15. Februar 2020
15.02.2020

Wie geht es weiter mit der Plaça Major von Palma de Mallorca?

Die Konzession der Läden in der Unterwelt vom wichtigstem Platz der Balearen ist abgelaufen. Das eröffnet die Chance, auch die Oberwelt neu zu gestalten

15.02.2020 | 01:00

So manch ein älterer palmesano erinnert sich noch wehmütig daran, wie es vor einem halben Jahrhundert auf der Plaça Major aussah. Brunnen, Bäume und Bänke luden die Besucher und Bewohner dazu ein, auf dem großen Platz im Stadtzentrum von Palma de Mallorca, der bis 1823 den Hauptsitz der Inquisition beherbergte, zu verweilen. Es gab einen Metzger, eine Bäckerei und einen Kiosk.

Heute trifft man kaum noch einen Mallorquiner in einem der eher für Touristen ausgerichteten Cafés und Restaurants. Trotzdem tobt das Leben auf dem Platz, besonders in der Saison und am Wochenende. Fliegende Händler, selbst ernannte Künstler und schreiende Kellner streiten sich um die Aufmerksamkeit der Urlauber.

Ganz anders sieht es eine Etage tiefer aus. Unter dem historischen Platz befindet sich eine Einkaufsgalerie, die schon früher düster war, jetzt aber vollkommen verlassen wirkt. Fast alle der ehemaligen Läden sind verbarrikadiert, und kaum ein Mensch durchstreift noch die Gänge, die auch eine unterirdische Verbindung zwischen den Ramblas und dem Carrer Sindicat bilden.

Seit im September 2019 die 50-jährige Konzession sowohl des darunter liegenden Parkhauses als auch die der Mehrzahl der Geschäfte endeten und an die Stadt zurückgingen, weiß keiner so recht, was aus dem Einkaufszentrum werden wird. An den wenigen Läden, die nicht von der Konzession betroffen waren und sich im Privatbesitz befinden, hängen Schilder mit „Zu vermieten" oder „Ausverkauf wegen Schließung". Und das mitten im Stadtzentrum von Palma de Mallorca.

Noch mehr Parkhaus?


Eigentlich wollte das Rathaus schon vor ­Wochen eine definitive Entscheidung bekannt ­geben, wie es mit der Plaça Major nun weitergehen soll. Eine erste in Auftrag gegebene Durchführbarkeitsstudie bestätigte die ­Möglichkeit, die ehemalige Ladengalerie in weitere Parkplätze umzuwandeln. Auf einer Pressekonferenz Ende Januar jedoch erklärte Alberto Jarabo, Stadtrat für Bürgerbeteiligung, dass das Rathaus noch auf die Fertigstellung einer weiteren Studie warte. Diese zweite Option, sieht vor, die ehemaligen Geschäfte für „soziale und multikulturelle Zwecke" zu nutzen.

Diverse Bürgerinitiativen sind schon seit Monaten alarmiert. „Wir wollen nicht einen einzigen weiteren Parkplatz!", sagt Àngels ­Fermoselle, Pressesprecherin und Vizeprä­sidentin der Denkmalschutzvereinigung ARCA. „Die leeren Ladenlokale stellen eine ­einzigartige Chance dar, endlich etwas an unserem Stadtmodell zu verändern", sagt Àngels Fermoselle.

Nur für Anwohner?

Auch der Präsident des Nachbarschaftsverbandes von Palma de Mallorca, Joan Forteza, will auf keinen Fall weitere Stellplätze - aber alle 400 bereits im Parkhaus vorhandenen für die Anwohner. Wo dann auswärtige Besucher parken sollen? „Unser langfristiges Ziel ist, dass die Leute ihre Autos zu Hause stehen lassen", sagt Forteza. Die Rambla, der Borne und die Einkaufsmeile Jaume III wären dann so gut wie autofreie Zonen.

Dafür müsse natürlich der öffentliche Nahverkehr besser ausgebaut werden. „Wollen wir nicht alle auf die Klimakrise reagieren und die Luftverschmutzung verringern? Die vielen Fahrzeuge, die täglich vor dem Parkhaus der Plaça Major im Stau stehen, tragen nicht gerade dazu bei!"

