15. März 2020
15.03.2020

Zu Besuch bei den Pony-Trabern von Mallorca

Rund 30 Kinder gehen auf der Insel dem traditionellen Trabrennsport nach. Die Szene ist äußerst verschlossen und gibt hohe Summen für das Hobby aus

15.03.2020 | 01:00
Früh übt sich, wer später mal die Preisgelder abräumen will - eine Trainingsrunde auf der Rennbahn in Manacor.

Plötzlich fängt das weiße Pony Flecha an, ­hektisch zu trippeln und nach vorne und ­zurück zu tänzeln. Das Interview mit Toni ­Grimalt, dem neunjährigen Jungen, der hinten auf dem Wagen sitzt und gerade von ­seinem Hobby erzählt, ist schnell beendet. ­„Flecha ist zwar schon 16 Jahre alt, aber immer noch verspielt und nervös", sagt Toni. Zwar habe er bereits ein paar Rennen gewonnen in seiner gut zweijährigen Laufbahn, allerdings mit einem anderen Pony.

Wir sind zu Gast auf der Trabrennbahn von Manacor, wo an diesem Donnerstagnachmittag (27.2.) der ganze Stolz von Magdalena Gelabert aufgelaufen ist. Sie ist Präsidentin des Trabrennverbandes der Insel, Astrot, und hat für die MZ acht Nachwuchstalente mit ihren Eltern und natürlich den Hauptprotago­nisten, den Pferden, zusammengetrommelt. ­Wobei Pferde nicht ganz richtig ist. Drei Ponys sind auch darunter.

Ab sechs mit dabei

Die Tiere mit einem deutlich niedrigeren ­Rücken sind für die Kleinsten im Trabrennsport gedacht. Für diejenigen, die etwa wie Toni oder auch Lluc und Aleix bereits mit sechs Jahren begonnen haben. „Kleinere Kinder lassen wir noch nicht mitmachen", erklärt ­Gelabert. Bis zum Alter von zwölf Jahren sind Ponys Pflicht. Ab 13 können die Jugendlichen wählen, ob sie auf einem Pferd weitermachen. Entscheiden sie sich für ein Pferd, steigen sie in die „Alevines"-Klasse auf. Zwischen 17 und 24 Jahren fährt man in der „Aprendices"-Klasse mit. Danach geht es als Profi oder Amateur weiter.

Die Traberszene ist vor allem im ländlichen Mallorca tief verwurzelt. Seit Generationen geben die Familien die Tradition an ihre Kinder weiter. Ausländer haben es seit jeher schwer, in diesen etwas verschlossenen Zirkel einzudringen, auch wenn Magdalena Gelabert erzählt, dass auch Italiener und Franzosen auf der Insel dem Sport nachgehen. Und mit Ulrich Wieland gibt es auch einen deutschen Traber. Wann genau der Sport aufkam, weiß hier keiner mehr so genau.

„Ich weiß nur, dass bei uns schon der Großvater Rennen fuhr", ­erzählt Antònia Vaquer Staschel, deren Mutter aus Berlin stammte und sich mit 13 Jahren im Urlaub in einen Mallorquiner verliebte, später wieder auf die Insel kam und ihn heiratete. ­Vaquer hat ihre drei Söhne Adrià (11), Andreu (10) und Aleix (6) mitgebracht, genauso wie drei Pferde. Dafür hat sich die Familie eigens einen Pferdetransporter zugelegt. Antònia Vaquer und ihr Mann führen ein Leben für die Pferde. Beide bestreiten ebenfalls Trabrennen.

Die Familie besitzt nahe Manacor eine große Pferdefinca, in der mehr als 30 Tiere leben. An die 20 davon gehören ihnen, die übrigen sind Tiere von anderen Trabern oder Reitern, die auf der Finca eingestellt werden. Direkt nach der Schule geht es für die Kinder auf die Finca, wo die drei Brüder dabei mithelfen, die Tiere zu versorgen. „Wir müssen sie jeden Tag spazieren führen", sagt der elfjährige Adrià. Wobei das Spazierengehen für die Jungen ­natürlich nicht die Hauptmotivation ist. ­„Rennen zu fahren, das ist das Tollste", sagt der zehnjährige Andreu mit einem Grinsen im ­Gesicht. Dank der fincaeigenen Rennbahn ­können die drei auch trainieren, wenn die Trabrennbahn in Manacor nicht zur Verfügung steht. Die ist nur am Donnerstagnachmittag für die Nachwuchstraber geöffnet.

