22. Februar 2020
22.02.2020
Mallorca Zeitung

So geht Lightpainting auf Mallorca

Eckbert Waldleben sucht verlassene Orte auf der Insel auf, um dort Menschen mit einer künstlerischen Fotografie- und Lichttechnik in Szene zu setzen. Die MZ hat sich angeschaut, wie das geht

22.02.2020 | 01:00

Zwei Sekunden mit dem Minibunsenbrenner draufhalten, dann brennt die Stahlwolle in Eckbert Waldlebens selbst gebauter „Feuerkugel", wie er sie nennt. Dabei handelt es sich eigentlich um einen ganz normalen Schneebesen, an dessen Ende eine kurze Eisenkette hängt. Konzentriert schwingt der 54-Jährige seine Feuerkugel mit ausgestrecktem Arm möglichst gleichmäßig in Kreisform durch die Luft. Fünf Sekunden später ist die Wolle schon wieder verbrannt, das Feuer geht aus, der Funkenflug stoppt. „Hat alles geklappt?", fragt der Hobbyfotograf seinen Helfer Frank Strehle, der etwa fünfzehn Meter entfernt hinter einer auf einem Stativ aufgestellten Systemkamera steht. „Ja, sieht gut aus", entgegnet ihm Strehle mit Blick auf das Kameradisplay.

Die beiden Deutschen, die zusammen bei der von Waldleben gegründeten Firma Quad-Mallorca in Andratx arbeiten, betreiben hobbymäßig Light Painting (Malen mit Licht). Dabei werden mittels Langzeitbelichtung Fotos bei Dunkelheit geschossen und Gebäudeteile oder Personen Schritt für Schritt durch das Bewegen verschiedener Lichtquellen in Szene gesetzt. Dabei ist es wichtig, dass die Kamera absolut ruhig steht. „Sie nimmt, je nach Voreinstellung, zum Beispiel jede Sekunde ein Foto auf", erklärt Waldleben. Am Ende legt das Kameraprogramm die Aufnahmen übereinander und es bleibt nur ein einziges Bild übrig. Bisher betreibt er die Lichtmalerei als Hobby, man kann ihn aber auch für Events buchen, wo er solche Aufnahmen macht.

Wie zum Beispiel am Torre d'en Pau in Ciutat Jardí nahe Palma de Mallorca, wo er ein paar Aufnahmen von MZ-Mitarbeiterin Lola Humanes macht, die sich als Model zur Verfügung stellt – wie besprochen in einem goldfarbenen Pailletten-Kleid, das Licht gut reflektiert.

Nachdem der anfangs beschriebene Feuerring samt Funkenflug im Kasten ist, leuchtet Waldleben auf Kommando seines Kollegen Strehle hin das Innere des Torbogens mit rotem Licht aus. Dafür fährt er mit einer Taschenlampe mit eingebautem Farbfilter langsam über die verschiedenen Innenteile des Bogens, während die Kamera wieder im Sekundentakt Fotos schießt. Strehle kontrolliert, ob sich die Farbe auch stark genug auf dem Display und damit später im Foto abzeichnet. „Leuchte über die linke Ecke noch einmal langsamer", sagt Strehle. Wenige Sekunden später erscheint das Innere des Turmbogens gleichmäßiger ausgeleuchtet in der Kameravoransicht.


Fokus, Stillgestanden, Licht an

Jetzt ist der Einsatz der MZ-Mitarbeiterin gefragt. „Bitte einmal in die Mitte des Bogens stellen und möglichst nicht bewegen", fordert Waldleben sie auf. Jetzt noch den Fokus an der Kamera auf sie umstellen, dann Action. Mit einer Leuchtröhre, die an ein Lichtschwert aus der „Star Wars"-Saga erinnert, fährt Waldleben zunächst die linke dann die rechte Körperseite des Models ab. Mit wenigen Sekunden Verzögerung erscheint ihre Silhouette auf dem Kamerabildschirm. Das war schon ihr großer Auftritt. Anschließend fährt Waldleben die Außenfassade des Turms mit einer Taschenlampe ab. Die Kamera läuft weiter mit. Die Lampen haben alle verschiedene Intensitätsstufen. Damit Waldleben nicht selbst im Bild erscheint, ist er ganz in Schwarz gekleidet und hält sich bewusst fern von den Lichtquellen.

Besonders detailliert muss er bei der Belichtung der Kanten an der oberen Seite des Turms vorgehen. „Wir suchen uns bewusst immer Gebäude mit besonderen Strukturen aus, etwa kaputten Ziegeln, Fenstern oder mallorquinischen Steinmauern, alte Fabriken, Bunker oder Militäranlagen", sagt Frank Strehle. „Sollen wir noch eine Leuchtspur legen?", fragt Waldleben seinen Kollegen dann. „Blau passt gut, aber nur am Geländer", schlägt Strehle vor. Vor seiner Auswanderung hat er sich in Deutschland um die Lichtplanung in den Räumlichkeiten großer Firmen gekümmert. Zum Light Painting ist zuerst Waldleben gekommen. „Ein Freund, den ich beim Geo-
caching kennengelernt habe, hat mir erzählt, dass er es schon eine Weile in Deutschland macht und mich einmal mitgenommen", sagt der Leipziger.

Auch die Brückengeländer sind nun blau ausgeleuchtet. Als Waldleben das Bild nach einer Stunde auf sein Tablet lädt, zeichnen sich ein paar Schlieren ab. Waldleben ist unzufrieden und verweist darauf, dass es für eine richtig gute Aufnahme schon mal mehrere Foto-Shootings benötige. „Ich könnte das Bild jetzt natürlich noch bearbeiten, aber dann wäre es kein Light Painting mehr", so der 54-Jährige. Photoshop ist bei dieser Kunst verpönt.

Eckbert Waldleben:

 
Instagram: artofglow66, Tel. 679-10 52 83, 
E-Mail: info@artofglow666.com

 

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