Was die leeren Ladenlokale angeht, kann sich der Nachbarschaftsverband so einiges vorstellen, das den Anwohnern des Stadt­zentrums zugutekäme. Von Kultureinrichtungen, Konferenzräumen und Seniorenveranstaltungen ist die Rede. „Und natürlich darf ein Supermarkt nicht fehlen!", fügt Forteza hinzu. Es sei ungeheuerlich, dass mit der Schließung des Eroski-Supermarktes, die Anwohner in ihrem Viertel kaum noch Grundnahrungsmittel wie Milch oder Eier kaufen können. Finanziert werden könne der Umbau mit Geld der Landesregierung und des Inselrats. „Und ein Teil könnte auch von den Einnahmen aus der Ökosteuer kommen", sagt Joan Forteza.

Glaskuppel à la Louvre?

Die Bürgervereinigung Palma XXI befürwortet viele der Ideen von Joan Forteza, setzt darüber hinaus aber einen Schwerpunkt auf die Außenfläche der Plaça Major. „Es ist wichtig, die Plaza als Ganzes zu betrachten und die ­Ladengalerie mit dem oberen Bereich zu verbinden", erklärt Jaume Garau von Palma XXI.

Er könnte sich sogar vorstellen, den ­Außenbereich des Platzes zu verglasen. „À la Louvre in Paris", sagt er mit einem Verweis auf die 1989 vor dem ­Museum fertiggestellte Glaspyramide. Ziel der Umgestaltung muss auch für Jaume Garau sein, die Plaça Major wieder für die Bürger der Stadt attraktiver zu machen. „Wir wollen, ­einen weniger touristischen Platz, mit Bars und Cafeterias, die nicht nur auf Touristen abzielen und mehr den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung entsprechen", sagt er.

Ein Tunnel bis zum Meer?

Auch Àngels Fermoselle von ARCA hat einen interessanten Vorschlag : „Wir wollen, dass der 1931 fertiggestellte Tunnel zwischen der Plaça Major und dem Parc de la Mar wieder freigelegt wird." Ein unterirdischer Zug verband damals den Hafen von Palma de Mallorca mit dem Stadtzentrum und brachte Lebensmittel und Waren aller Art bis zum Parc de Ses Estacions. Außerdem wurde der Tunnel im Spanischen Bürgerkrieg (1936–1939) als Schutzraum vor Luftangriffen genutzt.

„Die Verbindung zwischen der Plaça Major und dem Parc de Ses Estacions ist mittlerweile unterbrochen", erklärt Fermoselle, „aber die Strecke von der Plaça Major bis zum Meer ist noch in einem guten Zustand. Welche Stadt verfügt schon über so eine einzigartige historische Infrastruktur?" ARCA schlägt vor, dass in einem Teil der alten Ladengalerien der Plaça Major ein historisches Besucherzentrum entsteht. „Damit ist kein Museum gemeint, sondern ein Zentrum, das Einheimischen und Besuchern die Geschichte unserer Stadt auf innovative Weise näherbringt", sagt Àngels ­Fermoselle.

Sie hat auch schon eine konkrete Vorstellung, wie dieses Zentrum mit dem Tunnel verbunden werden könnte: „Mit einem Aufzug könnte es vom Besucherzentrum aus direkt weiter zum Eingang des Tunnels gehen, an dessen Wänden moderne Lichtprojektionen angebracht werden." Auch die AAFIB, der Verband der Freunde der Eisenbahn, unterstützt diesen Vorschlag.

Wie für Forteza und Garau ist auch für ­Fermoselle oberste Priorität, dass das Rathaus sich gegen den Bau neuer Parkplätze und für Projekte entscheidet, die in erster Linie der einheimischen Bevölkerung zugutekommen „Sa plaça per els ciutadans", heißt das Schlagwort, eine Plaza für die Bürger. Vielleicht sogar mit Brunnen, Bäumen und Bänken, wie schon in den 50er-Jahren.

Das Rathaus spielt auf Zeit

Die definitive Entscheidung liegt bei der von dem Sozialisten José Hila mit Unterstützung der Linksparteien Més und Podemos Unidas regierten Stadt. Nachdem man die 50-jährige Konzession hat auslaufen lassen, ohne offenbar einen Plan zu haben, wie es weitergehen soll, spielt man erst einmal auf Zeit.

„Für die Umsetzung eines jeden Projektes muss zuerst der städtische Raumordnungsplan (PGOU, Anm. d. Red.) geändert werden. Gegenwärtig sieht der PGOU nur die kommerzielle Nutzung der Ladengalerie vor und muss erst an die entsprechende neue Nutzung angepasst werden. Dies braucht seine Zeit", sagt ­Alberto ­Jarabo.

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