01. Februar 2020
01.02.2020

Kennen Sie diese Millionen Jahre alten Naturphänomene auf Mallorca?

Wissenschaftler fordern, dass fünf Geröllhalden auf Mallorca künftig besonders geschützt werden – nicht nur wegen Wanderern und Ziegen

01.02.2020 | 01:00
Nur Pflanzen mit sehr langen Wurzeln können etwa am „canchal" am Puig Tomir überleben.

Wanderern, die einmal am Puig Tomir auf Mallorca unterwegs waren, wird das Schild nahe der Wasserabfüllanlage von Binifaldó wahrscheinlich aufgefallen sein: „No transite por el canchal" steht darauf. „Canchal" ist die spanische Bezeichnung für „Geröllhalde", im Katalanischen sind die Ansammlungen von Gesteinsbrocken an der abfallenden Seite eines Berges als rossegueres bekannt.

Um die über Millionen von Jahren entstandenen Halden zu schützen und die Bevölkerung über ihre Bedeutung aufzuklären, fordern sechs Wissenschaftler nun, dass zumindest fünf der canchales zu „Orten von geologischem Interesse" (Lugares de interés geológico, LIG) erklärt werden: „Ausgewählt haben wir jeweils einen bei Betlem, am Galatzó, an Puig Tomir, an der Mola de Planícia und beim Puig Major, da sie auf den von Wanderern am meisten frequentierten Routen liegen", sagt Xisco Roig, einer der Wissenschaftler.

Mallorca ist die einzige der Balearen-Inseln, die diese Geröllhalden zu bieten hat: In Zeitaltern extremer Kälte haben Eis und Frost dazu geführt, dass in den Höhenlagen der Serra de Tramuntana und der Serra de Llevant die Felsen barsten und sich die Steine als Geröll durch die Schwerkraft am Hang ablagerten.

Nicht nur, weil sie über die sich verändernden geologischen und klimatischen Bedingungen Aufschluss geben, seien die Geröllhalden schützenswert, sagen die Wissenschaftler. Dank ihrer Durchlässigkeit dienten die canchales auch als Auffangbecken, die das Wasser talwärts führen, und so etwa eine Wasserabfüllanlage wie am Puig Tomir ermöglichen. In der Nähe der canchales befinden sich oft auch Schneebrunnen (pous/cases de neu), in denen früher der Schnee gesammelt und vor dem Schmelzen geschützt wurden. Auch sie seien vom Zerfall bedroht. Einzigartig sei zudem auch der Lebensraum Geröllhalde: Nur Pflanzen mit langen Wurzeln, die über eine hohe Anpassungsfähigkeit verfügen, können hier überleben.

Wie viele der canchales es auf der Insel gibt, sei unklar, sagt der Geograf und Geologe Xisco Roig. „Es gibt keine offizielle Zahl, da zu den Geröllhalden auf Mallorca, obwohl manche bis zu 32.000 Quadratmeter umfassen, bisher noch kaum geforscht worden ist. Es dürften aber Hunderte sein", sagt der 51-jährige Wissenschaftler. Auf dem spanischen Festland seien schon einige mit Namen versehen und detailliert katalogisiert worden, etwa „La mujer muerta" in der Provinz Segovia in Zentralspanien oder die Geröllhalde von Villuercas in Extremadura.
Auf Mallorca sind die Geröllhalden bisher nur ein Teil sogenannter schützenswerter Áreas Naturales de Especial Interés (ANEI). Um sie herum dürfen also keine Eingriffe in die Landschaft erfolgen. Ansonsten macht aktuell nur ein einziges Schild – das am Puig Tomir – öffentlich auf die Besonderheit dieser Formationen aufmerksam.

Als „Lugares de interés geológico" sei es einfacher, die Geröllhalden vor herumtrampelnden Wanderern und marodierenden Ziegen zu schützen, meinen die Wissenschaftler. Zudem wollen sie erreichen, dass die canchales einzeln kartografiert werden. Nur so ließen sie sich weiter erforschen, und nur so könne man feststellen, inwieweit sie sich, etwa durch Erosion, weiter verändern. Geröllhalden seien kein Istzustand, sondern ein dynamisches Phänomen, sagt Roig, der schon canchales in Katalonien nach ihrer Typologie klassifiziert hat.

„Mittlerweile sind die sich schrittweise bildenden Geröllhalden kaum mehr in Bewegung", so Roig. Lediglich im Winter der Jahre 2011 und 2012, als die Insel von ungewöhnlich niedrigen Temperaturen überrascht wurde, hätten sich einige von ihnen noch einmal verändert. Zuletzt hätten statt Kälte eher starke Niederschläge und starker Wind für Veränderungen der Geröllhalden gesorgt, etwa am Puig de Son Poc in Bunyola oder in s'Alcadena in Alaró. „Wenn der Klimawandel wie prognostiziert fortschreitet, werden sich die canchales wohl schon bald ganz stabilisiert
haben", so Roig.

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