Auch was für Mädchen

Rund 30 Kinder zwischen sechs und 16 Jahren besäßen derzeit auf Mallorca eine Lizenz für den trot, wie der Trabrennsport auf Mallorquinisch genannt wird, sagt Magdalena Gelabert. Die meisten leben rund um Manacor. Und ­obwohl der traditionelle Trabrennsport bei den Erwachsenen eine eindeutige Männer­domäne ist, sieht es bei den Jüngsten anders aus. Fünf Mädchen seien bei Training und Rennen dabei, drei bis vier zeigten sich zumindest sporadisch, womit fast ein Drittel der aktiven Nachwuchstraber weiblich ist.

„So viele Kinder wie jetzt hatten wir schon lange nicht mehr. Wir haben gerade einen sehr guten Lauf", sagt Magdalena Gelabert. Schließlich sei Trabrennen kein Sport wie Fußball oder Tennis. „Die Zugangshürden sind riesig. Kinder, deren Eltern keine eigenen Pferde oder eine Finca haben, kommen mit dem trot überhaupt nicht in Berührung", sagt Gelabert. Und selbst wenn das Kind dann angefixt ist, kann man es nicht allein losschicken. Die Eltern sind für den Transport von Tieren und Kindern verantwortlich. „Wir verbringen unsere Wochenenden quasi ausschließlich auf der Rennbahn", sagt Antònia Vaquer.

Und dann stehen ja auch noch, so wie heute, Trainingseinheiten an. Die Vorbereitungen bei Tier und Mensch dauern dabei deutlich länger als das Training selbst. Bis die Pferde mit den Seilen verschnürt sind und der Sulky genannte Wagen befestigt ist, vergehen gern mal 15 bis 20 Minuten. Dann geht es etwa 20 Minuten auf die Bahn, ein paar Sprints - und dann ist schon wieder Schluss. „Man darf die Pferde auch nicht überfordern", sagt Magdalena Gelabert.

So wie ich kein zweiter

Für die MZ haben sich die Kinder sogar in die bei den Rennen vorgeschriebene Uniform ­geworfen, die jede Familie besitzt. Auch die wird üblicherweise seit Generationen weitergegeben. „Wichtig ist, dass es keine zwei ­gleichen Uniformen auf der Insel geben darf", sagt ­Antònia Vaquer. Zwar dürfen sich Farben wiederholen, aber dann muss das Muster der ­Uniformen unterschiedlich sein. Bis zu 400 Euro kostet der Aufzug der Kleinsten.

Trabrennsport ist auch sonst ein teures Unterfangen. Zum einen wäre da die Versorgung und Unterbringung der Pferde, für die häufig schon ein Großteil der Preisgelder - so man sie denn einfährt - draufgeht. Auch der Sulky ist nicht ganz billig. Rund 1.200 Euro müsse man für den Wagen hinblättern, sagt einer der Väter, die ihre Kinder auf die Rennbahn begleitet haben. Noch einmal rund 400 Euro kosten die Zügel und das Geschirr, das um den Kopf und den Rücken des Pferdes gebunden wird. Macht alles in allem 2.000 Euro, bevor man überhaupt einen Huf auf die Rennbahn setzen darf. Das Günstigste an der Angelegenheit ist die Lizenz von Astrot. Sie schlägt im Jahr nur mit 30 Euro zu Buche.

Damit dürfen die Kinder dann auch bei den Rennen antreten. Für den 13-jährigen Lluc ist das kommende Wochenende ein ganz besonderes. „Ich darf am 7. März zum ersten Mal in der ,Alevines'-Klasse debütieren." Deshalb schraubt er zunächst seine Erwartungen nach unten. „In der neuen Klasse werde ich erst einmal dazulernen müssen", sagt er.

Astrot im Netz: www.astrot.com

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