30. Dezember 2019
30.12.2019

So ging spanische Mode während der letzten 100 Jahre

Unweit der Kathedrale zeigt eine Ausstellung im Museu de Mallorca, wie glamourös und auch schrill sich die Damenwelt in den letzten 100 Jahren in Schale geworfen hat

30.12.2019 | 01:00

Mallorcas Geschichtsmuseum, das Museu de Mallorca, wird gern übersehen. Obwohl es in einem prachtvollen Gebäude in der Carrer de la Portella unweit der Kathedrale liegt, verirren sich normalerweise eher wenige Besucher in diese Art eines Heimatmuseums, das mit Malerei, Stuck und Keramik aus verschiedenen Epochen über die Kultur, Kunst und Geschichte Mallorcas erzählt. Doch jetzt ist Glamour eingezogen: Die Ausstellung „100 años de glamour" (100 Jahre Glamour) zeigt spanische Mode und Haute Couture aus den letzten einhundert Jahren.

Die Modenschau im Museum möchte, so die Direktorin Maria Gràcia Salvà, „die Sammlungen des Museums in einer neuen Lesart präsentieren und den Spannungsbogen zwischen Kunst und Mode sowie die Synergien zwischen diesen beiden Arten künstlerischer Ausdrucksform aufzeigen" – schließlich sehen sich Modeschöpfer auch als Künstler und lassen sich von jeher gern von der Kunst inspirieren. Die Stars im Museum sind daher elegante Textilien aus der Colec·ció Antoni de Montpalau, eine der wichtigsten spanischen Privatsammlungen zeitgenössischer Mode. Die rund 60 Kleider, dazu Accessoires wie Hütchen, Clutch und Abendschuhe, stammen aus spanischer Feder wie zum Beispiel von den Designern Pedro Rodríguez oder Paco Rabanne, es sind auch Stücke mallorquinischer Modeschöpfer ­darunter, beispielsweise von Marcelo ­Scarxell aus Sóller (1935–2017), der einst der Mode im El Corte Inglés seinen Stempel aufgedrückte. Auch internationale Kreationen, speziell französi­scher Modeschöpfer wie Coco Chanel, Christian ­Lacroix, Yves Saint Laurent oder Hubert de ­Givenchy (dem Schöpfer des kleinen Schwarzen von Audrey Hepburn) werden in Szene gesetzt.

Der Spaziergang durch die Geschichte spanischer Mode ist nach ästhetischen Aspekten ­gestaltet. Wer durch die Museumsräume schlendert, merkt bei genauerem Hinsehen, dass sich offenbar eine Art Dialog zwischen den ­Damen- und Heiligenporträts aus der Sammlung des Museu de Mallorca und den eleganten Abendroben entspannt. So spiegelt sich das cremefarbene Brautkleid von ­Pedro Rodríguez aus dem Jahr 1974 perfekt mit der Robe des Heiligen Bernados auf einem der Gemälde im Hintergrund wider. Ebenso, wie das goldene Galakleid eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Outfit von Erzengel Sealtiel hat. Nebenbei gesagt hat Pedro ­Rodríguez in den 60er- und 70er- Jahren ausgesprochen sexy Cocktailkleider entworfen; das eine oder andere ist hier zu bewundern.

Das Porträt der Heiligen Catalina ziert nicht nur ein modernes Partykleid aus dem Jahr 2004 der katalanischen Designerin Isabel de Pedro, sondern findet sich selbstverständlich auch in der Kunst an der Wand wieder. Dieser Dialog zwischen Mode und Kunst zeigt mit Blick auf die Gemälde vergangener Jahrhunderte auch, dass es einst die bildenden Künstler waren, die bis Ende 19. Jahrhunderts die Chronisten der vorherrschenden Mode waren.

Während in der unteren Museumsetage die Galakleider eher vereinzelt präsentiert werden, erfolgt die Überraschung im Obergeschoss: Hier wird es zunächst in klassischer Abendmodemanier geballt schwarz und dann bunt und schrill. Die meisten Entwürfe sind mit über zwei Jahrzehnten zwar auch schon Vintage, aber das eine oder andere psychedelisch anmutende Partykleid wirkt wie gemacht für die nächste Sommersaison auf Mallorca. Romantisch und filigran sind dann wieder Einzelstücke in den Räumen, die weitere Spielarten von Kunststilen und -epochen zeigen: als der Einfluss des Japonismus speziell im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts selbst auf einer entfernten Insel im Mittelmeer der letzte Schrei war – ebenso wie Stücke aus der Zeit des Modernisme vor der Kulisse wunderbarer Jugendstil-Kachelbilder. Oder man erfährt, dass in den 30er-Jahren auch in Palma ein Handtäschchen aus Krokodilleder oder eine Pelzstola aus Fuchs getragen wurde.

Die Ausstellung kommt gut an. Seit Beginn Ende Oktober wurden über 2.700 Besucher gezählt. (Im Vergleich dazu: Nur knapp 1.100 waren es im gesamten letzten Jahr.) Deshalb wurde die Glamour-Show bis zum 1. März, dem Tag der ­Balearen, verlängert. Wer also wissen will, welch hohen Stellenwert die spanische Frauenwelt auf Eleganz legt, kann sich das vor historischer ­Kulisse vor Augen führen.

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