder ein ähnliches noch einmal finde."

Michael Körlin, 33, Kfz-Mechaniker aus Campos

„Ich fahre einen ganz besonderen Skoda Octavia, einen 1,6-Liter-Turbodiesel – und das mit 620.000 Kilometern auf dem Tacho. Gekauft habe ich ihn für gerade einmal 3.800 Euro. Das war vorher ein Taxi. Als ich ihn hier auf Mallorca gekauft habe, war er fünf Jahre alt und hatte einen Kilometerstand von 512.000. Das habe ich schon in Deutschland so gemacht, dass ich mir ehemalige Taxen gekauft habe. Ich mag Taxis – denn schließlich sind die immer in einem Topzustand und bestens gewartet, da es das Kapital der Fahrer ist. Sicherer kann man beim Gebrauchtwagenkauf nicht vorgehen. In Deutschland hätte ich ein solches Auto mit so einem Kilometerstand aber gar nicht erst bekommen. Der Wagen wäre längst zum Verkaufen in Übersee gewesen."

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