11. April 2020
11.04.2020
Mallorca Zeitung

Auch die Corona-Babys haben es gerade nicht leicht auf Mallorca

Bei frischgebackenen Eltern mischen sich die Glücksgefühle gerade mit großer Unsicherheit, wann die Pandemie vorbei sein wird. Die ersten Wochen mussten sie ganz ohne die Hilfe ihrer Familien und Freunde meistern

11.04.2020 | 01:00
Clàudia Soberats stellte ihren Freunden ihre Tochter Júlia per Videoanruf vor.

Während das Leben für die meisten von uns gerade stillsteht, geht es für andere gerade erst richtig los. Kaum das Licht der Welt erblickt, bekommen Neugeborene von der Coronavirus-Situation glücklicherweise noch nicht wirklich etwas mit. Dafür hatten sich ihre frischgebackenen Eltern und deren Familien die ersten Tage mit den Kleinen aber ganz anders vorgestellt. „Ich kam nicht so gut damit klar, dass Silvia ihren großen Bruder zunächst gar nicht kennenlernen konnte. Dabei hatte ich gehofft, es würde ein ganz besonderer Moment für uns werden", sagt etwa Eva Martínez, die vor Kurzem im Krankenhaus Son Llàtzer in Palma de Mallorca Mutter der kleinen Silvia geworden ist. Um einer Ansteckung mit dem Coronavirus vorzubeugen, durfte sich der Bruder dem Baby zwei Wochen lang nicht nähern.

Kinder, die kurz vor oder während des Alarmzustandes geboren wurden, kennen bisher nur die warme Haut ihrer Eltern. Von ihrem ersten Lebenstag an waren sie eingesperrt, weit weg von Geschwistern, Großeltern, Tanten und Onkeln. Nicht einmal zu Hause dürfen sie sich derzeit auf Besuch von Familienmitgliedern oder Freunden der Familie freuen. Und das in Spanien, wo fast jede Geburt sonst schon im Krankenhaus eine wahre Prozession von neugierig-überschwänglichen Verwandten, Freunden und Kollegen mit sich zieht.

Jetzt kommt selbst die Hebamme nur im Notfall. Auch die ersten Spaziergänge in der milden Frühlingssonne auf der Insel fallen für die „Corona-Babys" aus. Dafür bekommen sie extra viel Zeit mit ihren Eltern – die allerdings trotz dieser unbezahlbaren Momente mit den neuen Familienmitgliedern gerade ängstlicher, einsamer als sonst und von Unsicherheit geplagt sind.

Warten auf das Kennenlernen


Eva Martínez, die bereits einen zweieinhalb Jahre alten Sohn hat, kann einen direkten Vergleich zwischen der Schwangerschaft mit ihm und der ihrer vor Kurzem geborenen Tochter ziehen. Zunächst teilten ihr die Mitarbeiter bei ihrem letzten Kontrollbesuch im Gesundheitszentrum in Marratxí, kurz vor der Verhängung des Alarmzustandes mit, dass sie das Zentrum von nun an nur noch im Notfall aufsuchen könne. Von da an ging die Schwangerschaftsbegleitung und die Geburtsvorbereitung telefonisch vonstatten.

In der 39. Woche hatte sie dann einen weiteren Kontrolltermin. „Die Kleine wog sehr viel, in manchen Fällen kommen Schwangere dann ins Krankenhaus, um die Geburt einzuleiten", so Eva Martínez. Mit einem komischen Gefühl fuhr sie zurück nach Hause. „Ich bin eigentlich für natürliche Geburten, dass das Baby also auf die Welt kommt, wenn es so weit ist. Aber in diesem Fall hätte ich mir gewünscht, dass sie mich einliefern lassen, da ich befürchtete, dass im Krankenhaus später die Versorgung zusammenbricht. Man sagte mir, ich solle mir keine Sorgen machen und dass die Entbindungsstationen nicht betroffen seien, trotzdem hatte ich Angst", sagt sie.

Eine Woche später kam sie dann ins Krankenhaus, wo die Geburt eingeleitet wurde. „Ich war sehr erleichtert. Ich wollte unbedingt, dass meine Tochter endlich geboren wird, um zu sehen, dass es ihr gut geht. Während der Geburt selbst ist mir aufgefallen, dass das Pflegepersonal mehr Schutzkleidung anhatte als bei der Geburt meines Sohnes. Im entscheidenden Moment, als meine Tochter herauskam, trugen die Hebamme und der Pfleger sogar einen Spezialanzug", erzählt Eva Martínez, die mittlerweile mit ihrem Mann Juan Mesas und der kleinen Silvia zu Hause ist. 

Folgen für die Entwicklung?


Auch Clàudia Soberats und Julián Cabanillas aus Sa Pobla fehlte die Hilfe ihrer Familie und Freunde. Am 21. März sind die beiden im Krankenhaus in Inca Eltern der kleinen Júlia Cabanillas geworden. In den ersten Tagen nach der Geburt, das sei das Schlimmste an der aktuellen Situation gewesen, hätten sie kaum Hilfe von anderen in Anspruch nehmen können. „Da für uns selbst alles neu ist, haben wir darauf vertraut, dass unsere Familie uns helfen und während der ersten Tage begleiten kann. Es war wirklich schwierig, ohne diese Unterstützung klarzukommen. Dank der sozialen Netzwerke können wir immerhin leichter mit ihnen kommunizieren", sagt Clàudia Soberats.

Vater Julián verlässt das Haus nur, um einkaufen zu gehen. Beide sind in Elternzeit, trotzdem haben sie auch Angst: „Wir wissen nicht, was passiert, wenn sich doch jemand von uns ansteckt, geschweige denn, wie lange der Zustand anhält. Wir fühlen uns machtlos", so die Eltern, die sich auch Sorgen darüber machen, ob die besonderen Umstände sich auf die kognitive Entwicklung der kleinen Julia auswirken könnten.

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